Tom Aumer päppelt in seinem Wohnzimmer junge Brachvögel wieder auf

Wegen des Hochwassers in und um Regensburg haben Aumers LBV-Kollegin Alina Rudolf sowie Wolfgang Ahlmer und Wolfgang Nerb von der höheren Naturschutzbehörde Eier und drei Küken in Sicherheit gebracht. Die Tiere stammen aus einem Naturschutzgebiet bei Pfatter.
„Aktuell muss ich im Stehen essen“, sagt Tom Aumer vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Auf seinem Küchentisch stehen zwei Brutapparate. Zur Sicherheit, falls einer ausfällt. In einem Brutapparat liegen zwei braun-grüne Eier, die sich bei genauem Betrachten leicht bewegen. „Vielleicht schlüpft heute Nacht noch ein Küken“, sagt der 56-Jährige.
Sicher sei das allerdings nicht, denn es handelt sich um empfindliche Brachvogel-Eier. Der Brachvogel ist vom Aussterben bedroht und einer der seltensten Wiesenbrüter. Aumer geht davon aus, dass in Bayern nur noch wenige Hundert seiner Art lebten. Das liege daran, dass es immer weniger Feuchtwiesen gebe, die den Lebensraum der Brachvögel bilden.
Vögel hatten einen Sender
Wegen des Hochwassers in und um Regensburg haben Aumers LBV-Kollegin Alina Rudolf sowie Wolfgang Ahlmer und Wolfgang Nerb von der höheren Naturschutzbehörde die Eier und drei Küken in Sicherheit gebracht. Die Tiere stammen aus einem Naturschutzgebiet bei Pfatter. „Weil die Vögel einen Sender haben, konnten sie schnell im Hochwasser gefunden werden“, erklärt Aumer.
Seine Zöglinge kamen am Samstag bei dem Regensburger an. Den Auftrag, sich um die Brachvögel zu kümmern, hat Tom Aumer von der höheren Naturschutzbehörde erhalten. Im Aufziehen von Vögeln ist der 56-Jährige erfahren. Bereits als Kind ist Aumer mit den exotischen Fasanen seines Vaters groß geworden und durfte sich um dessen Tiere kümmern.
Heute ist Aumer Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Regensburg und bayernweit Referatsleiter des LBV im Artenschutz. Der Naturschützer hat schon zahlreiche Vögel sowie verletzte Fledermäuse oder Laubfrösche wieder aufgepäppelt.
Dass Brachvögel eine neue Herausforderung darstellen und ein hohes Maß an Verantwortung mit sich bringen, ist Tom Aumer klar. „Sie sind hochsensibel“, sagt der hauptberufliche Naturschützer. Zwei der vier Eier, die seine Kollegen gerettet haben, waren schon kaputt. Beim Ausbrüten der beiden übrigen Eier müssen sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit ganz genau passen. „Hier braucht man Fingerspitzengefühl“, weiß Tom Aumer.
Auswilderung schon geplant
In seinem Wohnzimmer befindet sich ein riesiger, blauer Vogelkäfig, der von innen mit Karton ausgekleidet ist, damit sich die Küken nicht an den Schnäbeln verletzen. Erwachsene Brachvögel zeichnen sich nämlich vor allem durch ihren langen, gebogenen Schnabel aus. Bei ihrer Ankunft waren die Küken durchnässt sowie geschwächt und mussten gefüttert werden. Mittlerweile essen die Tiere wieder selbst. Sie bekommen Heuschrecken und Maden sowie Zusatzstoffe, die unter das Futter gemischt werden. „Die Küken bleiben wahrscheinlich noch sechs Wochen bei mir, bis sie flügge sind“, kündigt Aumer an. Noch befindet sich der Käfig im Wohnzimmer. Sobald die Vögel ein Federkleid ausgebildet haben, das Schutz spendet, dürfen sie auch nach draußen, um sich an die Witterung zu gewöhnen. Ziel ist es, die geretteten Tiere im Herbst an einen entsprechenden Sammelplatz zu bringen. „Von dort aus fliegen viele Brachvögel in den Süden und unsere Tiere können sich anschließen“, erklärt Tom Aumer. Für gewöhnlich fliegen Brachvögel über den Winter nach Spanien.
Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. „Es ist nicht selbstverständlich, dass das alle schaffen“, sagt Tom Aumer. Er hofft, dass alles gutgeht, denn:„Jedes Tier, das fehlt, bedeutet für uns einen riesigen Verlust.“

