Gericht verhängt Bewährung für Einbrecher – weil der Ermittler krank ist

Von André Baumgarten · 4. Juni 2024 um 17:51

Einbrüche in Fitnessstudios in Regensburg und Franken bringen Beute im Wert von 140 000 Euro, die nach Rumänien verschwinden. Eine Funkzellenauswertung führt die Ermittler zu einem 47-Jährigen, für den das Ganze nun vor Gericht endete.

Kranke oder derzeit unabkömmliche Ermittler und ein volles Geständnis haben einen 47-Jährigen gestern vor einem längeren Gefängnisaufenthalt bewahrt. Trotz immenser Beute mit EMS-Geräten samt Zubehör für mehr als 140 000 Euro, die nie wieder aufgetaucht sind, gewährte des Schöffengericht dem einschlägig vorbestraften Rumänen ein Jahr und elf Monate auf Bewährung. Er verließ das Amtsgericht gestern als freier Mann.

Als „schwarzes Schaf in meiner Familie“ outete sich der 47-Jährige, dessen Vater in Rumänien selbst Polizist sei, vor Gericht. Warum der nach eigenen Angaben Ex-Profisportler auf die schiefe Bahn geriet, erklärte er im Prozess vor dem Schöffengericht ebenfalls: „Ich hatte Probleme mit der Spielsucht.“ Dadurch sei auch die Ehe in die Brüche gegangen – weshalb der Mann von Italien zurück in seine Heimat Rumänien zog.

2015 schon einmal wegen Diebstahls verurteilt

2009 war diese Trennung von seiner Familie, wie er in gebrochenem Deutsch selbst erzählte. Dann habe er in Rumänien als Fahrer im internationalen Fernverkehr gearbeitet. Sechs Jahre später fiel der 47-Jährige erstmals auf: In Karlsruhe wurde er Mann 2015 verurteilt und saß fast zweieinhalb Jahren im Gefängnis – ebenfalls wegen Diebstahls. Ob er weitere Straftaten in seiner Heimat beging, blieb derweil offen. Rumänien erteilte den deutschen Behörden im Zusammenhang mit dem anstehenden Prozess keinerlei Auskunft. Fakt ist: Im Frühjahr 2023 wurde er wieder straffällig, diesmal in Bayern.

Laut der Staatsanwaltschaft war der Angeklagte mit einem Komplizen im Westen Regensburgs aktiv: In der Nacht zum 5. März 2023 hebelten sie das Fenster eines Studios für Kardiotraining auf und stahlen da die gesamte EMS-Ausstattung. Wie einer der Betreiber als Zeuge angab, kamen auch Vorführgeräte weg, die in der Anklage fehlten – da ist der Wert der Geräte mit fast 57 000 Euro aufgeführt. Besonders bitter: „Wir haben nicht viel von der Versicherung bekommen“, schilderte der 28-Jährige. 16 000 Euro seien in zwei Raten nach dem Einbruch ersetzt worden.

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Ganz ähnlich schilderte das ein zweiter Unternehmer, dessen Betrieb im Sommer heimgesucht worden war. Damals seien alle drei Schlösser zu dessen Studio „an- oder aufgebohrt worden“, gab der 51-Jährige als Zeuge an. Und wieder verschwanden EMS-Geräte sowie Zubehör im Wert von gut 40 000 Euro. Hier ersetzte eine Versicherung zwar den vollen Schaden – der damalige Betreiber gab aber auf, arbeitet nun als Angestellter. Zu viele Kunden seien damals weggefallen, „bis die neuen Geräte kamen“. Er sei sogar anfangs selbst verdächtigt worden, den Coup am 23. Juni fingiert zu haben.

Der dritte Fall, ein Einbruch in der darauffolgenden Nacht in Feucht, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft im Rahmen eines Deals vorläufig eingestellt. Das Gericht bot dem 47-Jährige bei einem Geständnis nicht mehr als zwei Jahre und Bewährung an. Darauf ging der Angeklagte nach längerer Beratung mit seiner Anwältin ein.

Haftbefehl nach dem Urteil sofort aufgehoben

Ein Königsweg, wie Richterin Costa erläuterte. Wegen längerer Krankheit sei der zuständige Sachbearbeiter der Regensburger Kripo nicht greifbar: „So wäre das schwierig geworden.“ Das Geständnis wertete das Gericht als besonders werthaltig. „Sie sind noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen“, betonte die Richterin. Verurteilt wurde der Mann zu einem Jahr und elf Monaten auf Bewährung.

Den Haftbefehl, den Ermittler nach der Funkzellenauswertung, die zum 47-Jährigen führte, beantragt hatte, hob das Gericht auf. Der Angeklagte war im Dezember in Rumänien festgenommen und ausgeliefert worden – dorthin will er zurück.