Kelheimer Feuerwehr im Dauereinsatz: So hält der Damm in der Regensburger Straße

Rund um die Uhr ist die Kelheimer Feuerwehr in der Regensburger Straße vor Ort und passt auf, dass der künstliche Damm stabil bleibt. Dafür erfahren sie viel Dankbarkeit aus der Nachbarschaft. Wie geht es den bedrohten Anwohnern?
Dienstagmittag: Das braune Donauwasser in der Regensburger Straße steigt weiter bedrohlich an. Der Parkplatz gegenüber der Fahrschule Kandler ist komplett überflutet. Rund um die Uhr beobachten Feuerwehrmänner die Wasserpegel und den provisorisch aufgeschütteten Damm, der die Wohnhäuser und Geschäfte in der aktuell voll gesperrten Regensburger Straße vor dem Wasser schützen soll. „Wir sind zu jeder Tages- und Nachtzeit mit mindestens neun Leuten vor Ort“, sagt der stellvertretende Kommandant Andreas Dillinger. Hinter ihm und seinen Kameraden liegen lange, anstrengende Tage. Erst am Montagabend mussten sie den Wall weiter verstärken.
„Wir sind zu jeder Tages- und Nachtzeit mit mindestens neun Leuten vor Ort“
Andreas Dillinger, stellvertretender Kommandant
Denn am Nachmittag gab es erste Probleme. „Durch den Damm sickert Wasser. Wegen des Gefälles konnte es allerdings nicht abfließen. Darum lief es unter den Damm und zog in den Sand ein“, erklärt Dillinger. Das hätte riskant werden können: Wenn zu viel Wasser in den Sand einzieht, wird dieser weich. „Das hätte zur Folge haben können, dass der Damm nachgibt.“ Nun sei die Lage aber statisch im Griff – dank 200 Paletten voller Sandsäcke. Diese verstärken den künstlichen Damm vor allem. Hauptsächlich besteht er aus Sand und Kies. „Da haben wir am Montag bis Mitternacht gearbeitet“, erzählt der stellvertretende Kommandant.
Das blieb den Anwohnern nicht verborgen. Carola Gruber wohnt direkt in der Regensburger Straße – und hat sich noch am Montagabend an die MZ-Redaktion gewandt: „Ich bin sehr beeindruckt. Die Feuerwehrler sind pausenlos im Einsatz. Wenn es den künstlichen Damm nicht gäbe, hätten wir jetzt wohl schon Wasser im Haus.“ Über ein solches Lob freut sich auch der Vize-Kommandant.
Unvernünftige Passanten sorgen für Ärger
Die Anwohner und Passanten seien sehr kooperativ, sagt er. Allerdings gebe es Ausnahmen. Manche klettern auf den Damm – und sogar Kinder hätten den Schutzwall schon als Sandkasten genutzt. „Einige Schaulustige wissen leider nicht, wie gefährlich das alles ist. Die glauben wohl, dass eine Sperrung nur eine Empfehlung ist“, ärgert sich Dillinger. Bei einigen Anwohnern merkt er durchaus, dass sich Angst breitmacht. Daraus macht auch Carola Gruber keinen Hehl: „Ich fühle mich schrecklich. Ich hoffe einfach, dass nichts passiert.“ Gruber wohnt erst seit Anfang Mai in einer Neubauwohnung Regensburger Straße. Ihr E-Bike hat sie zur Sicherheit schon aus dem Keller geholt.
Robert Niederl hat ebenfalls einige elektronische Dinge in Sicherheit gebracht. Er ist Inhaber der Freien Tankstelle in der Regensburger Straße. Vor zwei Jahren musste er seine Tankstelle bereits für längere Zeit wegen Straßenbauarbeiten schließen. Nun ist erneut für den Verkehr gesperrt. Das bedeutet für ihn natürlich Umsatzeinbußen.
Trotzdem ist seine Einstellung klar: „Augen zu und durch.“ Am Samstagmittag musste die Tankstelle schließen. Eine konkrete Gefahr stellen die Zapfsäulen aber nicht dar, da die Tanks unterirdisch liegen. „Außerdem habe ich volles Vertrauen in die Feuerwehr“, sagt Niederl.
Auch Wolfgang Huber muss seinen Laden in der Regensburger Straße geschlossen lassen. Er betont, wie wichtig die Arbeit des Ehrenamtes und der Feuerwehr ist. „Wahnsinn was die machen.“ Einige der Feuerwehrler haben am späten Dienstagvormittag immerhin Zeit für eine kurze Pause. „Wir sind seit Samstag in der Früh im Einsatz. Durch den Schichtdienst haben wir wenigstens ein bisschen Schlaf bekommen“, sagen zum Beispiel Felix Zieglmeier und Simon Wiruch.
Wasser schneller gestiegen
Die größte Herausforderung war laut Feuerwehrmann Manuel Dillinger, den Deich mit Sandsäcken zu verstärken. Im Vergleich zum Hochwasser 2013 sei die aktuelle Flut laut den Einschätzungen des Feuerwehrmanns schneller gestiegen. Dass das Hochwasser in diesem Jahr eine andere Dynamik hat, bemerkt auch der stellvertretende Kommandant Andreas Dillinger.
Für den künstlichen Damm an der Regensburger Straße ist das von großer Bedeutung. Denn bei der Frage, wie sicher der Schutzwall ist, spielt nicht nur der Pegelstand eine Rolle. Laut Dillinger ist auch die Dauer des Hochwassers ein großer Faktor. „Wenn das Wasser für lange Zeit sehr hoch ist, hat es mehr Zeit, den Damm aufzuweichen. Auch das ist eine Herausforderung.“


