Eine Rekordbilanz, aber: Ein Baum fälschte die Drachensee-Werte in Furth im Wald

Der Drachensee hat beim Hochwasser Rekordmengen aus den Zuflüssen aufgestaut – bis 87 Kubikmeter pro Sekunde – und dabei nie mehr als 25 Kubikmeter abgegeben. Bis zum Dienstag hatte er 2,7 Millionen Kubikmeter Wasser aufgenommen. Das teilt der Abteilungsleiter für den Landkreis Cham im Wasserwirtschaftsamt, Philipp Wolf mit. Eine aufmerksame Leserin hat aber andere Zahlen gefunden.
Stefanie Plötz aus Gleißenberg hat genau hingeschaut und aus ihren Beobachtungen den Rückschluss gezogen, dass der Drachensee mehr gekonnt hätte. Deswegen seien möglicherweise mehr Kubikmeter freigesetzt worden als nötig und hätten den Rettungskräften das Leben schwerer gemacht als nötig.
Das Problem Baumstamm
Philipp Wolf erklärt für das Wasserwirtschaftsamt, warum der erste Blick getäuscht hat: „Leider befand sich im Abflussquerschnitt des Pegels ‚Drachensee Speicherabfluss‘ ein abgetriebener Baum, der die Messung negativ beeinflusst hat. Auf der Homepage des Hochwassernachrichtendienstes www.hnd.bayern.de wurden deshalb fälschlicherweise zu hohe Abflusswerte angezeigt. Das Betriebspersonal hat mehrfach durch Messungen sichergestellt, dass die zulässige Abgabemenge am Drachensee nicht überschritten wurde.“
Wolf erklärt die Grundsätze des Stauseebetriebs: Der Betrieb des Drachensees ist im Rahmen des wasserrechtlichen Bescheides durch eine Betriebsvorschrift geregelt. Konkret ist dort vorgeschrieben: Bis zum Erreichen des Vollstaus (408,25 Meter über Normalhöhennull) darf der Abfluss aus der Speicherabgabe zuzüglich des Abflusses der Warmen Pastritz 35 Kubikmeter pro Sekunde nicht übersteigen. Diese Abflussmenge kann die Chamb stromabwärts des Drachensees gerade noch schadensfrei aufnehmen.
Die Spitze der Welle gekappt
Die Betriebsweise eines Wasserspeichers zielt immer darauf ab, die Spitze eines Hochwasserscheitels zu kappen und nur so viel Wasser abzugeben, wie stromabwärts schadlos verkraftet werden kann. Wenn man zu früh anfängt, das Wasser zurückzuhalten, steht später kein freies Volumen mehr im Speicher zu Verfügung und der Abflussscheitel der Hochwasserwelle kann nicht zurückgehalten werden.
Zur Abgabe am Samstag sagt Wolf: „Bereits am Freitag war abzusehen, dass übers Wochenende erhebliche Niederschlagsmengen fallen werden. Um die Spitze des Hochwasserscheitels aufnehmen zu können, muss bei der ansteigenden Hochwasserwelle bereits so viel Abfluss durchgelassen werden, wie der Unterlauf vertragen kann und es in der Betriebsvorschrift geregelt ist. Im Verlauf des Samstages wurde am Speicher eine maximale Abgabe von rund 25 Kubikmetern pro Sekunde eingestellt.
Was hat der Stausee bewirkt?
Was hat der Drachensee dieses Wochenende bewirkt? Dazu Wolf: Am Samstag sind über die Chamb und den Danglesbach in Summe bis zu ca. 50 Kubikmeter pro Sekunde in den Drachensee geflossen. Durch den Speicher konnte diese Abflussspitze zurückgehalten und eine maximale Abgabe von ca. 25 Kubikmetern sichergestellt werden.
Am Sonntagnachmittag ist, so der für den Landkreis Cham zuständige Abteilungsleiter, eine Starkregen-Zelle über den Drachensee und dessen Einzugsgebiet gezogen. Der Niederschlag ist durch die vollständig gesättigten Böden nahezu vollständig abflusswirksam geworden und hat zu sehr hohen Abflüssen geführt, so Wolf.
An mehreren Pegeln im Einzugsgebiet des Drachensees sind neue historische Höchststände gemessen worden – höher als im Jahr 2013. Dem Drachensee sind infolge dessen bis zu ca. 87 Kubikmeter pro Sekunde zugeflossen. Auch zu diesem Zeitpunkt konnte die Abgabemenge konstant bei 25 Kubikmetern gehalten und damit große Schäden in Furth im Wald verhindert werden. Die Spitze des Hochwasserscheitels wurde um ca. 70 Prozent verringert.
Aktuell zu 67 Prozent voll
Aktuell ist der Speicher zu 67 Prozent gefüllt und hat bislang 2,7 Millionen Kubikmeter Wasser aufgenommen und zwischengespeichert. Der Stand stammt von Montag, 16 Uhr. Die Betriebsvorschrift, so versichert Wolf, wurde zu jedem Zeitpunkt eingehalten. Er bedankt sich ausdrücklich bei m Betriebspersonal seines Amtes vor Ort, das die Lage am Drachensee Tag und Nacht im Blick gehabt und außerordentliche Einsatzbereitschaft bewiesen habe.
