Hochwasser im Kreis Kelheim: Erste Bewährungsprobe für den Damm in Hienheim

Von Isolde Stöcker-Gietl · 4. Juni 2024 um 16:02

Die Donau schwillt noch immer an. Der Kelheimer Kreisbrandrat Nikolaus Höfler geht davon aus, dass die Gefahr erst am Donnerstag oder Freitag gebannt sein dürfte. Unterdessen schleppen in Hienheim viele Ehrenamtliche Sandsäcke, um den Damm zu sichern.

Die Sonne brennt am Dienstagmittag gnadenlos auf die Feuerwehrleuten, die in Hienheim bei Neustadt/Donau mit zahllosen Sandsäcken den Damm an ersten undichten Stellen stabilisieren. Es sind kritische Stunden, denn die Donau steigt noch immer und wird auch in den kommenden Tagen große Kräfte auf die Hochwasserwälle ausüben. Im Landkreis Kelheim beobachten die Einsatzkräfte die Bauwerke deshalb sehr genau. Die Gefahr droht, dass die Dämme aufweichen könnten, sagt am Dienstag Kreisbrandrat Nikolaus Höfler bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz des Katastrophenstabs. Deshalb werden alle Anlagen überwacht, unter anderem mit Drohnen und Wärmebildkameras, die auch während der Nacht zum Einsatz kommen. Vor Donnerstag oder Freitag sei die Gefahr nicht gebannt, prognostiziert Höfler. Der Scheitel soll vorerst am Dienstagabend mit 7,35 Metern erreicht werden. Allerdings sei unklar, ob durch die Regenfälle in Oberbayern neue Wassermengen in Richtung Donau abfließen.

Damm wurde nach Hochwasser 2013 errichtet

Der Damm in Hienheim ist nach dem Hochwasser 2013 errichtet worden. In einer Kurve mit anschließender Geraden grenzt er die Ortschaft zu den Flächen ab, die bei Hochwasser überflutet werden sollen. Diese Naturflächen hat die Donau längst erobert. Jetzt müssen die Einsatzkräfte dafür sorgen, dass der Damm hält. Denn genau dort, wo das jetzige Hochwasser frontal auf den Wall trifft, zeigen sich ersten Bruchstellen, erläutert Thomas Memmel, der Bürgermeister von Neustadt/Donau, der sich am Dienstagmittag ein Bild von der Lage in dem Ortsteil macht.

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Mit Quads werden deshalb hunderte Sandsäcke auf das Gelände transportiert und zu ringförmigen Bauwerken aufgeschlichtet, um darin das austretende Wasser aus den Dämmen zu sichern. Zudem sind drei Hochwasserpumpen im Einsatz, die das Wasser zurück in die Donau pumpen. Da bislang nur klares Wasser austrete, sei die Gefahr gering, sagt Jürgen Bucher, Kommandant der Feuerwehr Neustadt/Donau. Sobald braune Brühe durch die Dämme sickere, bedeute das die einsetzende Zersetzung des Materials. Rund 50.000 gefüllte Sandsäcke hält die Feuerwehr in zwei Depots bereits vorrätig. Weitere 200.000 Säcke liegen zur Befüllung bereit, so Höfler.

Verärgert über Hochwasser-Touristen

Die stark angeschwollene Donau ist ein Naturspektakel. Überall im Landkreis Kelheim sorgen deshalb Hochwasser-Touristen für Behinderungen. Manche treibt die Neugier bis in die Gefahrenzonen hinein. „Wir appellieren an die Bürger, sich von Dämmen und Hochwasserschutz fernzuhalten“, sagte Alexandra Adolph, Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz, bei der Pressekonferenz. In Neustadt/Donau hat Bürgermeister Memmel eine Verordnung erlassen, dass die Hochwasserbereiche nicht mehr betreten werden dürfen. Auch die Polizei wurde informiert, um die Bereiche verstärkt zu kontrollieren. Feuerwehrkommandant Bucher ärgert sich über die Gedankenlosigkeit mancher Bürger. Die Warnungen der Feuerwehr seien in der Vergangenheit allenfalls belächeln worden.

Kelheim Landrat Martin Neumeyer dankte den zahllosen Helfern für ihren Einsatz. „Die Solidarität der Menschen und auch der Firmen ist beeindruckend“, lobte er. Es sei richtig gewesen, frühzeitig den Katastrophenfall auszurufen. Die Erfahrungen aus vergangenen Hochwassern helfen den Einsatzkräften, die Anforderungen, die dieses Hochwasser mit sich bringe zu bewältigen, zeigte er sich überzeugt. Zudem habe sich der bauliche Hochwasserschutz bewährt. „Das war eine gute Investition.“ Die Herausforderung sei nun, die Dämme so lange stabil zu halten, bis die Pegelstände sinken. „Und das wird leider noch nicht so schnell der Fall sein.“ Deshalb werde der Katastrophenfall auch weiterhin aufrechterhalten, so Neumeyer.

Auf die Frage, ob das erneute Hochwasser den Bürgern das Gefährdungspotenzial für eine Bebauung in Gewässernähe bewusst mache, schüttelt Neumeyer den Kopf. „Die Folgen sind schnell wieder vergessen.“ Der Widerstand, wenn Bebauungspläne mit Verweis auf Hochwassergebiete abgelehnt würden, sei hoch. Auch in Hienheim, wo beim Pfingsthochwasser 1999 das Wasser bis in den Ort hinein stand, sind neue Gebäude in Dammnähe errichtet worden.

Der Neustädter Feuerwehrkommandant Jürgen Bucher ärgert sich über Hochwasser-Touristen.
Für Neustadts Bürgermeister Thomas Memmel ist es das erste große Hochwasser im Amt.