In Mauern bangen Menschen nicht nur um ihre Anwesen

Es sind zwar nur wenige Anwesen, die im Neustädter Ortsteil Mauern (Landkreis Kelheim) konkret vom Hochwasser betroffen sind. Deren Bewohner haben aber seit Sonntag bange Stunden zu überstehen.
Als Franz Plattner und seine Nachbarn Christa Vogl, Brigitte Schmidt und Max Karrer Dienstagvormittag in seinem Hof stehen, scheint das Schlimmste abgewendet. Plattner hat von der Stadt vor wenigen Minuten den jüngsten Lagebericht bekommen. Demnach könnten noch einmal zehn Zentimeter an Wasserstand dazukommen. Noch am Tag davor war laut Hochwasser-Informationen der Kommune ein noch höherer Anstieg nicht ausgeschlossen.
Auch so sei es mehr Wasser als beim Hochwasser 2013, wie Plattner und Karrer vermuten. Drei Bäche, die zur Ilm fließen, kämen hier im Westen des Dorfes zusammen. Allerdings transportiert die Ilm derzeit kein Wasser mehr ab, sondern läuft ebenso in den Goldau genannten Bereich zwischen Mauern und Donau, weil diese dieses Wasser nicht mehr aufnehmen kann. Dem Ortsunkundigen werde laut Karrer wohl die Dimension gar nicht bewusst. So sehe man das Wasser in den Getreidefeldern wegen der hohen Halme gar nicht.
Hochwasser im Landkreis Kelheim: Wasser bis zur Gartenmauer
Bei Plattner stehen Wirtschaftsgebäude im Wasser, ähnlich sieht es bei Karrer aus. Bei Nachbargebäuden steht das Wasser an der Gartenmauer. Erfülle sich die Prognose, würde das Wasser auch nicht in die Gärten laufen. Was genau geschehen würde, käme noch mehr Wasser, vermögen alle Vier nicht zu sagen. Die Erfahrungen fehlen, aber zumindest die Keller könnten wohl volllaufen. Die seien aber auch von steigendem Grundwasser bedroht.
Das könnte laut Karrer auch große Schäden verursachen, wenn etwa die Heizung davon kaputt gehe. „Das wichtigste ist aber, dass keine Menschen zu Schaden kommen“, betont Schmidt.
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Karrer stellt einen Vergleich her zur Hochwasserkatastrophe 1999. Damals hätte die Gruppe in Plattners Hof wohl deutlich mehr als einen Meter im Wasser gestanden. Für die Einsatzkräfte von Feuerwehr und den übrigen Organisationen gibt es von den Mauernern nur Lob. Die würden das Bestmöglichste tun.
Dämme aus Sandsäcken
Sie haben laut Karrer und Plattner Montagabend Wohnhäuser mit Sandsäcken gesichert, um Wasser von Wänden fernzuhalten. Zu sehen sind tags darauf auch kleine Dämme aus Sandsäcken, die Wasser noch weiter entfernt von den Häusern halten sollen. Das es ernst wird, habe man laut Karrer im Dorf am Sonntag erkannt. Montag ging es dann für die Landwirte im betroffenen Bereich darum, die Maschinen aus den Hallen in Sicherheit zu bringen. Das habe man allein erledigen können – Hilfe von nicht betroffenen Nachbarn sei nicht nötig gewesen. Die hätten aber nicht lange überlegt, als die Frage kam, ob die Geräte bei ihnen untergestellt werden könnten. „Wir helfen schon zusammen“, sagt Karrer. Beim Haus seines Enkels habe man eigenhändig die Kellerfenster mit Holz vernagelt.
Hochwasser im Newsblog: Aktuelle Infos zur Lage in Ostbayern
Plattner betont, dass es trotzdem ohne wirtschaftliche Schäden nicht abgehen werde. Auch Felder von ihm stehen im Wasser – die Ernte auf ihnen könne er wohl abschreiben. Etlichen Landwirten aus der Region werde es wohl so gehen.
Grund für Kritik sehe er aber nicht. „Wenn so viel Wasser von der Donau kommt, kann man nicht mehr machen“, ist er sich sicher. Trotzdem müsse die Situation in Zukunft geändert werden. Es müssten Wege gefunden werden, damit nicht mehr so viel Wasser Richtung Mauern fließt. Karrer betont, dass es Hochwasser-Ereignisse solcher Art früher im Dorf nicht gegeben habe.
Verbesserungen Zug um Zug umsetzen
Bürgermeister Thomas Memmel widerspricht gegenüber der Mittelbayerischen nicht. Aber die Situation bei Mauern sei höchst kompliziert. Veränderungen dort könnten sich etwa auf die Kläranlage auswirken. Er betont, dass man ohnehin schon mit einem Planer in Verbindung sei, um Zug um Zug Verbesserungen umzusetzen. Er sprach von Versuchen, das Volumen im Gelände zu erhöhen. Den großen Wurf, mit dem alles auf einmal verbessert werden könne, gebe es aber leider nicht.
Also müssen die Mauerner damit Leben, dass dieses nicht das letzte Hochwasser dieser Größenordnung sein könnte. Für sie werde alles ohnehin länger dauern. Karrer und Plattner gehen davon aus, dass es viele Wochen dauern werde, bis der letzte Tropfen Wasser von den Feldern und Wiesen verschwunden sein wird.
Plötzlich waren Gerüchte in der Welt
Plötzlich waren die Gerüchte da: In Neustadt a. d. Donau sei ein Deich gebrochen. Sie waberten so deutlich durch die Stadt, dass sich die Stadtverwaltung genötigt sah, in ihren regelmäßigen Meldungen auf der städtischen Internetseite zum Hochwasser den Gerüchten offiziell zu widersprechen. Woher sie kamen, wisse Bürgermeister Thomas Memmel nicht. Sie seien plötzlich in den Sozialen Medien aufgetaucht. So hätte ihn seine Ehefrau darüber informiert. Memmel geht davon aus, dass die zeitliche Nähe mit dem Gedenktag der Katastrophe 1999 ein Auslöser für solche Gerüchte sein könne. Denn es sei immer wieder kommuniziert worden, dass es keine akuten Gefahren für die Deiche gebe.
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Damit diese auch nicht kommen, gibt es akkurate Kontrollen der Deiche rund um Neustadt a. d. Donau, in die laut Stadtverwaltung auch Kräfte der DLRG mit eingebunden sind. In der Pressekonferenz des Landkreises zur Lage am Dienstagvormittag war zu erfahren, dass diese im Stundentakt erfolgen. Laut Stadt gibt es bisher keine besonderen Gefahrenstellen. Auffällige Stellen würden markiert. Das bedeute laut Memmel, sie werden in einem Lageplan eingezeichnet und fotografiert. Bei folgenden Kontrollen werde dort sehr genau hingeschaut. Wichtig sei, sehr frühzeitig zu reagieren. Deshalb wurde am Dienstagvormittag der Deich bei Hienheim weiter mit Sandsäcken verstärkt.

