Beim Oberpfälzer Waldverein in Schwandorf endet nach 21 Jahren eine Ära

Der Oberpfälzer Waldverein (OWV) in Schwandorf steht vor einer Zäsur: Nach 21 Jahren will Gründungsvorsitzender Erwin Mayer in die zweite Reihe rücken. Er war und ist der Motor in dem Verein, der vor allem durch die Sanierung des Türmerhauses beim Blasturm von sich reden machte.
Die Nachricht landete kürzlich bei den 655 Mitgliedern per Rundschreiben im Briefkasten. Darin weist Mayer nicht nur auf den Termin hin, sondern kündigt auch seinen baldigen Rückzug an: „Ich muss euch mitteilen, dass ich nach 21 Jahren nicht mehr für das Amt des 1. Vorstands antrete“, heißt es. Er wolle sich „zukünftig mit Josef Karl zusammen um den Rundbrief kümmern und Siegfried Meißner bei der Markierung unserer Wanderwege unterstützen“, schreibt Mayer.
Verein seit vergangenem Jahr schuldenfrei
Gründe für seinen Rückzug gibt es mehrere, wie der Vorsitzende erklärt. Mit 68 Jahren sei es an der Zeit, die Führung Jüngeren zu überlassen, lässt er durchblicken. Fast noch wichtiger: Er übergibt ein wohlbestelltes Haus. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Türmerhaus, in dem nicht nur der Verein, sondern auch viele Weggefährten einen Treffpunkt finden, ist abgezahlt. Der OWV Schwandorf ist schuldenfrei, und für den neuen Vorstand haben sich bereits Nachfolger gefunden.
Erwin Mayer sitzt auf dem Bankerl beim Blasturm, und der Blick reicht nicht nur zum Storchennest am Schmidtbräu-Kamin, sondern weit über die Stadt. Handschriftlich hat der Gründungsvorsitzende notiert, wie alles anfing und wie sich der Waldverein zu einem Aushängeschild für die Stadt Schwandorf entwickelte.
Zu Fuß war Mayer schon immer gerne unterwegs, rund um Schwandorf, im Oberpfälzer und Bayerischen Wald. Im Jahr 2003 beauftragte die Stadt ihre Gästeführer, sich um die Wanderwege der Großen Kreisstadt zu kümmern. Mayer war einer von ihnen, und er wandte sich an den Oberpfälzer Waldverein um Rat. „Gründe doch einfach selber einen Verein, hat mir der damalige Vorsitzende des Hauptvereins vorgeschlagen“, erzählt der 68-Jährige.
Gesagt, getan. Am 8.Mai2003 hoben 27 Gründungsmitglieder den OWV in Schwandorf aus der Taufe. Mayer wollte eigentlich nur für drei Jahre an der Spitze bleiben, doch dann sind es ganze 21 geworden. „Es wollte einfach kein anderer machen“, sagt der langjährige Vorsitzende nur.
Verein betreut 200 Kilometer Wanderwege
Schon bald hatte der OWV das erste Teilstück des Panoramawegs rund um die Große Kreisstadt angelegt, von Taxöldern nach Hohenirlach. Inzwischen sind zahlreiche weitere dazugekommen. Der Sieben-Brücken-Weg in Fronberg wurde errichtet, der Karl-Heinz-Bink-Weg zum Egidiberg, der Pfaffensteig über den Weinberg reaktiviert – und wie sie alle heißen. Seit 2004 hält der OWV auch das Teilstück des Jakobswegs zwischen Mitterauerbach und Ensdorf in Schuss – der Weg führt direkt am Türmerhaus vorbei. Insgesamt betreuen die Schwandorfer 200 Kilometer Wanderwege.
Aber die Ziele des Vereins beschränken sich nicht darauf, von A nach B zu gehen und am Ende möglichst noch einzukehren. Der OWV Schwandorf kümmert sich auch um die Heimatgeschichte – und dies ganz praktisch. Der Waldverein hat die Blasturm-Glocke in alten Depots wiederentdeckt und läutet sie seither mehrmals im Jahr. Mitglieder haben die Loybrigiussäule restauriert und in der Nähe des Klausensees aufgestellt, der seinen Namen von einer früheren Einsiedelei hat. Zu den Aktivitäten gehört auch die Pflege von Geotopen – zum Beispiel die Restaurierung der Gögglbach-Quelle oder Sanierungsmaßnahmen in der Taxölderner Schlucht. Und auch dem Naturschutz hat man sich verschrieben und betreut inzwischen 124Nistkästen für Vögel und Fledermäuse.
Mit Mayers Name verbunden ist vor allem das Türmerhaus, das der OWV seit 2014 saniert und im Jahr 2018 offiziell eröffnet hat. Das Gebäude aus dem 19.Jahrhundert diente bis 1848 der Türmerfamilie Kunz als Austragshaus. Den Anstoß zur Sanierung bekam Mayer im Wirtshaus, beim „Bergwagner“ an der Spitzwegstraße. „Da hat mich einer angesprochen und gesagt, das wär doch schön.“
Bis aus der Idee Wirklichkeit wurde, dauerte es aber noch Jahre. Nach langem Hin und Her wurde im Januar 2014 der Erbpachtvertrag mit der Stadt unterschrieben. Zwei Jahre später war mit den Förderbescheiden auch die Finanzierung des 320000-Euro-Projekts gesichert: 104000 Euro steuerte laut Mayer allein die EU bei; auch der Freistaat beteiligte sich mit öffentlichen Geldern an dem Vorhaben.
In jeder Hinsicht ein Kraftakt für den OWV
Was folgte, war in jeder Hinsicht ein Kraftakt. In Eigenleistung wurde das Bauwerk erst einmal ausgeräumt. „Wir haben vier Tonnen Müll rausgeschafft – von Dessous bis zur Privatkorrespondenz“, erinnert sich Mayer. Und auch in der Bauphase halfen die Mitglieder unentgeltlich mit. „Wir haben gemacht, was wir eben machen konnten. Da sind Tausende von Stunden zusammengekommen.“ Auch die Schulden waren beträchtlich – eine fünfstellige Summe.
Doch dank zahlreicher Spenden steht der Verein auch finanziell wieder auf gesunden Füßen. Und das Türmerhaus ist nicht nur Anlaufstelle für Pilger und Wanderer, die teils bis aus Santiago de Compostela nach Schwandorf kommen, sondern längst auch für die Stadt. Etwa einmal im Monat wird in der gemütlichen Gaststube ein Paar getraut. Und beim Bürgerfest geht es immer hoch her auf der Aussichtsplattform direkt am Blasturm.
Ein Granitblock für den Schlottberg
Erwin Mayer könnte sich also zurücklehnen auf seinem Bankerl. Aber er will sich ja nicht zur Ruhe setzen. Der 68-Jährige hat sich eigens ein E-Bike gekauft, um beim Markieren der Wanderwege zu helfen. Er will sich auch künftig um die verschiedenen Geotope kümmern. Und dann gibt es auch noch ein weiteres Projekt. „Vor zwei Jahren haben wir einen Granitblock aus dem Bayerwald geholt. Den wollen wir noch auf dem Schlottberg aufstellen.“ Der ist mit 512 Metern Schwandorfs höchster Punkt. Und er liegt am Spielberg, der dem 68-Jährigen mit seinen alten Sandsteinschluchten und Durchbrüchen vom Stadtgebiet am allerbesten gefällt.
Die Jahresversammlung des OWV Schwandorf mit Neuwahlen findet am Montag, 10. Juni, um 19 Uhr in der Gaststätte „Zum Turner“ statt.
