Einmal leer, einmal voll: Gespaltene Meinungen nach dem Auftakt des Schwandorfer Volksfestes

Ein fast leeres Zelt zum Auftakt am Freitag, ein gut gefülltes Zelt dank Freibier am Samstag: Die Szenen am ersten Festwochenende des Schwandorfer Volksfestes könnten nicht unterschiedlicher sein. Festwirt Gerhard Böckl will nun die Zahlen genau analysieren – und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen.
Nach dem Start des Festbetriebes am Freitag um 18 Uhr hatten sich zwar an einigen Fahrgeschäften kleinere Schlangen gebildet. Das hing aber vor allem mit der Ein-Euro-Eröffnungsaktion zusammen, so die Einschätzung eines Schaustellers. Nach 19 Uhr ging es auf dem Festplatz schon deutlich ruhiger zu.
Auch im Festzelt war die Situation nicht besser: Von den 180Biertischgarnituren waren die allermeisten leer, nur wenige Besucher feierten mit der Band Highline. „Das ist schon eine kritische Geschichte“, lautete das bittere Resümee des Festwirts. Böckl wirkte am Telefon selbst ein bisschen ratlos.
An der Band Highline lag es am Freitagabend nicht
An den Musikern habe es jedenfalls nicht gelegen, steht aber für ihn fest. Vor drei Wochen habe Highline in Gögglbach im vollen Festzelt gespielt, obwohl dort Eintritt gezahlt werden musste, meint Böckl. Beim Schwandorfer Volksfest wurde kein Eintritt verlangt – und dennoch blieb das Festzelt fast leer.
Bei über 50 Auftritten im Jahr gebe es auch mal einen, bei dem nicht so viele Besucher da seien, sagt Highline-Sänger Norman Schelter. Sollte die Band wieder mal fürs Schwandorfer Volksfest angefragt werden, werde man sich wohl eher gegen einen Auftritt entscheiden. „Da muss man ehrlich sagen: Das bringt nichts.“ Solche Abende würden nur dem Festwirt, der Stadt und auch der Band schaden.
Am Samstag füllten die rund 1000 Teilnehmer des Umzuges zeitweise den Festplatz. Drinnen im Bierzelt lösten sie ihre Freimarken ein, die nur an diesem Tag gültig waren. Lange sitzen blieben einige trotzdem nicht. Bereits als die Gruppe Musikuss zu spielen begann, waren mehrere Tische schon wieder leer.
Das sollte sich am Sonntag wiederholen. Denn nach dem ökumenischen Gottesdienst, zu dem rund 70 Mitbeter von vier Glaubensgemeinschaften gekommen waren, lichteten sich trotz Mittagstisch schon kurz nach dem Ende die Reihen. Manche gingen lieber raus in den Biergarten, andere gleich heim.
Festleiterin nennt das schlechte Wetter als Grund
Woran lag es? „Im Zelt war es ziemlich warm“, berichtete Stadtpfarrer Christian Kalis, der mit der Erstauflage des Gottesdienstes dennoch zufrieden war. Positiv äußerte sich auch Festleiterin Ulrike Sachs. Man sei mit dem ersten Wochenende zufrieden. Für das schlechte Wetter habe es gut gepasst, und am Sonntagnachmittag, als das Wetter wieder besser wurde, seien die Leute gekommen.
Nicht ganz so sieht es ein anderer Schausteller. „Man hat die beste Ausrede jetzt mit dem Wetter. Überall sind trotz Regen die Zelte voll, nur bei uns nicht“, schimpfte er. Der Standbetreiber neben ihm sei noch frustrierter. „Der hat gesagt, dass er das letzte Mal in Schwandorf war.“
MZ-Redakteur Martin Kellermeier findet, dass der schlechte Auftakt nicht nur am Wetter lag. Lesen Sie dazu seinen Kommentar: Nur mit Freibier klappte es
Vielleicht ist es auch für den Festwirt das letzte Mal. Trotz aller Verbundenheit mit Schwandorf sagte er: „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, das rentabel arbeiten muss.“ Man werde daher alles genau analysieren und dann entscheiden.
Beim Festzug am Samstag war Böckl schon mal nicht da. Er zog es vor, beim Besuch von Ministerpräsident Markus Söder bei den Neustädter Kirchweihen dabei zu sein. Dort ist er auch Festwirt – und macht nach eigener Aussage drei- bis viermal so viel Umsatz wie in der Großen Kreisstadt.
