Wassermassen erdrückten Nittenau – Feuerwehr musste 55 Einsatzstellen abarbeiten

Von Martin Kellermeier · 2. Juni 2024 um 13:45

Weniger das Hochwasser, mehr der Starkregen hat die Feuerwehren im Landkreis am Wochenende beschäftigt. Der Einsatzschwerpunkt lag dabei auf dem Stadtgebiet von Nittenau.

Als es am Samstagnachmittag gegen 15.30 Uhr auf einmal wie aus Eimern schüttete, ahnte der Nittenauer Kommandant Kevin Teutsch nichts Gutes. Und er sollte richtig liegen. Sogleich erreichten im Minutentakt die Feuerwehr im Raum Nittenau neue Alarmierungen.

Das Hauptaugenmerk galt zunächst der Alten Regensburger Straße. „Die Fahrbahn hatte sich in einen regelrechten Fluss verwandelt“, berichtete Teutsch auf Anfrage unserer Zeitung. Die Folge waren nicht nur viel Dreck, sondern auch vollgelaufene Keller. Die gab es nicht nur hier, sondern auch im angrenzenden Kellerweg.

Alle acht Nittenauer Ortswehren waren gefordert

Es dauerte nicht lange, da waren am Samstag alle acht Feuerwehren im Stadtgebiet mit insgesamt 145 Kräften im Einsatz. Die Aktiven aus Nittenau, Bodenstein, Kaspeltshub, Fischbach, Bergham, Neuhaus, Stefling und Hof am Regen kümmerten sich um überschwemmte Straßen, befreiten die Fahrbahnen von herabgefallenen Ästen oder umgestürzten Bäumen und pumpten einen Keller nach dem anderen aus. Insgesamt hatten die acht Feuerwehren zusammen am Samstag 55 witterungsbedingte Einsätze. Am Sonntagmorgen gegen 3 Uhr waren dann alle Einsatzstellen abgearbeitet und die Spezialausrüstung für den nächsten Notfall vorbereitet.

Weder Bürger noch Einsatzkräfte wurden durch das Unwetter verletzt. Lediglich ein Reh verlor sein Leben. Jäger Gunther Stangl konnte es im Graben neben der Straße zwischen Nittenau und Oberhof bergen. „Das Tier wurde offenbar von den Wassermassen überrascht“, meinte der Waidmann.

Kommandant Teutsch hatte eine kurze Nacht hinter sich, als er der Presse am Sonntagvormittag Rede und Antwort stand. Der Chef der Nittenauer Aktiven fungierte am Samstag als Einsatzleiter und hatte die Lage im gesamten Stadtgebiet im Blick. Damit er bei der Vielzahl an Einsatzstellen nicht den Überblick verlor, leisteten ihm Kreisbrandmeister Patrick Allen und Oberfeuerwehrmann Maximilian Schreiner wertvolle Unterstützung.

Zudem konnte sich Teutsch nach eigener Aussage auf die Unterstützung des Bauhofs und der Stadtverwaltung verlassen. Der Kommandant zog daher am Sonntag ein positives Fazit. „Ich bin sehr stolz auf die Aktiven. Das war eine hervorragende Arbeit“, erklärte er.

Kevin Teutsch und seine Kameraden waren aber nicht nur durch den Starkregen gefordert. Da war ja auch noch das Hochwasser. Der Pegel des Regenflusses stieg am Wochenende von Stunde zu Stunde an und überflutete unter anderem den Nittenauer Volksfestplatz.

Am Sonntagmittag wurde der Scheitelpunkt erreicht und die Meldestufe drei deutlich überschritten. Doch größere Probleme bereitete das nicht. Das stellte auch Kreisbrandmeister Hans-Jürgen Schlosser, der Sprecher der Feuerwehren im Landkreis, fest. Er bescheinigte der Stadt Nittenau einen „gut vorbereiteten Hochwasserschutzplan“.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Hochwasser im gesamten Landkreis Schwandorf. Auch in den anderen Region sorgte vor allem der Starkregen für Feuerwehreinsätze. Neben den 55 im Nittenauer Stadtgebiet kamen laut Schlosser weitere 40 Einsatzstellen dazu. Mit Blick auf diese Zahlen sei der Landkreis „mehr als mit einem blauen Auge davongekommen“, resümierte der Kreisbrandmeister. Kreisbrandrat Christian Demleitner zog ein ähnliches Fazit. „Das war alles machbar“, sagte er.

Landrat Thomas Ebeling spricht von einem glimpflichen Ausgang

Landrat Thomas Ebeling (CSU) ließ sich fortlaufend über die Unwetterlage in der Region unterrichten. „Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, als würde der Landkreis einigermaßen glimpflich davonkommen. Da sind wir natürlich froh“, sagte er auch mit Blick auf die Katastrophengebiete in Bayern.

Es ist gut möglich, dass der Landkreis Schwandorf wie jeder andere Landkreis im Freistaat dorthin sogenannte Hilfeleistungskontingente entsendet. Eine konkrete Beauftragung von der zuständigen Regierung habe man bis Sonntagmittag jedoch nicht erhalten, erklärte Kreisbrandrat Demleitner. Hilfeleistungskontingente bestehen aus mehreren Einheiten der Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis. Je nach Anforderung entscheidet sich, welche Fahrzeuge und Aktive in die Krisenregionen ausrücken.

Jäger Gunter Stangl konnte dieses Reh nur noch tot bergen. Foto: Daniel Seger, Moods Photography