Nach Sucheinsatz beim Volksfest Schwandorf: Passantin soll Sprung in die Naab erfunden haben

Von Jan Lange, Martin Kellermeier · 2. Juni 2024 um 17:42

Es war ein Schockmoment. Eine Passantin hatte kurz vor 22 Uhr einem Sanitäter, der sich in der Nähe des Festplatzes aufgehalten hatte, berichtet, dass eine dunkel gekleidete Person von einer der beiden Behelfsbrücken in die Naab gesprungen sei.

Wie Ermittlungen der Polizei ergaben, soll es sich bei der Mitteilerin um eine 21-Jährige aus dem Schwandorfer Stadtgebiet handeln. Sie soll in der Vergangenheit schon wegen mehrerer Delikte mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein.

Der Sanitäter konnte freilich nicht ahnen, dass sich die junge Frau einen schlechten Scherz erlaubte. Er setzte über die Integrierte Leitstelle umgehend die Einsatzkette in Bewegung. Die Band Highline stand gerade im Festzelt auf der Bühne, als die Sirenen heulten und die ersten Einsatzkräfte eintrafen. So wurden die wenigen Besucher, die sich zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Festplatz aufgehalten hatten, Zeugen eines Großeinsatzes.

Radlader vom THW hob ein Boot ins Wasser

Die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Wasserwacht rückten auch mit mehreren Booten an. Sie wurden in die Naab gelassen, um nach der vermissten Person zu suchen. Das Technische Hilfswerk (THW) leistete dabei wertvollen Dienst – mindestens eines der Boote musste per Radlader ins Wasser gehoben werden.

Zudem war ein Polizeihubschrauber alarmiert. Er sollte die Suche eigentlich mit einer Wärmebildkamera unterstützen. Er wäre extra von Roth in Mittelfranken hergeflogen, musste aber wegen des Unwetters wieder abdrehen. Stattdessen starteten dann drei Drohnen mit Wärmebildkamera von den Feuerwehren Bruck und Pilsheim sowie von der Wasserwacht. Bis kurz nach Mitternacht dauerte die Suche an. Dann wurde sie abgebrochen, ohne eine Person in der Naab gefunden zu haben.

„Markantes Aussehen“ führte Ermittler zur Beschuldigten

Diese konnten die Einsatzkräfte wohl auch gar nicht entdecken. Denn wie Ermittlungen der Polizei Schwandorf ergaben, soll der Notfall erfunden gewesen sein. Hinter dem schlechten Scherz soll die 21-Jährige stecken. Aufgrund der Personenbeschreibung habe man sie ermitteln können. Die junge Frau soll „ein markantes Aussehen“ haben, hieß es. Nach deren Befragung habe sich der Verdacht erhärtet, dass sie nicht die Wahrheit sagte, teilt die Polizei mit. Die Beschuldigte könnte nun auch für die Kosten der Rettungsmaßnahme aufkommen müssen.

Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Krondorf-Richt, Schwandorf, Ettmannsdorf, Dachelhofen, Bruck und Pilsheim. Von der Wasserwacht waren Einheiten aus Schwandorf, Schwarzenfeld und Nabburg vor Ort. Der Rettungsdienst war mit mehreren Rettungswagen und einem Notarzt an der Einsatzstelle. Insgesamt waren laut Aussage der Einsatzleiter der verschiedenen Rettungsorganisationen 120 Kräfte gefordert.

Unklar ist aktuell noch, von wem die Mitteilerin zum Tatzeitpunkt begleitet wurde. Es soll sich dabei um einen Mann handeln. Die Polizei sucht daher Zeugen. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang, betonte ein Beamter.