„Peanut“ muss leider draußen bleiben: So schwer ist die Wohnungssuche für Mieter mit Haustier

Von Marion Neumann · 7. Juni 2024 um 14:50

Sina Winderl will nichts übers Knie brechen. Doch bis zum Herbst, das wünscht sie sich, möchte sie eine neue Wohnung gefunden haben. „Es wäre toll, wenn wir Weihnachten im neuen Zuhause feiern könnten“, sagt sie. Mit Peanut, ihrem kleinen roten Kater, ist die Suche für die Alleinerziehende nun allerdings noch schwieriger.

Eigentlich fühlt sich die 33-jährige alleinerziehende Mama sehr wohl in ihrer jetzigen 50 Quadratmeter großen Wohnung im Regensburger Westen. Wären da nicht die Wasserschäden, die der kleinen Familie das Leben schwer machen.

„Zuletzt ist es um Ostern herum passiert. Im Winter kämpfen wir wieder mit Schimmel“, sagt sie. Aus diesem Grund will Winderl raus aus der Mietwohnung. Doch nicht nur als Alleinverdienerin mit Kleinkind, sondern zusätzlich noch mit Katze, sei es nahezu unmöglich, etwas Neues zu finden. „Meistens steht in der Anzeige direkt, dass keine Haustiere erwünscht sind“, sagt sie.

Dass es bei dem Tier nicht etwa um einen großen, bellenden Hund, sondern um den kleinen, vier Monate alten Kater Peanut handelt, ändere nichts. „Teilweise wurde ich eingeladen. Aber sobald ich sage, dass ich eine Katze habe, bin ich raus“, so Winderl. Auch mit eigenen Anzeigen hat es bisher nicht geklappt.

Vermieter sorgen sich wegen Schäden

„Die Vermieter haben riesige Angst, dass etwas kaputt gehen könnte. Aber ich bin versichert – und eine Katze tangiert doch eigentlich niemanden“, sagt sie. Eine bezahlbare Dreizimmerwohnung im Westen, möglichst mit Badewanne und Balkon oder Garten, wäre ihr Traum. „Ich habe das Gefühl, ich jammere auf hohem Niveau“, sagt sie, „viele Alleinerziehende können sich ja überhaupt keine Wohnung im Westen leisten.“

Mit Peanut sei die Suche nun noch einmal schwieriger geworden. Bereut hat es Winderl, die Vollzeit im HR-Bereich arbeitet, trotzdem nicht, dass der Kater eingezogen ist. „Ich komme vom Land, wir hatten immer viele Tiere“, sagt sie. Auch für ihren vierjährigen Sohn sei Peanut ein großer Gewinn. „Wie lernt man sonst besser Verantwortung zu übernehmen?“, fragt sie.

Zwei Jahre lang nur Absagen

Nicht nur in beliebten Regensburger Stadtvierteln, auch im Landkreis erschwert ein Haustier die Wohnungssuche offenbar massiv. Das jedenfalls berichtet Elke Rauscher, die eine neue Bleibe für ihren Vater und dessen Jack Russell Terrier gesucht hat. „Mein Vater ist Rentner. Als er erfahren hat, dass das Haus in Donaustauf, in dem er eine Wohnung mietet, verkauft werden soll, haben wir die Suche gestartet“, erzählt die Sinzingerin. Mehr als 100 Inserate hätten sie angeschrieben und auch viele Wohnungen angesehen.

Obwohl sich der 69-Jährige nicht auf einen bestimmten Wohnort festgelegt hatte, hagelte es über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren nur Absagen. „Es hieß immer, dass der Hund den Boden verkratzen oder den Türstock anbeißen könnte“, erzählt Rauscher. Selbst, wenn zunächst versichert wurde, dass der Terrier kein Ausschlusskriterium sei, habe es letztendlich einfach nie geklappt mit der Zusage. „Die Vermieterin hatten die Wahl und haben sich dann jedes Mal für einen Bewerber ohne Haustier entschieden.“

„Der Hund gibt ihm so viel“

Dabei, so Rauscher, sei ihr Vater eigentlich der ideale Mieter. „Das Geld kommt zuverlässig, er ist sehr ordentlich und handwerklich geschickt.“ Kurzfristig habe im Raum gestanden, dass er ohne Tier umzieht. „Wir haben überlegt, ob wir den Hund zu uns nehmen“, sagt Rauscher, „aber mein Vater ist Witwer und der Hund gibt ihm viel.“ Kürzlich hat sich nun endlich doch etwas für den Rentner ergeben.

Bald kann er in eine Wohnung in Etterzhausen ziehen. „An die sind wir über Bekannte gekommen“, sagt Rauscher. Auch, wenn die Bleibe aufgrund der Lage im ersten Stock eigentlich nicht optimal sei, ist die Familie froh, etwas gefunden zu haben. „Dazu braucht es anscheinend sehr viel Glück und Zufall.“

Haustiere können zur Streitfrage werden

Ob beim Umzug oder bei bestehenden Mietverhältnissen: Dass Haustiere zwischen Mieter und Vermieter zur Streitfrage werden, erlebt Rechtsanwalt Sebastian Stopp nicht selten. Er hat sich auf Arbeits- und Mietrecht spezialisiert und ist zweiter stellvertretender Vorsitzende des Mieterbunds Regensburg. „Rechtlich besteht kein Anspruch darauf, dass der Vermieter Hunde und Katzen zulassen muss“, sagt er.

Bei Kleintieren wie Meerschweinchen, Hamster oder Zierfische seien grundsätzliche Verbote dagegen schwierig. Davon, bei der Wohnungssuche zu flunkern, rät Stopp ab. „Ein Haustier bei der Wohnungssuche zu verschweigen, halte ich für unklug“, sagt er, „natürlich kann man pokern – aber unter Umständen führt das zur Kündigung.“

Versicherungen bei der Suche erwähnen

Theoretisch könne man abwarten, bis man den Entwurf des künftigen Mietvertrags vorliegen habe. „Wenn darin nichts zum Thema Tierhaltung steht, hängt es vom guten Willen des Vermieters ab“, so Stopp. Seiner Erfahrung nach sei die Wohnungssuche mit Hund und Katze in ländlichen Regionen einfacher. In Neubauten oder sehr großen Wohnanlagen seien Tiere dagegen seltener erlaubt. „Bei Katzen drücken Vermieter noch öfter ein Auge zu als bei Hunden“, sagt er.

Empfehlenswert sei es, abgeschlossene Versicherungen bei der Wohnungssuche zu erwähnen. „Eine Tierhaftpflichtversicherung kann Vermieter überzeugen.“ Besteht bereits ein Mietverhältnis und der Wunsch nach einem Haustier ist groß, sollten Mieter offen kommunizieren. „Reden Sie miteinander“, sagt Stopp, „Vermieter sind auch nur Menschen.“

Rechtsanwalt Sebastian Stopp