Beim Wirtschaftsranking vorne: „Eine sehr gute Nachricht für Regensburg“

Von Marion Koller · 31. Mai 2024 um 17:00

Viele Hochqualifizierte und Gewerbeanmeldungen, hohe Steuerkraft: Die Stadt erreicht Platz 22 von 400 beim Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die Immobilienpreise bremsen den Zuzug.

Der Stadt geht es wirtschaftlich nach wie vor gut, auch wenn einige Großunternehmen wie Continental, Infineon und Osram Arbeitsplätze abbauen. Beim Regionalranking 2024 des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erreicht Regensburg den hervorragenden 22. Rang. Die IW-Forscher haben die Situation in den 400 kreisfreien deutschen Städten und Landkreisen untersucht. Im Dynamikranking hat die Domstadt sogar Platz 14 erobert. Hier ging es um die Entwicklung in den letzten Jahren. Die Bewertung basiert auf 14 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität.

Weit überdurchschnittlich schneidet Regensburg im Niveauvergleich ab bei der kommunalen Steuerkraft (Rang 15), beim Altersquotienten (4), also dem Verhältnis der 20- bis unter 60-Jährigen zu den über 60-Jährigen, bei der Ärztedichte (11), beim Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten (Platz 31). Sehr hoch sind der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen (Rang 56), der Gewerbesaldo, das heißt, die Differenz zwischen Gewerbean- und -abmeldungen je 1000 Einwohner (Platz 58) und das Wanderungssaldo der 25- bis 30-Jährigen (Rang 76). Die Daten stammen aus den Jahren 2023 und 2022.

Zu wenige Frauen arbeiten

„Das Ergebnis des 2024er-Rankings des IW Köln ist für Regensburg schon eine sehr gute Nachricht und macht deutlich, dass sich der Standort trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen und geopolitischen Situation als sehr resilient erweist“, freut sich Toni Lautenschläger, der Leiter des Amts für Wirtschaft und Wissenschaft. Besonders das gute Abschneiden im Dynamikranking sei erfreulich, da es erfahrungsgemäß für starke Standorte wie Regensburg immer schwierig sei, auf hohem Niveau noch überdurchschnittlich zuzulegen. „Dies ist uns in den letzten Jahren ganz gut gelungen.“

Studienautor Johannes Ewald von IW Consult stimmt zu: „Die Stadt Regensburg ist mit Rang 22 im Niveau und Rang 14 in der Dynamik sehr stark platziert.“ Grundsätzlich mache es in Zeiten des Umbruchs – Dekarbonisierung, neue Ansätze der Globalisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel – Sinn, sich aktiv weiterzuentwickeln. Der aktuell wirklich starke Erfolgswert und auch die dynamisch-positive Entwicklung seien zwar keine Garantie für künftigen Erfolg. „Die Chancen dafür stehen jedoch für Regensburg sehr gut“, betont Wirtschaftsforscher Ewald.

Was sind die Schattenseiten? Für mäßige Plätze im IW-Niveauvergleich sorgen die Beschäftigtenrate von Frauen (Rang 290), die Gewerbesteuerhebesätze (303), die Straftaten (340) und der Wanderungssaldo der 30- bis unter 50-Jährigen (Platz 369). Zum letztgenannten Punkt gibt Studienautor Johannes Ewald zu bedenken, dass weiterhin 30- bis 50-Jährige zuwanderten, aber weniger als in anderen Regionen. Regensburg ist nach München die bayerische Großstadt mit den höchsten Miet- und Kaufpreisen für Immobilien. Das spielt eine Rolle bei der Platzierung. „Der trotzdem positive Wanderungssaldo ist aber auch ein Zeichen für die hohe Attraktivität der Stadt“, urteilt Ewald. Die unterdurchschnittliche Beschäftigungsquote von Frauen hängt auch mit der schwierigen Kita-Situation für Kinder unter drei Jahren zusammen.

Ein wenig zu wünschen übrig lassen die Zahl der Baugenehmigungen je 1000 Wohnungen mit Rang 184 und die private Überschuldung (154), zwei Probleme, die sich auf die Wirtschaft auswirken können.

Vollkommen zufrieden mit dem Ergebnis ist Toni Lautenschläger nicht. Es sei aber ein deutliches, positives Zeichen und Motivation, nicht nachzulassen und weiterhin für gute Rahmenbedingungen für eine stabile Wirtschaft zu kämpfen. Bei einigen Dynamikkriterien befinde sich Regensburg im Mittelfeld, was angesichts des erreichten Niveaus, besonders bei Gewerbesaldo und wissensintensiven Dienstleistungen, durchaus positiv stimme.

Regensburg ist von BMW und den Autozulieferern geprägt, Zukunftsbranchen wie IT, Biotechnologie, Sensorik und die Hightech-Gründerzentren spielen eine wichtige Rolle. Das IW empfiehlt, im Miteinander mit den Zukunftsbranchen zu ermitteln, welche Bedarfe diese haben und wie schwache bundesweite Rahmenbedingungen ausgeglichen werden können.

Schwieriges Umfeld

Das macht die Wirtschaftsförderung bereits, indem sie viele Fördermillionen nach Regensburg holt sowie Baugrund und Büros am Tech-Campus zur Verfügung stellt. Toni Lautenschläger sagt: „Je schwieriger das globale Umfeld wird, desto wichtiger ist es, dass aus der Stadt und Region selbst positive Impulse kommen.“

Thomas Zeilhofer, stellvertretender Vorsitzender der Mittelstandsunion Regensburg, appelliert an die Stadt, in die schulische und berufliche Bildung zu investieren und den Transfer von der Spitzenforschung in wirtschaftliche Ideen zu unterstützen. Zeilhofer lobt die Tech-Base und den Biopark. Die Stadt müsse aber noch stärker tätig werden, „um innovative, dynamische Unternehmen von morgen in Regensburg zu haben“.

Erfolg und Entwicklung

Regionalranking 2024:

Die Beratungstochter IW Consult des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft analysiert, wie erfolgreich die 400 Landkreise und kreisfreien Städte sind (Niveauranking) und wie sie sich entwickelt haben (Dynamikranking).

Berechnung: Das Niveauranking spiegelt den Erfolgswert. Spitzenplatz: Landkreis München. Das Dynamikranking zeigt die Entwicklung der letzten zwei Jahre. Top: Mainz.

Amtsleiter Toni Lautenschläger freut sich, dass Regensburg weiterhin für Dynamik steht. Foto: Koller
Studienautor Johannes Ewald erwartet, dass es Regensburg auch in den kommenden Jahren gutgehen wird. Foto: (c) IW Medien