Gewalt gegen Neunburger Polizisten nimmt zu: 50 Prozent mehr Fälle im Vorjahr

Die Liste der Politiker, die Attacken ausgesetzt sind, wird momentan fast täglich länger. Neben den politischen Amts- und Mandatsträgern hat eine weitere Berufsgruppe mit zunehmender Aggression zu tun: Polizisten. Die Zahl der Angriffe auf Polizeibeamte steigt seit Jahren an.
Auch bei der Polizeiinspektion Neunburg ist dieser negative Trend zu spüren: Im Vorjahr nahmen die Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte um 50Prozent zu, wie bei der Vorstellung des Sicherheitsberichtes für 2023 informiert wurde. Insgesamt sechs Fälle wurden gemeldet. In den Jahren 2022 und 2021 waren es jeweils vier.
Die Zahlen sind zwar sehr gering gegenüber größeren Städten, bei der PI Neunburg handelt es sich im Vergleich zu benachbarten Polizeirevieren aber auch um eine relativ kleine Dienststelle.
Drei Kollegen leicht verletzt
Im Vorjahr wurden bei den Attacken drei Beamte leicht verletzt, waren aber laut Polizeihauptkommissar Markus Schmitt, dem Leiter der PI Neunburg, weiterhin dienstfähig. Bei den vier Fällen im Jahr 2022 wurden übrigens fünf Beamte leicht verletzt, auch sie konnten alle weiter ihren Dienst ausüben.
Bei den Verletzungen, die sich die Polizisten im vergangenen Jahr bei Einsätzen zugezogen haben, handelte es sich beispielsweise um einen geprellten Arm oder eine Hautabschürfung. Letztere zog sich der betroffene Beamte bei einem Einsatz an einem Getränkemarkt am Pfalzgrafencenter in Neunburg zu. Am 31. Oktober wollte dort ein 29-jähriger Asylbewerber ein Sixpack Bier mitnehmen, ohne zu bezahlen.
Als die Polizei hinzugerufen wurde, drehte der stark alkoholisierte Mann eine Bierflasche um und drohte damit den Beamten. Er wurde überwältigt und gefesselt. Dagegen wehrte er sich, so dass einer der Polizisten verletzt wurde.
Auf der Polizeidienststelle nüchterte der 29-Jährige seinen Rausch aus und wurde dann nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Amberg wieder entlassen, blickt Schmitt auf den Vorfall zurück, bei dem der Neunburger Polizeichef selbst dabei war.
Zwei Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte
Auch wenn zu den insgesamt 30 Straftaten, die 2023 von Asylbewerbern in Neunburg begangen wurden, zwei Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gehören, sei die zunehmende Gewalt gegen Polizisten kein Ausländerphänomen, macht Schmitt deutlich.
Und der Neunburger PI-Leiter führt zwei Beispiele an, bei denen Deutsche beteiligt waren. In einem dieser Fälle war ein 23-Jähriger in Bodenwöhr betrunken mit dem Fahrrad unterwegs. Als die Polizei ihn anhalten und kontrollieren wollte, flippte der junge Mann aus. Einen Polizeibeamten schlug er mit dem Knie, welcher dadurch leicht verletzt wurde.
In dem anderen Fall ging ein 20-jähriger Neunburger auf der Wiesn tätlich gegen die eingesetzten Polizeibeamten vor. Der junge Mann hatte einen Alkoholwert von mehr als zwei Promille. Die Täter seien also sowohl Deutsche wie auch Migranten, betont Schmitt. Wenn es sich um einen Asylbewerber handle, dann werde in Zusammenarbeit mit der Stadt Neunburg versucht, ihn in eine andere Gemeinschaftsunterkunft zu verlegen. So sei es auch im Falle des betrunkenen Asylbewerbers vom Getränkemarkt gewesen, sagt Schmitt.
Ausländerkriminalität gering
Insgesamt war die Ausländerkriminalität in Neunburg aber gering: 2023 lag der Anteil von Tatverdächtigen ohne deutschen Pass bei knapp 7,5 Prozent. Gegenüber 2022 war der Anteil um etwa zwei Prozentpunkte gestiegen.
Von den 248 im Vorjahr ermittelten Tatverdächtigen waren 21 Asylbewerber. „Das sind wirklich wenige Täter, wenn man den hohen Ausländeranteil der Stadt Neunburg bedenkt“, so Schmitt. Rund 15Prozent der Neunburger Bevölkerung haben keinen deutschen Pass.
Schmitt hofft, dass sich der negative Trend bei der Gewalt gegenüber Polizeibeamten heuer nicht weiter fortsetzt. In den ersten fünf Monaten 2024 gab es die beiden Fälle in Bodenwöhr und auf der Neunburger Wiesn.