Halt in Nürnberg: Sie trampen durch Europa und dürfen nur mit Getränkedosen bezahlen

Von Nikolas Pelke · 27. Mai 2024 um 19:00

Nur mit Getränkedosen als Zahlungsmittel im Gepäck trampen rund 300 Dreierteams der Red-Bull-Challenge „Can you make it?“ quer durch Europa. Beim Checkpoint im fränkischen Nürnberg müssen sich die Teams ausgerechnet beim oberbayerischen Brauchtum beweisen.

Jules Verne hat Phileas Fogg in 80 Tagen um die Welt geschickt. Red Bull lässt die Teilnehmer seiner Challenge nur mit Energydrink-Dosen als Zahlungsmittel im Gepäck quer durch Europa trampen und zwischen Start und Ziel zahlreiche Mutproben bewältigen. Bei einer Zwischenstation in Nürnberg haben sich die Teilnehmer im Nagelwettbewerb, Maßkrugstemmen und Schuhplattlern messen müssen.

„Wir sind vor sechs Tagen in Kopenhagen ohne Geld und Handy nur mit Red-Bull-Dosen im Gepäck als Währung gestartet. Jetzt freuen wir uns hier auf die Aufgaben und dann auf den Endspurt nach Berlin“, sagen Julia, Maria und Elena und parken den Hackenporsche mit der Zeltplane und den Dosenvorräten vor dem Bratwurst-Röslein beim Hauptmarkt.

In der bekannten Nürnberger Bratwurst-Küche müssen die Teilnehmer des schweißtreibenden Wettrennens durch halb Europa gleich mehr oder weniger landestypische Aufgaben wie Schuhplatteln und Maßkrugstemmen meistern.

Fast 300 Teams sind vor knapp einer Woche in das Abenteuer ihres Lebens gestartet. In sieben Tagen sollen es die Teilnehmer nach Berlin ohne Geld in der Tasche und nur mit Dosen als Währung im Rucksack in die Hauptstadt starten. Gestartet sind die Dreierteams in Amsterdam, Barcelona, Budapest, Kopenhagen und Mailand. Mit dabei sind auch knapp 20 Teams aus Deutschland.

Red-Bull-Challenge: Team startete in Mailand

„Wir sind aus Malta und in Mailand gestartet“, erzählen Etienne, Julien und Sean und trainieren kurz dem Start der Challenge am Checkpoint in Nürnberg bereits die Muskeln mit schweren Steinkrügen an ausgestreckten Händen. Die drei Freunde berichten von schlaflosen Nächten auf gefährlichen Straßen. „Wir sind häufig ohne Ticket in den Zug gesprungen und einmal sogar überfallen worden“, erzählen die drei Teilnehmer und bedauern, dass die Dosen besonders in Italien kaum als Zahlungsmittel akzeptiert worden wären. „Da hätten wir wohl besser guten Rotwein dabei haben gehabt“, sagt Sean.

Dagegen scheinen Alina, Irina und Miha mehr Glück mit der angeblich flügelverleihenden Flüssigkeit gehabt zu haben. „Wir sind in Belgien sogar ein Stück mit dem Hubschrauber mitgeflogen“, erzählt das Team aus Bukarest und schwärmt von der Challenge als ideale Vorbereitung für das zukünftige Leben. „Das ist bislang mit Abstand das größte Abenteuer in unserem Leben und wirklich eine tolle Herausforderung, die uns allen ganz viel Selbstbewusstsein gibt“, sagt Irina und erzählt mit leuchtenden Augen von Begegnungen mit reißenden Wasserfällen und verlassenen Höhlen.

Nur einmal sei die Situation brenzlig geworden. „Uns ist unterwegs plötzlich das Wasser ausgegangen und wir haben leider eine Red-Bull-Dose gekillt, um nicht zu verdursten“, erzählt die junge Rumänin und denkt offen über ihre Rolle in dem Wettrennen nach. „Natürlich machen wir Werbung. Aber für uns ist es auch einfach kostenloser Urlaub.“ Das Team aus Bukarest rechnet sich noch echte Hoffnungen auf den Sieg aus. „Wir haben uns zuletzt nach vorne gekämpft und belegen aktuell Platz 13“, sagt Alina und marschiert ins Bratwurst-Restaurant zur nächsten Challenge.

Red-Bull-Challenge: Schuhplatteln in Nürnberg

Hier müssen sich die Teilnehmer beim Nagelwettbewerb, Maßkrugstemmen und Schuhplatteln beweisen. Heimatverliebten Mittelfranken würde bei den oberbayerisch angehauchten Aufgaben wahrscheinlich die Hutschnur hochgehen. „One, two, three, four, five“, erklärt Johannes in Haferlschuh und Hut derweil Maria und Alina den bajuwarische Volkstanz, während Lorenz die Ziehharmonika mit seinen Fingern streichelt.

Chantal, Conner und Mia aus Texas sind unter ihren Cowboyhüten mittlerweile schon ziemlich geschlaucht. Die letzte Etappe auf der Schnitzeljagd bis Berlin wollen es die Amerikaner trotzdem noch schaffen.

Apropos: Die Challenge im Bratwurst-Röslein stellt die Teilnehmer vor keine echten Probleme. „Wir haben alle Punkte und alle Dosen bekommen. Jetzt müssen wir sofort weiter“, sagt Irina und schnappt sich den schweren Rucksack mit den vielen Dosen.

Zwischenstopp in Nürnberg: Maria und Alina haben Spaß mit Johannes und Lorenz (von links) beim Schuhplatteln im Bratwurst Röslein. Foto: Nikolas Pelke