Kann sich Nürnberg einen Umbau des Morlock-Stadions leisten?

Nach dem gelungenen Klassenerhalt diskutiert Nürnberg mit neuer Kraft über ein neues Stadion. Eine „Mini-Lösung“ scheint weder bei der Stadtspitze im Rathaus noch beim Club am Valznerweiher bevorzugt zu werden. Doch wie soll eine größere Lösung finanziert werden? Die Stadt Nürnberg ist finanziell klamm.
Das Runde muss beim Fußball normalerweise ins Eckige. In Nürnberg müssen gleich die acht Ecken des alten Max-Morlock-Stadions hergerichtet werden, damit der 1. FC Nürnberg langfristig wieder zum sportlichen Aushängeschild aufsteigen kann. Die Erleichterung nach dem gelungenen Klassenerhalt ist auch rund um das Rathaus daher deutlich zu spüren.
Klassenerhalt in der 2. Bundesliga bringt Geld
Ein Stadion-Vollumbau wäre bei einem Abstieg des Traditionsclubs „schwerer zu vermitteln“ gewesen, ist sich beispielsweise der zuständige Bürgermeister Christian Vogel (SPD) nach der Zitterpartie zum Saisonfinale sicher. Schließlich könne der „Ruhmreiche“ durch den Nicht-Abstieg weiterhin mit Einnahmen aus der Sportvermarktung in der 2. Bundesliga rechnen.
Auch bei Sponsoren hätte der Gang in die dritthöchste Profiliga im deutschen Fußball wohl nicht für Begeisterung gesorgt. „Durch den Ligaverbleib wird dem Club weiterhin ermöglicht, Einnahmen in der 2.Bundesliga zu generieren sowie Sponsoren zu gewinnen, was wiederum die anteilige Finanzierung eines neuen Stadions erleichtert“, bringt Vogel die einfache Gleichung auf den Punkt.
Rund um die Liebe zum Leder befindet sich Nürnberg offenbar in einem doppelten Dilemma. Neben der sportlichen Dauertalfahrt beim „Club“ leidet die Stadt unter mehr oder weniger chronischen Finanznöten. Um unter der Schuldenlast nicht zu ersticken, versucht die Politik im Rathaus offensichtlich, das kostspielige städtische Stadion loszuwerden.
Stadt Nürnberg muss jährlich 2,5 Millionen Euro zahlen
Auf dieses „Problem“ weist auch Vogel hin. Aktuell belaste die in die Jahre gekommene Arena jedes Jahr den kommunalen Haushalt. Jährlich muss Nürnberg trotz der Mieteinnahmen durch die Heimspiele der Profikicker rund 2,5 Millionen Euro für den Unterhalt in das 1928 eröffnete Stadion stecken. Die eigentliche Krux scheint darin zu liegen, dass die notwendigen Reparaturen für das achteckige Rund in dieser Rechnung überhaupt noch nicht enthalten sind.
„Eine Zuschauerzahl von rund 30000 kann nicht der Anspruch sein.“ Andreas Krieglstein, CSU
Um das sprichwörtliche „Fass ohne Boden“ zu vermeiden, hat Nürnberg laut Vogel bereits zugesichert, die durch die nicht benötigten Sanierungsarbeiten am bestehenden Stadion eingesparten Mittel in einen Vollumbau der nicht mehr zeitgemäßen Sportstätte mit der ungeliebten Leichtathletik-Bahn rund um den Rasen investieren zu wollen. Besonders hart hatte Nürnberg die Entscheidung getroffen, dass bei der bevorstehenden Europameisterschaft im Gegensatz zur Weltmeisterschaft im eigenen Land vor fast 20 Jahren keine Spiele mehr im Morlock-Stadion stattfinden werden.
Eine Machbarkeitsstudie hatte ergeben, dass mindestens 150 Millionen Euro fällig werden dürften, um dem alten Stadion frischen Charme einzuhauchen. CSU-Fraktionschef Andreas Krieglstein hat sich bereits auf das Platzangebot festgelegt. „Eine Zuschauerzahl von rund 30000 kann nicht der Anspruch sein“, hatte Krieglstein kürzlich betont und sicherlich auch im Hinblick auf kommende Länderspiele der Nationalelf eine höhere Kapazität mit rund 50000 Plätzen gefordert. Gemeinsam mit dem 1. FCN will die CSU mit einer „klaren Vision“ die Weichen für eine vielversprechende sportliche Perspektive stellen.
Thema im Juni im Nürnberger Stadtrat
„Das Stadionprojekt schreitet mit großen Schritten voran“, teilt der für den Umbau zuständige Vorstand, Stefan Heim, auf Anfrage mit. Der Klassenerhalt aus eigener Kraft sei in vielerlei Hinsicht von großem Vorteil gewesen. Am 19.Juni soll das Stadion im Stadtrat erneut auf den Tisch kommen.
Nach der Machbarkeitsstudie soll der Rat dann konkrete Planungen für die Umsetzung auf den Weg bringen. Basierend auf den verfeinerten Pläne will die Stadt laut Vogel eine fundierte Entscheidung treffen, wie viel Geld sowohl die Stadt Nürnberg, als auch der Verein und weitere Investoren in die Modernisierung stecken müssen.
Dabei sind auch die Erhaltung des denkmalgeschützten Achtecks sowie die kreative Neugestaltung der Haupttribüne laut CSU-Stadionexperte Kilian Sendner von großer Bedeutung. „Diese Investition wird über den direkten Nutzen für den Fußball weit hinausgehen und positive Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft und die Attraktivität Nürnbergs haben“, ist sich Vogel heute schon sicher.