Abensberger Museum soll noch inklusiver werden

Von Wolfgang Abeltshauser · 26. Mai 2024 um 11:00

Inklusionsbeauftragte Marion Huber-Schallner freut sich, weil das Abensberger Museum für Rollstuhlfahrer gut zugänglich ist. Defizite in Sachen Kulturgenuss gebe es aber weiterhin für sehbehinderte Menschen. Sie dreht gemeinsam mit Museumsleiterin Beatrice Wichmann gleich an mehreren Schrauben, um diese zu beheben.

Die berichtet, dass es schon gleich zu Beginn ihres Amtsantritts in Abensberg ein Gespräch der beiden Frauen gegeben habe. „Es war mir von Anfang an ein Anliegen, inklusive Angebote im Museum zu verwirklichen.“ Sie hatte nun konkret die Idee für zwei Projekte.

Das Stadtmodell, das im zweiten Stock des Museums zu bewundern ist, hält auch Huber-Schallner für ein Glanzstück der Dauerausstellung. Es soll durch ein spezielles Modell für sehbehinderte Menschen ergänzt werden.

Die Inklusionsbeauftragte spricht davon, dass markante Gebäude der Stadt, zum Beispiel Rathaus, Kirchen oder das Aventinum, als Einzelmodelle gestaltet werden, die man in die Hand nehmen und ertasten kann. Auch ein Eindruck der Stadtmauer sei so auf ähnliche Art und Weise zu erhalten.

Laut Wichmann gebe es Fachfirmen, die solche Modelle herstellen. Sie würden mit einem speziellen Kunststoff geformt, der robust sei und sich angenehm anfühle. Etwa in einem Museum in Deggendorf gebe es schon solche Angebote. Für das Modell werde auch ein Relief mit den wichtigen Gebäuden und eine Beschriftung in Blindenschrift entstehen. So wisse man immer, welches Gebäude genau man in Händen hält.

Fördergelder winken

In ihren Augen soll das nur der Anfang sein. Langfristig will sie weiter Tastmodelle von Exponaten anschaffen, um so eine richtige Führung für Sehbehinderte anbieten zu können.

Laut Wichmann gibt es bereits die Zusage für eine Förderung des ersten Modells aus dem Kulturfonds des Bezirks. Die Entscheidung, ob es auch über den Leader-Topf Gelder gibt, werde in den kommenden Wochen fallen.

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Die finanzielle Unterstützung soll außerdem für eine App gelten, die Audioinformationen über die einzelnen Exponate im Museum bieten und einfach auf das Telefon heruntergeladen werden kann. Dabei denken die beiden Frauen nicht nur an Sehbehinderte, sondern auch an Menschen, die nicht perfekt oder gar nicht Deutsch sprechen. Das Angebot soll aus Texten in einfacher Sprache und in einer Fremdsprache ausgeweitet werden.

Wichmann habe hier schon Kontakt zu einem speziellen Kulturbüro, die Texte in einfacher Sprache erstellt. Der Plan ist, die Arbeiten zum Modell und zur App im Herbst zu vergeben, so dass beides 2025 umgesetzte werden könne.

Damit aber nicht genug, Huber-Schallner habt ein weiteres inklusives Projekt ins Leben gerufen, das bereits in den kommenden Monaten umgesetzt sein soll. Dabei sind nach ihren Worten alle Abensberger Schulen mit im Boot.

Bei diesem Vorhaben sollen acht sogenannte Tastreliefs entstehen, welche die Silhouetten historischer Gebäude Abensbergs erfühlbar machen können. Sie sollen mithelfen, sehbehinderten Menschen eine informative Teilnahme an Stadtführungen zu ermöglichen.

Zu Gast in den Schulen

Derzeit ist Huber-Schallner immer wieder in Schulen zu Gast, um dieses Projekt voranzubringen. Konkret sind die Schülerinnen und Schüler im Werkunterricht damit beschäftigt, mit Ton bekannte Abensberger Gebäude und Bauwerke zu modellieren. Auf der Liste stehen laut Inklusionsbeauftragter unter anderem der Herzogskasten, das Rathaus, die Aventinus-Statue, das Aventinum, Kloster- und Barbarakirche und der Hundertwasserturm. Geformt werden soll auch das Abenstor, das nicht mehr existiert. Im Museum gebe es neben dem Stadtmodell, bei dem es zu sehen ist, auch alte Fotos von dem Tor. Beides könnte Vorlage sein.

Die Modelle sollen bei einer gemeinsamen Aktion aller beteiligten Schülerinnen und Schüler gebrannt werden. Sie sollen nicht etwa in irgendeiner Schublade verschwinden, sondern prominent im Stadtgebiet ausgestellt werden.

Huber-Schallner stellt sich das folgendermaßen vor: Die Modelle werden neben den entsprechenden Bauwerken in der Stadt platziert. Nehmen blinde oder sehbehinderte Menschen an einer Stadtführung teil, können die dann beispielsweise die Aventinusstatue ertasten, wenn die Gruppe bei der Führung dort angekommen ist und der Stadtführer über das Bauwerk spricht.