VfL-Verkauf soll Kelheim Fibres retten – Bürgermeister spricht vom Abwenden der Insolvenz

Die endgültige Entscheidung steht noch aus, dennoch verkündet Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger per Pressemitteilung, dass der Kauf des VfL-Geländes ein „drohendes Insolvenzverfahren“ bei Kelheim Fibres abwenden soll. So drastisch hatte offiziell noch niemand die wirtschaftliche Lage formuliert.
Bekanntermaßen soll in der Stadtratssitzung am Montagabend, 27. Mai, in nicht-öffentlicher Sitzung die finale Entscheidung zum Kauf des 51.500 Quadratmeter großen Areals getroffen werden.
In der Sitzung im April hatte man Verwaltung und die Stadtbau GmbH zu detaillierten Verhandlungsgesprächen beauftragt. Einstimmig votierte das Gremium laut Schweiger im April dafür, dass die Stadt das Gelände selbst nicht kaufen solle. „Haushalterisch sei dies nicht darstellbar“, so der Bürgermeister vor vier Wochen.
In der laut Bürgermeister Schweiger „mit der Kelheim Fibres“ abgesprochenen Pressemitteilung heißt es, dass Kelheims Stadtoberhaupt „in intensiven Verhandlungen“ darum kämpfe, „die Insolvenz der Kelheim Fibres GmbH abzuwenden und damit die Zukunft von mehr als 1000 Arbeitsplätzen in einem modernen und umweltfreundlichen Unternehmen zu sichern“.
Bürgermeister Christian Schweiger zur Lage
Damit formuliert Schweiger erstmals drastisch die mutmaßliche, wirtschaftliche Lage des Kelheimer Faserwerks, einem der größten Arbeitgeber in der Region. Viele in der Stadt hätten den Ernst der Lage noch nicht begriffen, sagt Schweiger auf unsere Nachfrage.
Die Energiekrise wirkte sich massiv auf die Kosten des Industriebetriebs aus. Seit Längerem schmiedet die Geschäftsführung Pläne, das Werk von fossilen Energien auf grünen Wasserstoff umzubauen. Das bedarf nach den Schilderungen der Fibres aber hoher Investitionen und Unterstützung der Politik. Ende März hatte ein Fibres-Manager gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass man schon einige Zeit auf Investorensuche sei. Der Verkauf des VfL-Geländes hatte nach seinen Worten aber „nichts damit zu tun“. Von einem gerüchteweisen veräußern des „Tafelsilbers“ könne keine Rede sein.
Kelheim Fibres sei aktuell „nicht in Insolvenz“
Fibres-Geschäftsführer Craig Barker bestätigt am Donnerstagnachmittag die „abgesprochene Presseinfo“. Er betont: Kelheim Fibres sei aktuell „nicht in Insolvenz“ und habe auch keinen Antrag vorbereitet. Jedoch befinde man sich momentan in „einer kritischen Phase“. Ein neues Finanzierungspaket werde aufgestellt, darin sei ein Verkaufserlös des VfL-Geländes ein „wichtiger Baustein“. Fibres benötige eine Re-Finanzierung. Auf Nachfrage zu Gerüchten, wonach es seit einigen Wochen ein neues Mitglied in der Geschäftsleitung geben soll, sagt Barker: „Ich bin nach wie vor Geschäftsführer, aber ich habe mir für eine Restrukturierung einen Berater zur Seite geholt.“
Für die Vereine am VfL-Gelände hatte nach ersten Informationen im März, eine Umsiedlung in Richtung SC-Gelände als wahrscheinliches Szenario gegolten. Zumindest für Bürgermeister und Stadt.
VfL Kelheim und angegliederte Vereine weitestgehend unberührt
Laut der Pressemitteilung – vorausgesetzt die Stadtratsmehrheit stimmt am Montag dafür – sollen nun aber wohl „der VfL Kelheim wie auch die angegliederten Vereine weitestgehend unberührt bleiben, einschließlich des Löschteichs der Kelheim Fibres sowie der Kugelschießanlage“. Dies sei ein „zentraler Verhandlungspunkt“ gewesen, ist Schweiger in der Pressemitteilung zitiert.
Des Weiteren kommt in der Meldung auch Fibres-Geschäftsführer Barker zu Wort. Er betont darin „die Notwendigkeit der verhandelten Grundstücksgeschäfte mit der Stadt, um das drohende Insolvenzverfahren der Kelheim Fibres GmbH abzuwenden“.
Laut der Pressemitteilung hatte Kelheims Bürgermeister „während der gesamten Verhandlungen mit Nachdruck daran gearbeitet, dieses Ziel zu erreichen und dabei den Erhalt der Vereine immer im Blick behalten“.
Entscheidung zu VfL und Kelheim Fibres fällt am Montag
Nach der Entscheidung im Stadtrat kommenden Montag soll es laut Schweiger weitere Informationen geben. Zuletzt hatte es von seiner Seite geheißen, dass das Grundstück zu wertvoll sei, um es als Sportgelände zu nutzen und dass ein Gewerbegebiet daraus werden solle.
Unterdessen signalisiert auch der Hafenzweckverband, dass er sich per Grundstückskauf an der Rettungsaktion für die angeschlagene Firma beteiligen will. Das bestätigte Landrat Martin Neumeyer als Verbandsvorsitzender auf Anfrage unserer Mediengruppe. Er hoffe und gehe davon aus, dass die Firma ihre Finanzkrise überstehen könne. Angesichts der vielen Arbeits- und Ausbildungsplätze sei dies für den gesamten Landkreis wichtig, ergänzte Neumeyer.
Die Pressemitteilung der Stadt lässt insgesamt erkennen, dass sich grundlegende, erste Pläne „um 180 Grad“ geändert haben dürften. Insbesondere die angesiedelten Vereine hatten darauf gedrängt, dass eine Umsiedlung mit Neubau nicht der „Weisheit letzter Schluss“ sein könne. Zumal ein Neubau mit Blick auf die Stadt- und Vereinsfinanzen wohl schwerlich realisierbar gewesen wäre.
Am Montag werden laut Bürgermeister auch Vertreter von Kelheim Fibres an der nicht-öffentlichen Sitzung teilnehmen, um Fragen der Stadträte zu beantworten.