Das Fenster zur Mauer wird gebaut: Der Randsbergerhof in Cham darf erweitern

Von Johannes Schiedermeier · 22. Mai 2024 um 19:00

Der Chamer Stadtrat hatte am Donnerstagabend die Hände für sein einstimmiges Votum noch gar nicht richtig herunten, da kam schon grünes Licht aus dem Landratsamt: „Wir wurden am Freitagvormittag informiert, dass der Bauantrag unterschrieben und genehmigt ist“, teilte Hotelier Michael Wittmann nach den Pfingstfeiertagen mit. Damit steht fest: Der Randsbergerhof darf erweitern.

1,25 Meter Luft hatten den Ausschlag gegeben. Die liegen nämlich nach dem Neubau mindestens zwischen Stadtmauer und den Betriebsleiterwohnungen des Randsbergerhofs.

Nun hat es das Landratsamt mit einer Pressemitteilung amtlich gemacht: „Landrat Franz Löffler begrüßt einvernehmliche Lösung“, heißt es da. Nach dem einstimmig erteilten Einvernehmen durch den Chamer Stadtrat habe das Landratsamt Cham die Baugenehmigung für den Anbau am Hotel Randsbergerhof in der Nähe der historischen Stadtmauer erteilt.

Abstand war die Grundlage

Grundlage seien die überarbeiteten Pläne der Familie Wittmann gewesen, in denen die besonderen Anforderungen des Denkmalschutzes berücksichtigt worden seien. „Es freut mich sehr, dass wir zusammen mit allen Beteiligten eine einvernehmliche Lösung erzielen konnten“, begrüßt Landrat Franz Löffler den erfolgreichen Abschluss des Genehmigungsverfahrens. „Der Charakter der Stadtmauer bleibt durch den neuen Entwurf weiterhin gut zu erkennen. Das Ergebnis wird sowohl den Interessen des Bauherrn als auch der historischen Bedeutung der Stadtmauer gerecht.“

Lesen Sie dazu auch: Der Randsbergerhof soll das Fenster zur Stadtmauer in Cham werden

Im Gegensatz zu dem ursprünglichen Entwurf sei das Gebäude von der Stadtmauer deutlich abgerückt. Durch die Schaffung eines Abstands von 1,25 bis 1,50 Metern zwischen der neuen nordöstlichen Gebäudeflucht und der Stadtmauer werde die Wartung und Pflege der mittelalterlichen Stadtbefestigung gewährleistet, betont der Chamer Landrat. „Mit der transparenten Gestaltung des unteren Gebäudebereichs durch den Einsatz von Stützen wird die Voraussetzung geschaffen, dass die Stadtmauer weiterhin über die Randsbergerhofstraße sichtbar bleibt. Ebenso ist die Blickbeziehung zur Stadtmauer aus östlicher Richtung vom Spitalgarten gegeben.“ Überdies werde gewährleistet, dass auch bei Eingriffen in den Boden die Vorgaben des Denkmalschutzes insbesondere bei der Sicherstellung der Standsicherheit der Stadtmauer erfüllt werden.

Freude bei den Wittmanns

Löffler dankte allen an der Lösungsfindung beteiligten Personen für die konstruktive Zusammenarbeit. „Das Ergebnis ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass der intensive Austausch zwischen allen Akteuren in dem mehrjährigen Genehmigungsprozess Früchte getragen hat und ein vernünftiger Kompromiss für die Einbindung in das Chamer Stadtbild gefunden werden konnte.“

„Nach drei Jahren wollte der Landrat das endlich vom Tisch haben“, freuten sich Michael und Sebastian Wittmann am Mittwoch über die Genehmigung. Nun sei der Weg frei für die Betriebsleiterwohnung. „Das ist eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit, dass der Hotelbetreiber auch im Hotel wohnt“, waren sich beide einig.

Was die Familie als Beleg anführt und worauf sie seit Generationen stolz ist, formuliert Sebastian Wittmann so: „Seit 1904 war dieses Hotel keinen Tag geschlossen. Nicht während der Weltkriege und auch nicht während Corona. Und das soll so bleiben. Dafür muss man aber auch selbst im Haus wohnen.“

Man sei nach der ersten erfolglosen Planung durch das Abrücken von der Stadtmauer dem Denkmalschutz und dem Landratsamt einen großen Schritt entgegengekommen. Um die Stadtmauer sichtbar und frei zu halten, habe man bis auf rund sechs Meter Höhe auf den möglichen Wohnraum verzichtet. Stadtbaumeister Franz Pamler und die Bauabteilung des Landratsamtes seien in die neuen Planungen des Architekturbüros Wilde ständig eingebunden gewesen.

Ziel: Bis 2025 bezugsfertig

Nun hofft die Familie, noch 2024 den Rohbau aufstellen zu können. Allerdings müssen vorher noch Statikberechnungen und ein Brandschutzgutachten erstellt werden. „Und dann brauchen wir noch eine Baufirma“, sagt Michael Wittmann. Bis 2025 sollen die übereinanderliegenden Wohnungen bezugsfertig sein.

Der Randsbergerhof gewinnt Abstand: In einem ersten Bau wurde die Stadtmauer überbaut, dann wurde drangebaut, das neue Gebäude wird ganz davon wegbleiben. Foto: Johannes Schiedermeier