Sicherheitsbericht: Straftäter hatten im Städtedreieck auch 2023 relativ schlechte Karten

Von Thomas Rieke · 20. Mai 2024 um 11:00

Die Polizei Burglengenfeld, die 2023 mit Franz Wenig und Florian Beck zwei neue Dienststellenleiter erhalten hat, darf von sich weiter behaupten, überdurchschnittlich erfolgreiche Arbeit zu leisten. Das geht aus dem Sicherheitsbericht hervor, der kürzlich vorgelegt wurde.

Zwar hat sich die Zahl der Straftaten, die im Städtedreieck verübt wurden, im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft (+15,9Prozent) erhöht. Doch liegt der Inspektionsbereich damit noch immer auf dem Niveau, das vor der (ruhigeren) Coronazeit zu verzeichnen war. Dabei ist die Bevölkerung zwischenzeitlich um rund 2000 Bürger gewachsen.

Der Zufall wollte es so: Die Vorstellung der Polizeistatistik für 2023 fand wenige Tage nach einem Delikt statt, das tief erschütterte und das den Blick auf die eher positiven Zahlen des Vorjahres trübt. Anfang Mai wurde eine 19-Jährige aus Maxhütte-Haidhof getötet. Ein Tatverdächtiger sitzt in U-Haft, die Ermittlungen dauern an. Mehr dazu lesen Sie hier.

Und so war es nicht verwunderlich, dass Erster Polizeihauptkommissar Wenig beim obligatorischen Sicherheitsgespräch, das diesmal im Burglengenfelder Rathaus stattfand, einmal mehr feststellte: „Die Zahlen sind gut. Im Städtedreieck lebt es sich nach wie vor sicher.“ Wenig konnte das mit Fakten untermauern.

Das Risiko, Opfer zu werden, ist vergleichsweise niedrig

Die Häufigkeitszahl, die Auskunft darüber gibt, wie wahrscheinlich es ist, Opfer einer Straftat zu werden, liegt im Bereich der PI Burglengenfeld bei 32 und damit nicht nur unter dem Wert für den kompletten Kreis Schwandorf (33), sondern deutlich unter dem des Bezirks (39) und noch deutlicher unter dem für Bayern (44).

Im Nachbarlandkreis Cham hat ein MZ-Reporter aus gegebenem Anlass das Phänomen der Ausländerkriminalität näher unter die Lupe genommen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Die Aufklärungsquote gab Wenig mit 72,2 Prozent an. Das heißt, in fast drei Viertel der 1117 bearbeiteten Fälle konnten ein oder mehrere Tatverdächtige ermittelt werden. Das ist ebenfalls ein überdurchschnittlich gutes Resultat. Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz lag die Quote bei 69,9Prozent.

Polizeichef kritisiert Einfluss durch unseriöse Quellen

Das Risiko für Ganoven, erwischt zu werden, sei also im Städtedreieck relativ hoch, sagte Wenig. Das sei ein wichtiger Fingerzeig an die Bevölkerung, für deren Wohl sich die Polizei Tag für Tag einsetze. In diesem Zusammenhang betonte der Dienststellenleiter, dass es einen spürbaren Unterschied zwischen der tatsächlichen und der gefühlten Sicherheit gebe. Leider trügen insbesondere soziale Medien immer wieder zur Verzerrung des Bildes bei, indem Nachrichten verbreitet würden, die einer Prüfung nicht standhielten.

Erfreulich war laut Wenig die Entwicklung im Bereich der Gewaltkriminalität. Nicht nur, dass im Zuständigkeitsbereich der PI 2023 kein einziges Tötungsdelikt zu beklagen war. Auch die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen war gegenüber 2022 rückläufig, von 36 auf 29. Raubdelikte wurden genau zwei aktenkundig, im Jahr zuvor waren es mehr als dreimal so viele gewesen.

Probleme mit Langfingern durch spezielle Gruppe

Und doch gibt es auch Bereiche, die sich negativ entwickelt haben. Beim Phänomen der Straßenkriminalität ist, trotz des Rückgangs bei den Körperverletzungen, insgesamt ein Plus von über 16Prozent gegenüber 2022 festzustellen. Vor allem die Sachbeschädigungen auf Straßen (82 an der Zahl) stechen ins Auge.

Auffälligkeiten gab es auch bei der Diebstahlkriminalität, wo vor allem die Zahl der einfachen Delikte deutlich, nämlich um 47,1 Prozent, gestiegen ist. Die Ladendiebstähle haben sich sogar verdoppelt: von 35 auf 70 Fälle. Wenig bestätigte, dass vor allem in der ersten Jahreshälfte eine bestimmte Personengruppe, die in der Anker-Außenstelle (ehemaliger Baumarkt) untergebracht war, Kopfzerbrechen bereitete.

Sicherheitsdienst wurde kurzfristig verstärkt

Die Betreiber der Supermärkte im NAC hätten geklagt, die Versuche gewisser „Kunden“, kostenlos Waren zu entwenden, würden Überhand nehmen. Die Regierung der Oberpfalz, die für die Flüchtlingsunterkunft verantwortlich war, habe aber schnell reagiert und die ins Zwielicht geratene Gruppe verlegt. Bürgermeister Thomas Gesche ergänzte, für zwei Wochen sei der Sicherheitsdienst verstärkt worden.

Ein Kapitel für sich ist Jahr für Jahr die Drogenkriminalität. Das liegt unter anderem daran, dass die Zahlen unterschiedlich interpretiert werden können. 2023 wurden laut Wenig wieder deutlich mehr Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt, nämlich 140, was einem Plus von 26Prozent entspricht. Beim illegalen Handel und Schmuggel mit Rauschgift war eine Steigerung von deutlich über 100 Prozent feststellbar.

Drogen sind im Städtedreieck weiter ein Problem

Der Inspektionsleiter bestätigte, dass „Betäubungsmittel im Städtedreieck ein Thema sind“. Ob sich das Problem verschärft habe, lasse sich aber nicht eindeutig sagen, denn die gestiegenen Fallzahlen hätten auch etwas mit der intensiven Kontrolltätigkeit seiner Kollegen zu tun.

Was die Drogenarten betrifft, so ragten Cannabisprodukte „klar heraus“. Womit der Bogen gespannt war zum sogenannten Cannabis-Gesetz, das Erwachsenen den Anbau von Pflanzen und den Besitz der Droge in gewissem Umfang erlaubt. PI-Chef Wenig sieht das kritisch und erwartet Auswirkungen auf die Statistik, die 2025 präsentiert werden wird. Der Polizeibeamte geht davon aus, dass die Hemmschwelle bei Jugendlichen, zum Beispiel Joints zu rauchen, spürbar sinken dürfte.

Der Gedanke, „wenn Erwachsene ganz legal bis zu 25Gramm Cannabis mit sich führen dürften, kann das nicht so gefährlich sein“, könne sich verbreiten, Außerdem sei es naheliegend, dass Jugendliche versuchten, über Erwachsene an die Droge zu gelangen. Der Schluss, den Wenig daraus zieht: „Wir müssen an den Schulen sensibilisieren, und zwar das ganze Jahr hindurch. Diese Droge ist nicht harmlos.“

Vor allem die Zahl der Ladendiebstähle hat im vergangenen Jahr in Burglengenfeld zugenommen. Mittlerweile soll sich die Lage wieder beruhigt haben. Symbolbild: Boris Roessler, dpa