Bahnjubiläum in Burglengenfeld: Idealisten stellen Weichen für große Jubiläumsfeier

Hand aufs Herz: Hätten Sie gewusst, dass die Eisenbahnlinie, die Maxhütte-Haidhof über Teublitz mit Burglengenfeld verbindet, vor genau 125 Jahren für den Verkehr freigegeben worden ist? Ein Dutzend Idealisten wollen diesem Jubiläum einen würdigen Rahmen bescheren. Für 31. August planen sie ein großes Fest für die Städtedreiecksbahn.
Normalerweise müsste jetzt erklärt werden, wer hinter der Veranstaltung steckt. Das aber ist nur bedingt möglich. Die Eisenbahnfreunde aus der Region, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, üben sich in vornehmer Zurückhaltung. Sie wollen nicht im Rampenlicht stehen. Es gehe einzig um die Sache, die Inbetriebnahme der Bahnstrecke vor 125 Jahren – und die viel diskutierte Chance, die Linie auch für den Personennahverkehr wieder zu ertüchtigen. Dafür wolle man die Trommel rühren, sagen sie.
Ideenreicher Stammtisch ergriff die Initiative
Und so bleiben die Angaben zu den Protagonisten etwas oberflächlich. Es handelt sich, so viel lässt sich sagen, um Männer, die größtenteils in verschiedenen Berufen für Bahnunternehmen arbeiten. Regelmäßig treffen sie sich an wechselnden Orten zum Stammtisch. 2022 kamen sie dort auf das anstehende Jubiläum in Burglengenfeld zu sprechen, das zu ihrer Verwunderung noch niemand zum Thema gemacht hatte. Doch die Geburtsstunde der Bahnverbindung nach Burglengenfeld, um die viele Jahre gekämpft worden war, durfte nicht in Vergessenheit geraten. Und so ergriff die Interessengemeinschaft selbst die Initiative.
Kürzlich hatte die Deutsche Bahn in Maxhütte-Haidhof zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Dabei gab es unter anderem eine spannende Visualisierung zu sehen. Mehr dazu lesen Sie hier.
An Ideen für eine würdige Erinnerung mangelte es nicht. Dank guter Kontakte, Hintergrundwissens und Unterstützung durch den Landkreis und die drei Kommunen im Städtedreieck nahm auch bald ein Programm Gestalt an. Mittlerweile steht es ziemlich genau fest: Am Samstag, 31. August, wird ab Mittag regelmäßig ein Schienenbus der Passauer Eisenbahnfreunde von Haidhof nach Burglengenfeld rollen. Auch in Teublitz gibt es beim Friedhof eine Zusteigemöglichkeit. Der genaue Fahrplan für die Pendelfahrten wird noch bekannt gegeben.
Vom Pendolino bis zur Güterlokomotive
Ferner stellen die DB Regio einen Pendolino und die Länderbahn von Alstom einen Lint41 zur Schau, der ebenfalls im Nahverkehr eingesetzt wird. Die Deutsche Bahn wird zusätzlich eine Güterzug-Lok aufbieten, was prima zu den Güterwagen des Zementwerks passt. Auch weitere Sparten der Bahn wollen sich präsentieren. Die Münchberger Eisenbahnfreunde MEC warten mit einer Handhebeldraisine auf.
Weiterer Höhepunkt ist eine Ausstellung über die Bahngeschichte in Burglengenfeld. Ein Aufruf an die Bevölkerung, geeignetes Bildmaterial zur Verfügung zu stellen, brachte viele sehenswerte Bilder zutage. Das Gros der bunten Mischung stammt aus den 1960er bis 1980er Jahren. Ergänzt werden die Exponate durch Pläne aus dem Staatsarchiv Amberg. Natürlich soll auch das leibliche Wohl der Besucher nicht zu kurz kommen. Dafür wurde ein Burglengenfelder Caterer angeheuert.
Werbung für viel diskutierte Reaktivierung
Eineinhalb Jahre haben die Organisatoren an dem Programm gefeilt. Nun sind sie sicher, dass alles in trockenen Tüchern ist. Ein bisschen Lampenfieber ließe sich freilich nicht vermeiden, heißt es, denn vor allem die Planung, wann welcher Zug am Aktionstag eintreffen sollte und wo er den besten Platz hat, sei doch mit Nervenanspannung verbunden.
Das Fest soll, wie eingangs erwähnt, nicht nur Gelegenheit zur Rückschau geben, sondern vor allem zu einem Blick in die Zukunft ermuntern. Die Eisenbahnfreunde sind fest davon überzeugt, dass eine Reaktivierung der Strecke zwischen Haidhof und Burglengenfeld jede Menge Vorteile bieten würde. Vor allem Teublitz würde profitieren, von all den Pendlern, die sich täglich vom Städtedreieck auf nach Regensburg machen müssen, ganz zu schweigen.
Der prognostizierte Millionenaufwand von rund 22 Millionen Euro sei auf alle Fälle gerechtfertigt, sagen die Eisenbahnfreunde, zumal er ja auch Maßnahmen umfasse, die dem Schutz von Anliegern dienten. Außerdem würde der Löwenanteil, angeblich bis zu 90 Prozent, ja durch Fördermittel abgedeckt.
Kurzer Blick in das Burglengenfelder Heimatbuch
Margit Berwing-Wittl, einst Leiterin des Oberpfälzer Volkskundemuseums, hat für ihr im MZ-Verlag erschienenes Heimatbuch über Burglengenfeld auch die Geschichte der Bahnlinie recherchiert. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Die Gleise hätten viel früher verlegt werden können, wenn es nicht so heftige Gegenwehr gegeben hätte. Trotz Gründung einer Schienenfabrik in unmittelbarer Nähe (Maxhütte) habe es Jahrzehnte gedauert, bis auch für Burglengenfeld der Anschluss installiert wurde. Verantwortlich dafür sei das traditionelle Transport- und Fuhrgewerbe in der Stadt gewesen, das sich durch die Eisenbahn in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht sah.
Nach zweijähriger Bauzeit konnte die 6,9 Kilometer lange Lokalbahnstrecke nach Maxhütte im September 1899 in Betrieb genommen werden. Bis 1967 rollten darauf auch Personenzüge. 2016 wurde sie von Heidelberg Cement erworben. Seit 2020 gibt es Hoffnung auf eine Reaktivierung für den Personennahverkehr, denn das wesentliche Kriterium von „mindestens 1000 Fahrgästen pro Tag“ sei erreichbar, hieß es seitens der Bayerischen Eisenbahngesellschaft.
