Praxisklasse der Mittelschule Furth im Wald hat ein Klassenzimmer aus Beton gebaut

Von Alexander Frimberger · 16. Mai 2024 um 19:00

Um auch den Schülern, die sich im Unterricht schwertun, eine Perspektive zu bieten, dafür gibt es an der Mittelschule die sogenannte Praxisklasse. Die hat jetzt ihrem Namen alle Ehre gemacht und ein Outdoor-Klassenzimmer aus Beton gebaut.

Ein positives Beispiel, das in die Vision von Schule der Zukunft passt, die Rektorin Barbara Aumann hat.

Die Bayerische Bauwirtschaft lässt sich die Maßnahme einiges kosten, übernimmt den finanziellen Aufwand und stattet auch die Schüler beispielsweise mit Sicherheitsschuhen aus, erklärt Michaela Denk von den beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (BFZ). Sie fungiert als Mittler zwischen Bauwirtschaft, teilnehmenden Unternehmen und Schulen, damit Projekte, wie jetzt in Furth im Wald, zustande kommen können.

Eine Woche lang Baustelle

Eine Woche lang hat das Bauunternehmen Rädlinger fünf Mitarbeiter samt Ausrüstung und Material zur Verfügung gestellt, damit die 15 Jugendlichen der achten und der Praxis-klasse ein Outdoor-Klassenzimmer für 30 Schüler samt Lehrerpult in Beton gießen können. Und die Jugendlichen sind mit Feuereifer dabei. Einer von ihnen, der gerade dabei ist, eine Schalung für die nächste Bank zu errichten, sprudelt geradezu über vor neu erworbenem Wissen.

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Er will nach der Schule in jedem Fall ein Praktikum bei Rädlinger machen und wenn es ihm dann noch gefällt, wird er eine Bewerbung schreiben. Genau das ist es, was mit solchen Maßnahmen erreicht werden soll, verrät Denk: „Meistens machen vier oder fünf Teilnehmer ein Praktikum und zwei bleiben mit einer Lehre hängen.“

Auch Praxisklassen-Leiter Marc Habler ist begeistert: „Das ist ein wichtiges Projekt, es ist toll, dass es zustande gekommen ist. Es ist uns schon ein Anliegen, dass sich unsere Praxisklasse ihren Namen auch verdient.“

Habler und seine Kollegin Silke Neumann, die als Jugendsozialarbeiterin die Klasse ebenfalls betreut, betonen, dass sich die Kids von Anfang an alles selbst erarbeitet haben. Dazu gehört das Zeichnen der Pläne ebenso, wie die Ausführung und das tägliche Bestellen des benötigten Betons. „Da muss ich den Schülern nicht erklären, warum Mathematik wichtig ist. Das sehen sie am konkreten Beispiel.“ Von der Planung bis zur Ausführung ist die Firma Rädlinger beratend zur Seite gestanden, sagt Neumann und führt weiter aus: „Es ist schön zu sehen, wie sich die Mitarbeiter um die Jugendlichen annehmen.“

Drei Mädchen nehmen an dem Projekt, das von Montag bis Freitag gelaufen ist, teil. „Die sind voll dabei und zeigen den Jungs zum Teil, wie es geht.“ Doch die beiden Lehrkräfte sind insgesamt mit der Leistung und dem Engagement ihrer Schützlinge sehr zufrieden. „Alle sind motiviert, auch wenn einige bei den hohen Temperaturen der letzten Tage an ihre Grenzen kommen.“

Auch Barbara Aumann blickt zufrieden auf die Baustelle. Die Praxisklasse, die an ihrer Schule neu eingeführt wurde, entwickelt sich zum Erfolgsmodell. Sie beobachtet eine Veränderung an den Schülern der Praxisklasse und kann auch bestätigen, dass es von Eltern positive Rückmeldungen gibt. In jedem Fall soll das Modell im kommenden Schuljahr weitergeführt werden. Anmeldungen gibt es zwar noch keine, „das erledigen wir zu Beginn des kommenden Schuljahres“, aber das Interesse ist bereits groß. „Ich bin sicher, dass wir auch die kommende Klasse wieder voll bekommen werden.“

Schule der Zukunft

In diesem Zusammenhang stellt sich eine entscheidende Frage: Wenn Praxisklassen Schüler motivieren und dazu führen, dass sie selbstbewusster, zielstrebiger und wissbegieriger werden, wäre das nicht überhaupt das Modell Schule der Zukunft? Aumann lächelt: „Es ist halt auch ein Frage des Geldes, wenn zwei Kräfte für eine Klasse abgestellt werden.“ Gefördert wird das Further Projekt von der EU. „Aber, natürlich, Praxisklassen sollte es häufiger geben“, sagt Aumann. Und wenn sie sich die ideale Schule wünschen dürfte? Dann würde es neben der Jugendsozialarbeiterin auch eine Schulsozialarbeiterin und einen Schulpsychologen geben. Auch Förderlehrer wären vonnöten sowie kleinere Klassen, in denen intensiver gearbeitet werden kann. „Ich würde mir auch mehr Eigenverantwortung für die einzelnen Schulen wünschen“, so Aumann. Damit meint sie, dass das starre Korsett des Lehrplans aufgeschnürt werden sollte.

Michaela Denk (v.li.), Konrektor Thomas Meindl, Barbara Aumann, Silke Neumann und Marc Habler