Zum Wohl kleiner Patienten: Hausärzte Furth im Wald sind mit Kinderklinik Regensburg vernetzt

Von Alexander Frimberger · 4. Mai 2024 um 11:00

Die ländliche Unterversorgung mit Kinder- und Jugendmedizinern ist kein Geheimnis. Das Projekt „Kuno-Land“, an dem die Praxis der Further Hausärzte teilnimmt, schafft hier Abhilfe. Die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat sich am Freitag vor Ort ein Bild vom Stand der Dinge gemacht.

„Kuno-Land“ hat für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen, aber auch für die Eltern der Betroffenen enorm viel gebracht, sagt Dr. Stefan Enderlein von der Praxis der Further Hausärzte. Es gebe viele Kinder, die zu keinem Kinderarzt gehen können, schlicht, weil die Kollegen fehlen. „Wir versuchen, das abzufangen.“

Ministerin kennt das Problem

Ein Umstand, den Gerlach mit ihren beiden Kindern auch schon erlebt hat. Dagegen müsse etwas getan werden. „Wir sind froh, dass wir das Projekt als Freistaat damals fördern konnten“, sagt die Ministerin. Das war zum Start im Jahr 2021.

Derzeit würden viele Anstrengungen unternommen, auch Kinderärzte wieder in ländliche Regionen zu bekommen. Dazu wurde der Numerus clausus herabgesetzt. „Man braucht jetzt keinen Notendurchschnitt von 1,0 mehr im Zeugnis, es reicht ein normales Abitur.“ Allerdings müssen sich die fertigen Mediziner dann verpflichten, aufs Land zu gehen. Kuno-Land bezeichnet die Ministerin als pfiffige Idee, der sie Nachahmer wünscht. „Es ist einfach wichtig, Zugriff auf einen Arzt zu haben, der erreichbar ist.“

Wie das System funktioniert, erklärt Professor Michael Melter, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Regensburg. „Landrat Franz Löffler war im Jahr 2017 ein wesentlicher Motor. Gemeinsam haben wir versucht, etwas auf den Weg zu bringen, weil die Not im Bezug auf die Kinderversorgung groß ist.“ St. Hedwig ist Kooperations- und Lehrkrankenhaus der Universität Regensburg und Standort der Kinder-Uniklinik Ostbayern (KUNO). Geballte Fachkompetenz in diesem Bereich also. Die Fragestellung lautete, wie man dieses Wissen in die ländlichen Regionen bringt, ohne ständig vor Ort sein zu müssen. Zunächst war angedacht, dass Spezialisten wöchentliche Praxisbesuche machen. Daraus wurde nichts. Geworden ist es ein Mobil-Telefon, das nur zum Expertenaustausch eingerichtet wurde. Der Hausarzt sieht ein Problem, das er nicht auf den ersten Blick diagnostizieren kann und schließt sich mit dem Experten in Regensburg kurz. Bei unklaren Diagnosen gibt es direkten Zugang zu allen Fachbereichen, also zum Beispiel Lungenspezialisten und Neurologen. „So können Kinder immer vor Ort beurteilt werden. Die Entscheidungsgewalt liegt aber nach wie vor beim behandelnden Arzt.“ Mit in das Projekt eingebunden ist derzeit Melanie Gierst, die ihre Ausbildung zur Kinderärztin macht. „Wir unterstützen Kollegen in der Ausbildung zum Facharzt für Pädiatrie“, so Enderlein. Bei den Further Hausärzten können sie eine sechsmonatige Weiterbildung absolvieren.

Ruhe bewahren bei Notfällen

Diese Vorgehensweise trägt neben der Hilfe bei der Diagnostik maßgeblich auch zur Beruhigung der Eltern bei. „Bei Notfällen ist es vor allem wichtig, Ruhe zu bewahren“, so Melter. Weiterer Vorteil: Eltern und Kindern kann in einer Mehrzahl der Fälle ein Fahrt in die Notfallaufnahme in Regensburg erspart werden. Geplant ist, das System nicht nur in der Arztpraxis, sondern auch bei Hausbesuchen und Notfalleinsätzen zu etablieren. Dazu braucht es aber ein stabiles Netz und bei der Zusammenarbeit mit anderen Trägern spezielle Verträge. Soweit ist man noch nicht. Trotzdem sind Enderlein und sein Kollege Dr. Hans-Jürgen Hackl rundherum zufrieden mit dem System, das eifrig genutzt wird.

Melanie Giers, zeigt, wie sie mit einem Kollegen kommuniziert.