„Dialogwerkstatt“ in Rohr bringt Politikerinnen und Multiplikatorinnen zusammen

Von Martina Hutzler · 15. Mai 2024 um 05:00

Politik „auf dem Land“ ist vielerorts noch überwiegend Männersache. Und sie funktioniert in Stadt und Land oft nach dem Motto: Wer am lautesten poltert, hat die meiste Aufmerksamkeit. Mit einer „Dialogwerkstatt“ hat sich ein Frauentrio nun in Rohr auf die Suche nach Alternativen gemacht.

„Affektpolitik und Populismus sind laut und nicht selten männlich. Akustisch abgedimmt dagegen sind die vielen Gestalterinnen des ländlichen Raums, die den ,Laden zusammenhalten‘. Diese Frauen sollen in der Dialogwerkstatt zu Wort kommen und mit der Politik in direkten Austausch treten“: So beschreiben die Initiatorinnen - Lioba Degenfelder, Expertin für Nachhaltigkeitskommunikation, und Marlene Alkofer-Gruber, Lucia Gruber, Betriebsleiterinnen des Biohofs Gruber in Rohr-Schöfthal - das Ziel der zweiteiligen Veranstaltung.

Am 8. März - dem Weltfrauentag – trafen sich neun Politikerinnen zum parteiübergreifenden Austausch in Form eines „Frühstückstermins“ am Gruber-Hof. Darunter auch Vertreterinnen aus dem Landkreis: MdL Petra Högl und die Rohrer Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer (CSU), Kerstin Haimerl-Kunze, Bundesvorsitzende der Freie-Wähler-Frauen, und die Kelheimer SPD-Stadträtin Maria Meixner.

Ziel: Gräben überwinden

„Allen war es wichtig, die Gräben zu überwinden, die in der Gesellschaft – auch aufgrund des aggressiven Tons in der Politik – bestehen“, berichten die Organisatorinnen. Dafür freilich müssten tatsächlich mehr Frauen politisch aktiv werden, ihre Anliegen und Perspektiven einbringen: Auch darin war sich die Runde einig.

Wie sich das forcieren lässt, war die Gretchenfrage beim zweiten Teil der Dialogwerkstatt, der kürzlich stattfand. Wieder in Schöfthal, aber diesmal als Workshop angelegt, mit Multiplikatorinnen aus dem ländlichen Raum. Ihre Erkenntnisse und Anliegen an die Politik bekamen abends bei einem gemeinsamen Treffen dann die Politikerinnen von Teil eins zum Abendessen serviert.

Eine „ideale Welt von Morgen“ war es einerseits, die die Workshop-Teilnehmerinnen in vier Gruppen entwickelten – auch mithilfe eines KI-gestützten Bildergenerators. Aber andererseits durchaus auch ein Drehbuch, wie Frauenpower ganz praktisch gefördert werden kann, findet Maria Huber. Die Rohrerin war bei Teil zwei dabei und ging „mit wenigen konkreten Erwartungen und ganz viel Offenheit“ in das Dialog-Experiment. Besonders gefallen habe ihr, dass die anderen Teilnehmerinnen ähnlich offen ans Thema rangingen und „dass jede wusste, worüber man redet“, wenn es um Frau und ländlicher Raum geht, etwa klassisch im dörflichen Gemeinderat, sagt Maria Huber. „Am Land“ sei die Skepsis beispielsweise gegenüber Frauen in Führungspositionen dann doch noch größer als im urbanen Umfeld. Das zeige sich auch bei Wahlen: „Oft wählen ja nicht mal Frauen die Frauen!“

Maria Huber hat für sich daraus die Erkenntnis gezogen, dass es dringend mehr Solidarität von Frauen untereinander brauche, „mehr Wertschätzung und Respekt“ unabhängig von Parteigrenzen. Die Lehrerin will dies künftig selbst aktiv fördern und im Freundinnen- oder Kolleginnen-Kreis dazu ermutigen, das eigene Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern sich mit Mut und Zuversicht an Felder heranzutrauen, auf denen Frauen womöglich immer noch Skepsis entgegenschlägt. Dass ihr Andere daraufhin womöglich einen „feministischen Stempel aufdrücken“, darum werde sie sich nicht mehr scheren, fügt die Rohrerin einen zweiten guten Vorsatz an.

Für Marlene Alkofer-Gruber als eine der Organisatorinnen war der Workshop der „lebende Beweis“ dafür, „dass ein guter, partei-übergreifender Sachdialog möglich ist – jedenfalls unter Frauen“. Das sei regelrecht tröstlich gewesen, gesteht sie: „Nach dem Landtags-Wahlkampf waren so viele Gräben in der Gesellschaft sichtbar“, dass ,normale‘ Gespräche über Parteigrenzen hinweg teils gar nicht mehr möglich gewesen seien. Ein Unding, findet die Betriebsleiterin: „Wir haben so viele Probleme, die es zu lösen gilt – und trotzdem hauen wir aufeinander ein…“ Das könnte sich ändern, wenn Frauen mehr mitreden, ist sie überzeugt.

Fortsetzung soll folgen

Wie Maria Huber sind die Gruber-Schwestern und Lioba Degenfelder deshalb entschlossen, den Frauen-Dialog fortzusetzen; auch die Petra-Kelly-Stiftung als Kooperationspartnerin der Veranstaltung, unterstütze dies. Themenbezogene Veranstaltungen etwa kann sich Marlene Alkofer-Gruber vorstellen: Warum, sinniert die Betriebswirtin und promovierte Expertin für Nachwachsende Rohstoffe/ Energiewirtschaft, sollten sich nicht mal Frauen aus dem ländlichen Raum gezielt mit dem Thema Energiewende auseinandersetzen?!

Im Teil zwei der Dialogwerkstatt diskutierten Politikerinnen und Frauen aus der Zivilgesellschaft im ländlichen Raum miteinander. Foto: M. Alkofer-Gruber