Erneuter Fluchtversuch in Regensburg: Mann (32) springt über Geländer in Tiefgarage

Von André Baumgarten · 14. Mai 2024 um 11:15

Nachdem Haftbefehl erlassen ist, versucht ein Rumäne in Regensburg aus dem Amtsgericht zu fliehen: Waghalsig stürzt er sich über ein Geländer und hangelt sich so in die Tiefgarage der Justiz. Der Fall weckt böse Erinnerungen an die Flucht eines Mörders.

Wieder sorgt ein spektakulärer Fluchtversuch aus dem Amtsgericht in Regensburg für Schlagzeilen: 19 Monate lang ist ein 32-Jähriger untergetaucht – als er am Donnerstag nach Deutschland einreisen will, klicken die Handschellen. Doch als Bundespolizisten ihn tags darauf vom Gericht in Regensburg in Haft bringen wollen, versucht er eine spektakuläre Flucht und springt über ein Treppengeländer in den Keller. Gestoppt werden kann der Mann erst in der Tiefgarage des Justizgebäudes.

Wie die Bundespolizeiinspektion Waldmünchen auf Anfrage bestätigte, riss sich der 32-Jährige „plötzlich aus dem Haltegriff einer Bundespolizistin, sprang über das Treppengeländer und stürzte sich in das Kellergeschoss“. Dabei habe der wegen Diebstahls und Computerbetrugs gesuchte Mann sich am Geländer entlang von Stockwerk zu Stockwerk hinunter gehangelt, hieß es weiter. Als die Beamten ebenfalls im Keller ankamen, habe der Rumäne auf dem Rücken am Boden gelegen, sperrte sich aber gegen jede Hilfe. Die Polizisten mussten ihn letztlich fesseln.

Der Vorfall geschah unmittelbar nach der Anhörung, bei der ein Ermittlungsrichter den Haftbefehl vom Oktober 2022 in Vollzug gesetzt hatte. Nach dem Verlassen des Büros im dritten Stock des Regensburger Amtsgerichts sollte der Verhaftete zurück zum Dienstwagen geleitet werden. Der Weg führte in Richtung Treppenhaus im Justizgebäude. Beim Versuch, den Sturz des Verdächtigen abzufangen, wurde die Polizistin offenbar erheblich verletzt. Das teilte die Bundespolizei mit. Sie sei auch Tage nach dem spektakulären Vorfall noch immer nicht wieder dienstfähig.

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Der Fluchtversuch des Mannes sorgte für einen größeren Einsatz in der Augustenstraße in Regensburg: Der alarmierte Rettungsdienst konnte dem 32-Jährigen nur mit Mühe die Spritze mit Medikamenten verabreichen. Alle Versuche, sich selbst zu verletzen, indem er mit dem Hinterkopf auf den Boden schlug, verhinderte die Polizei. Dann aber rastete der Rumäne restlos aus: Er spuckte nach Beamten und Sanitätern – erst, als eine Streife der Polizeiinspektion Regensburg-Süd dem Mann die Spuckschutzhaube aufsetzen konnte, habe sich die Situation wieder beruhigt. Mit leichten Verletzungen wurde er am Ende ins Bezirksklinikum eingewiesen.

Aufgefallen war der 32-Jährige der Bundespolizei, als er am Donnerstag mit neun anderen am Grenzübergang Waldmünchen-Höll einreisen wollte. Bei der Kontrolle des Kleinbusses stellte sich heraus, dass nach dem Mann gefahndet wurde. Gegen ihn lag ein Haftbefehl des Amtsgerichts in Mannheim vor, datiert auf den 10. Oktober 2022. Direkt nach der vorläufigen Festnahme im Landkreis Cham hatte er auf der Dienststelle der Bundespolizei über psychische Probleme geklagt und sich zu Boden fallen lassen, so die Mitteilung. Deshalb brachte ihn der Rettungsdienst am Donnerstag ins Krankenhaus, wo der Rumäne über Nacht blieb. Dass die Lage derart eskalieren würde, ahnte da niemand.

Neben dem bereits offenen Strafverfahren wegen Diebstahls und Computerbetrug ermittelt die Bundespolizeiinspektion in Waldmünchen nun wegen Widerstands gegen und Angriffs auf Vollstreckungsbeamte gegen den Mann. Denn sein Fluchtversuch an sich ist nicht strafbar – das ist spätestens seit dem Fall dem im Januar 2023 geflohenen Mörders in Regensburg bekannt. Der war der Polizei damals mit einem Sprung durch das Fenster des Anwaltszimmers durch die Lappen gegangen. Erst knapp 100 Stunden später fassten ihn Spezialkräfte in Frankreich.

Diesen und einen weiteren Vorfall nur wenige Woche später nahm Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zum Anlass, die geltenden Regeln für Vorführungen von Gefangenen im Freistaats flächendeckend zu prüfen und anzupassen. Nun gelten deutlich striktere Vorgaben.

Bei der Routinekontrolle eines Kleinbusses in Waldmünchen-Höll (Landkreis Cham) fiel am späten Donnerstagnachmittag auf, dass nach dem Rumänen gefahndet wird. Symbolbild: dpa