Wie die Natur sehr dabei helfen kann, das Freibad-Defizit zu verringert

Von Stefan Weber · 13. Mai 2024 um 19:00

Es wird richtig warm und allen Orten – die sich Freibäder noch leisten – werden die Liegewiesen eröffnet. Oft geht es dabei schon im Vorfeld darum, wie Sanierungen finanziert und jährlich auflaufende Defizite getragen werden können. Nicht so in Neukirchen b. Hl. Blut. Hier leistet sich der Markt schon seit zwölf Jahren ein Bad, das mit erstaunlich geringen Kosten für die Gemeinde auskommt.

Wie das geht, erklärte Bürgermeister Markus Müller jüngst bei einer Rundfahrt des Kreistages vor Ort im Naturbad von Neukirchen. Eigentlich steckt das Geheimnis schon im Namen „Naturbad“.

17 000 Euro pro Jahr

Während in anderen Gemeinden wie Rimbach oder Blaibach die Freibäder geschlossen wurden, habe im Markt immer der Gedanke geschwelt, wie hier ein eigenes Bad eröffnet und finanziert werden könne, sagte Müller. Lalling, St. Englmar oder auch Wildpoldsried seien auf dem Plan gestanden, den der damalige Bürgermeister Sepp Berlinger und Gemeinderäte über die Jahre abgefahren seien, um sich Ideen für ein finanzierbares Bad zu holen. „Am meisten waren wir von Wildpoldsried begeistert“, erklärte Müller. Ein Blick auf die Website der schwäbischen Gemeinde zeigt, dass die Anlage der in Neukirchen sehr ähnlich ist. Eine Million Euro hat das Naturbad, das 2013 eröffnet wurde, gekostet – 50 Prozent wurden durch LEADER, der Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft, gefördert.

Doch die Anschaffung alleine ist ja nicht alles. Während bei anderen Bädern, die zugegebenermaßen in der Regel auch etwas größer sind, knapp bis zu siebenstellige Defizite im Jahr zu verkraften sind (vor allem, wenn ein Hallenbad angeschlossen ist), hält die Marktgemeinde ihren Geldbeutel nicht sehr weit offen: 17 000 Euro seien dieses Jahr für die Anlage im Haushalt eingestellt, sagt Markus Müller. Wie das geht?

Das beginne schon mit dem Betrieb. Im April holten die Mitarbeiter des Bauhofes das Bad aus seinem Winterschlaf. Dann werden 1300 Kubikmeter Wasser abgelassen und das Becken – aufgeteilt in Schwimmer und Nichtschwimmer – gereinigt. Danach wird es wieder befüllt (natürlich nicht mit Fernwasser, sondern aus Quellen am Hohenbogen). Rund 500 Kubikmeter Wasser müssten pro Saison noch einmal nachgefüllt werden.

Die drei Regeln

In Rechnung muss sich die Gemeinde nur die 1,95 Euro pro Kubikmeter stellen. Die Abwasser-Gebühr entfalle, weil Wasser aus dem Becken das Kanal-Netz nie erreiche. Um es zu reinigen, werde es vor Ort in einer Pflanzenfilter-Anlage, die gleich an das Becken anschließt, versprüht. Die dafür notwendige Energie, wie auch die für den Kiosk auf dem Gelände, liefere mittlerweile eine 14 kWp-PV-Anlage auf dem Dach des Kiosk. Beheizt werden müsse das Wasser übrigens auch nicht, das erledige auf dieser Fläche die Sonne selbst. Um die Kosten so weit nach unten drücken zu können, habe es aber noch etwas mehr gebraucht, als nur Kostenersparnis bei Wasser und Energie – oder noch besser: weniger

„Kein Eintritt, kein Zaun, keine Attraktion im Wasser“, fast Müller für seine Kollegen die Vorgaben zusammen, wegen derer es vor allem eines nicht brauche: Eine durchgehende Aufsicht am Beckenrand. Das spare natürlich Personalkosten – und Unfälle habe es bislang auch noch keinen gegeben. Der Betrieb (und damit die Kosten) bleibe für den Markt auch darum überschaubar, da die Anlage mit der Eröffnung des Badebetriebes in die Verantwortung des Burghotels übergehen. Von hier aus werde nicht nur der Kiosk mitbetrieben, sondern etwa auch der Rasen gemäht. Und wird das Bad auch angekommen? Ja, sagt der Bürgermeister. 400 bis 500 (die Zahl könne er aufgrund fehlender Eintrittskarten natürlich nur schätzen) seien nicht unüblich an den Sommertagen. Für Landrat Franz Löffler ein „Vorzeige-Projekt, das man nicht besser machen kann.“

So sieht die Filteranlage aus. Fotos: S. Weber