Queer und fertiggemacht: Auch in Regensburg bekommen Menschen Homo- und Transphobie zu spüren

Blicke, Pöbeleien, eine zerfetzte Regenbogenflagge und aktenkundige queerfeindliche Straftaten. Auch hier in Regensburg leiden Menschen unter der Homo- und Transphobie anderer. Jetzt gehen sie dagegen auf die Straße.
Um darauf aufmerksam zu machen, gehen viele von ihnen jedes Jahr am 17. Mai auf die Straße. Dann ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit. Hier hat der Verein Queeres Regensburg, ein Bündnis aus queeren Initiativen, für Freitag zu einer Kundgebung gegen Queerfeindlichkeit aufgerufen. Um 17 Uhr geht es vor dem Alten Rathaus los.
Michael Zaschka, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpalz, hat beim Bayerischen Landeskriminalamt recherchieren lassen, zu welchen queerfeindlichen Straftaten es in den vergangenen Jahren im Raum Regensburg kam. Seit 2022 sind seiner Auskunft zufolge vier Fälle aktenkundig geworden, in denen queere Menschen Opfer einer Straftat wurden. Zasckha zählt Sachbeschädigung, volksverhetzende Beleidigung sowie zwei Fälle von Volksverhetzung auf.
Hass im Netz und im Park
„Beim ersten Fall wurden mit einem dicken Filzstift drei Parkbänke in Regensburg mit Hakenkreuzen, rechtsradikalen Parolen und ,Fuck LGBTQ‘ beschmiert“, erklärt er. In einem weiteren Fall bezeichnete ein damals 14-Jähriger eine Gleichaltrige auf Instagram als „Transe“. Aber auch ein abfälliger Facebook-Beitrag über die Eintragungsmöglichkeit des dritten Geschlechts beschäftigte die Ermittler sowie eine private Twitter-Nachricht, in der ein damals 47-Jähriger queere Menschen als nicht normal beschrieb.
Zu den Delikten, die bei Straftaten gegen queere Menschen eine Rolle spielen können, zählt laut Zaschka etwa die verhetzende Beleidigung. Dabei geht es um die Herabwürdigung einer Person beispielsweise aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Zudem berücksichtige das Gericht seiner Auskunft nach bei der Strafzumessung die Beweggründe und Ziele des Täters. „Im Rahmen dessen werden im Gesetzeswortlaut auch explizit Ziele und Beweggründe genannt, die sich gegen die sexuelle Orientierung richten“, erklärt er. Dieser Regelung komme bei der Bestimmung der konkreten Strafe eine erhebliche Bedeutung zu.
Soweit die rechtliche Seite – wie sich das für die betroffenen Menschen aus der Szene anfühlt, beschreiben die Vorstandsmitglieder des Vereins Queeres Regensburg. „Wenn das Wort ,schwul‘ als Schimpfwort benutzt wird, ist das ein Problem, weil sich junge Menschen so schwer tun, sich zu outen“, sagt er Alexander Irmisch. Ein anderes Mitglied der Szene (Name der Redaktion bekannt) spricht aber auch von viel schlimmeren Botschaften, die queere Jugendliche von ihren Altersgenossen auf das Handy geschickt bekommen.
Szene passt auf sich auf
Wenn Sandra Asbeck aus dem Vorstand von queeres Regensburg wieder einmal so eine Beleidgung auf der Straße hört, geht sie nicht darauf ein und denkt sich: „Idiot“. Derlei Pöbeleien sind in Regensburg derart präsent, dass der Verein die Besucher des Christopher-Street-Days (CSD) sogar dazu aufruft, am 6. Juli in Gruppen zur Parade und zur Veranstaltung in Stadtamhof zu gehen.
Wer aber stärkt diesen Menschen den Rücken? Zuletzt hoffte Sabine Jokuschies aus dem Vorstand von queeres Regensburg darauf, institutionelle Förderung für den Verein von der Stadt zu bekommen. Inzwischen konzentriere der sich laut Irmisch aber auf ein anderes Projekt, bei dem sich ebenfalls der Vorhang für eine Förderkulisse heben könnte. Er wisse davon, dass beim Staatsministerium eine Beratungsstelle für die Oberpfalz in Planung sei, die in Regensburg angesiedelt werden soll. Dabei hoffe er neben Fördergeldern auch auf Räume und Personal.
Eine Geste, für die der Verein sehr dankbar ist, kommt von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). Sie hatte beim vergangenen CSD angekündigt, dass es in diesem Jahr erstmals einen Regenbogen-Empfang in Regensburg geben soll. Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, bestätigt auf Nachfrage: „Ja, der Empfang wird abends am 26. Juli 2024 im Reichssaal des Alten Rathauses stattfinden.“ Details zum Programm dieser neuen Veranstaltung lassen sich weder die Pressesprecherin noch der Vereinsvorstand entlocken – das werde in einigen Wochen bekannt gegeben, versprechen sie.
Für Irmisch, er sitzt auch für die SPD im Stadtrat, steckt in dieser Ankündigung seiner Parteigenossin die politische Botschaft, dass die Stadt hinter den Menschen der queeren Szene steht. „Und es ist eine Wertschätzung gegenüber der Menschen, die sich für das Thema einsetzen“, sagt er.
Der Aktionstag
Geschichte: Am 17. Mai 1990 wurde Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation gestrichen und gilt seither offiziell nicht mehr als Krankheit.
Heute: Der Tag wurde zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit, an dem viele für Menschenrechte, Vielfalt und Respekt auf die Straßen gehen.
Kundgebung: Die Mitstreiter von Queeres Regensburg tun dies am Freitag um 17 Uhr am Alten Rathaus. Redebeiträge werden unter info@queeresregensburg.de koordiniert.