Simone Bauer aus Maxhütte-Haidhof veröffentlicht einen Reiseführer für queere Menschen

Ein gewonnener Schreibwettbewerb im Jahr 2009 war für Simone Bauer, die in Maxhütte-Haidhof aufgewachsen ist, der Türöffner als Autorin. Inzwischen hat sie acht Bücher veröffentlicht – zuletzt einen Roman über lesbische Liebe auf dem Land. Am 26. April erschien nun ein weiteres Werk der 32-Jährigen, die mittlerweile aber in München ihre neues Zuhause gefunden hat.
Diesmal ist es ein Reiseführer mit 35 queeren Reisezielen in Europa, mit dem sie sich an ihr zumeist junges Lesepublikum richtet. „Pride On Tour“ ist der Titel ihres neuen Buches, das im Conbook Verlag erschienen ist.
„Europa ist ein vielfältiger Kontinent“, sagt sie. Da sei es ihr nicht leicht gefallen, ihre Lieblingsreiseziele auszuwählen. Doch wenn sie wählen müsste, würde sie sich für London entscheiden, so die 32-Jährige. Da sei nämlich „wahnsinnig viel geboten“. Aber auch das „super tolerante“ Amsterdam und ihre Wahlheimat München könne sie als Reiseziele für queere Menschen bestens empfehlen.
Ein inklusives Werk ist das Ziel
München habe zwar den Ruf, etwas spießig zu sein, wie die Autorin anmerkt, aber hier gebe es tatsächlich eine inspirierende Szene mit vielen tollen Dragqueens, die großartige Shows zusammenstellen. Auch einige queere Wirtshäuser, die sie sehr mag, seien in der Landeshauptstadt zu finden, wie sie betont.
Safe Spaces für queere Menschen
Das München-Kapitel nimmt einen besonders großen Teil des Reiseführers ein. In dem Buch werden aber auch Städte mit kleinerer Szene beschrieben. „Etwas für jeden Geldbeutel, etwas für jeden Geschmack“, so fasst es die Autorin zusammen. Die lesende Person solle auf einen Blick wissen, wo sie sicher eine gute Zeit verbringen könne. „Wo kann ich gut feiern, Kaffee trinken, Kunst genießen, Bücher kaufen und zeitgleich einen Safe Space (sicherer Ort für queere Menschen) genießen“ – genau darum gehe es.
Prominente Mitglieder der queeren Community sind Teil des Reiseführers
Simone Bauer war es wichtig, dass das Buch nicht nur ein Reiseführer für Queeros wird, sondern ein sehr inklusives Werk. Deswegen kämen auch viele Stimmen aus der Community zu Wort: Unter anderem Olivia Jones, Jurassica Parka und Vicky Voyage, mit denen zusammen sie auch an der Münchner Kampagne „queersindwir“ mitwirkt.
Aber auch internationale Influencer – zum Beispiel aus dem „Prince(ss) Charming“ und „Drag-Race-Kosmos“ oder aus dem Projekt „Flamenco Queer“ – seien vertreten. Die Idee für diesen außergewöhnlichen Reiseführer sei ihr schon vor einigen Jahren gekommen, verrät die 32-Jährige.
Safe Spaces sind wichtig
Wenn man zu einer großen queeren Veranstaltung reise, wolle man auch ein entsprechend cooles Rahmenprogramm Drumherum haben, sagt sie. Deswegen habe sie bereits seit einer Weile an diesem Thema gearbeitet – vor allem durch unzählige Artikel für verschiedene Print- und Onlinemagazine. Seit vergangenen Sommer habe sie sich dann intensiv um diesen queeren Reiseführer gekümmert. Ihre erste Reiseerfahrungen habe sie dafür in Paris gesammelt.
Durch viele queer-feindliche Übergriffe seien Safe Spaces nach wie vor sehr wichtig, betont sie. Insofern sei es auf Reisen essenziell, zu wissen, welche Viertel man meiden sollte oder wie dort die Mentalität der Menschen generell sei. Studien hätten gezeigt, dass sich wirklich der größte Teil aller queerer Reisenden damit bei der Auswahl der Urlaubsziele beschäftigten. „Es kann einfach lebensrettend sein, zu wissen, wo man nicht Händchen halten sollte“, sagt sie. Ihr Reiseführer empfehle, bedingt durch ihre eigene Perspektive und die von dort lebenden queeren Menschen, ausschließlich Wohlfühlorte, verspricht die Autorin.
Obwohl sie das Buch als „cis Lesbe“ (cis bedeutet, dass man sich mit dem von außen zugeschriebenen Geschlecht identifiziert) geschrieben habe, sei es ihr auch sehr wichtig gewesen, jede andere Sicht mitzudenken: Welche Locations sind barrierefrei und was würde einen schwulen Mann, eine trans Person oder People of Colour interessieren? Das habe nur durch die Unterstüztung von Menschen funktioniert, die sich glücklicherweise von ihr Löcher in den Bauch fragen ließen, um ein authentisches Bild ihrer jeweiligen Heimatstädte wiederzugeben, sagt Bauer.
Einfache Urlaubsplanung mit „Pride On Tour“
„Pride On Tour“ erleichtert die Urlaubsplanung von queeren Menschen, weil darin nicht nur relevante Läden, Cafés, Restaurants und Clubs nach Vierteln vorgestellt werden, sondern darüber hinaus auch noch typische Tourhighlights präsentiert werden, wie die 32-Jährige betont. Des Weiteren gibt es in dem Reiseführer natürlich auch Tipps zu typischen Mahlzeiten und zur Sprache. „Eigentlich muss man nur noch den Flug buchen“, sagt die Autorin.