Die ungeliebte Botschaft des Gerhard Hopp: „Unsere Welt ist nicht mehr in Ordnung!“

Von Johannes Schiedermeier · 13. Mai 2024 um 05:00

Der Chamer Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp hat lange Jahre fast unbeachtet das Thema Europa beackert. Jetzt gerät seine Tätigkeit in den Fokus. Reisen in die Ukraine, nach Moldawien, Israel, Polen, Litauen. Überall brennt es plötzlich lichterloh. Und Zuhause ist Hopp zum Überbringer einer ungeliebten Nachricht geworden: „Unsere Welt ist nicht mehr in Ordnung. Sie ist aus den Fugen.“

Die letzten drei Jahre haben ihn ernster gemacht, sagt der Abgeordnete. Und er erzählt, wie er den Spagat bewältigt wenn er zu Hause auf Menschen trifft, die in ihrer trügerische Idylle ungestört weiterleben wollen. „Ich weiß, dass es nicht das ist, was viele hören wollen. Aber es brennt eigentlich überall und wir tun so, als wäre bei uns alles in Ordnung. Das ist aber nicht so“, sagt er.

Nach der Ukraine war Hopp auch in Israel. Vor kurzem im Kosovo. „Dort verteilen die Serben eigene Autokennzeichen, um zu zeigen, dass sie das unabhängige Kosovo weiter als ihre Provinz betrachten. Das erleben wir gerade überall. Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass wir uns den dauerhaften Frieden in den 30 Jahren so sehr gewünscht haben, dass wir dabei ausgeblendet haben, dass Russland und China auf die Zerstörung der westlichen Lebensart abzielen.“

Warum fährt man da hin?

Hopp fährt innerhalb weniger Monate überall hin, wo es weh tut. Nach der Ukraine, Israel und dem Kosovo kommen bald die baltischen Staaten dran. Litauen zum Beispiel, wo das Chamer Panzerbrigade 12 Oberpfalz Soldaten auf Dauer stationieren soll. Einen Satz hört Hopp immer wieder von seinen Kollegen im Maximilianeum: „Ich würde da nicht hinfahren wollen...“

Wieso tut er sich das auf? „Europa war immer schon mein Thema. Dann habe ich den Posten des Europabeauftragten bekommen und dann ging es plötzlich an allen Ecken los. Jetzt ist der Job unangenehm, aber man muss ihn tun?“ Wozu muss ein Bayer in die Ukraine fahren? Weil es in Zeiten der Falschinformationen wichtig ist, sich ein eigenes Bild zu machen, sagt Hopp. Und weil er nun regelmäßig im Landtag einen Bericht über das abstattet, was er selbst gesehen hat.

Und noch eines treibt den Chamer Abgeordneten an: „Ich möchte nicht, dass meine Kinder in zehn Jahren einmal zu mir sagen: Wieso hast du damals nichts getan?“ Hopp ist überzeugt nach seinem besuch in der Ukraine: 2024 wird das Jahr der Entscheidung. Nach zehn Jahren Krieg sehe man nun die totale Invasion.

Was auf dem Spiel steht

Der Abgeordnete hat eine Mission: Wir müssen den Menschen klar machen, was auf dem Spiel steht. Wir müssen innerhalb kurzer Zeit selbst verteidigungsfähig werden, weil die USA das nicht mehr in dem bisherigen Maße für uns übernehmen wollen. Auch nicht, wenn Trump bei der Wahl gegen Biden durchfällt – da ist Hopp überzeugt. „Trump würde uns ständig erpressen und auch Biden wird von Europa verlangen, dass es verteidigungspolitisch auf eigenen Beinen steht.

Überall in Europa gebe es derzeit nur ein Thema, je näher an der Ukraine, desto intensiver: Widerstandsfähigkeit. Vor zwei Wochen hat sich Hopp als Koordinator der Parlamentsbeziehungen mit tschechischen Kollegen unterhalten. Nun steht die Zusammenarbeit unter einer Überschrift: Widerstandsfähigkeit!

„Der Krieg ist längst da!“

Seine Partei, so Hopp, habe vor zwei Jahren schon in ihrem Programm die Herstellung der Verteidigungsfähigkeit gefordert: “Das drang nicht so richtig durch, aber es ist wahnsinnig wichtig. Für Hopp ist sein Europaauftrag zu einem Spagat geworden. „Wenn du aus der Ukraine zurückkommst, dann ist es schwer, sich wieder auf die Probleme in der Heimat zu konzentrieren. Aber ich muss gleichzeitig reisen und im Wahlkreis auf dem Boden bleiben“, sagt Hopp. Die Anliegen der Menschen will er weiter ernst nehmen.

„Aber die Welt ist nicht in Ordnung. Das muss man den Menschen sagen. Auch wenn es nicht gut ankommt“, so Hopp. Der Krieg sei längst angekommen in Deutschland und Bayern in Gestalt von ständigen Cyber-Attacken und politischen Destabilisierungs-versuchen durch Fake-News. Die Demokratie ist nicht auf dem Vormarsch, wie sich der Westen das vorgestellt hat, sagt er. Sie müsse sich derzeit an allen Fronten verteidigen gegen die Versuche von China und Russland, die westliche Lebensart zu zerstören.

Unbequeme Wahrheiten

„Ich weiß, dass ich besser ankommen würde, wenn ich sage: Ist alles nicht so schlimm. Aber es ist schlimm und wir müssen ohne in Panik zu verfallen uns damit abfinden, dass wir in Zukunft auf Dinge verzichten müssen, um in unsere Verteidigung zu investieren und den Ukrainern beizustehen!“ Eine unbequeme Wahrheit, die Hopp verbreiten möchte.“

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