Missbrauchspfarrer: Eslarner wehrten sich gegen Straßen-Umbenennung

Bei den Domspatzen und in der Eslarner Blaskapelle soll der 1984 verstorbene Pfarrer seine Opfer gesucht haben. Trotz einer Verurteilung blieb er wegen seiner Verdienste um die Musik hoch geschätzt. Doch jetzt reagierte die Kommune Eslarn im Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab auf die Bitte des Betroffenenbeirats.
Am Tag nach der Abstimmung ist Bürgermeister Reiner Gäbl hörbar erleichtert: „Ich bin froh, dass der Beschluss im Marktrat eine Mehrheit gefunden hat.“ Am Dienstag hat das Gremium in Eslarn mit 9:6 Stimmen die Umbenennung der Georg-Zimmermann-Straße beschlossen. Zimmermann, der 1984 starb, war Diözesan-Kirchenmusikdirektor und mehrfach wegen Missbrauchs von Kindern verurteilter Straftäter. Den Anwohnern stößt die Entscheidung trotz der bekannten Hintergründe sauer auf. Sie hängten am Mittwochmorgen schwarze Bänder an ihre Straßenschilder.
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Mitglieder des Betroffenenbeirats im Bistum Regensburg hatten die Sitzung mitverfolgt. Die Anwohner hätten noch einmal massiv gegen die Umbenennung protestiert, sagt Sprecherin Josefa Schalk. Es seien Sätze gefallen wie: „Was interessiert euch Regensburger, was wir in Eslarn machen.“ Doch der Beschluss ist nun rechtsgültig. Die Umbenennung werde zügig erfolgen, kündigte der Bürgermeister an.
Zeitungsberichte über Gerichtsprozess
Der in Eslarn begrabene Geistliche war Ende der 1950er-Jahren für wenige Monate Direktor des Domspatzen-Gymnasiums in Regensburg. 1969 erschienen Zeitungsberichte über Zimmermann, wonach er sich wegen sexueller Übergriffe auf Buben in Weiden vor Gericht verantworten musste. 19 Jungen sollen von dem Mann unzüchtig berührt und in mehreren Fällen auch zu sexuellen Handlungen getrieben worden sein. Damals wurde Zimmermann zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt sprach laut den Berichten in seinem damaligen Plädoyer davon, dass wohl nur „die Spitze des Eisbergs in Eslarn“ vor Gericht verhandelt worden sei. Seine Opfer hatte sich der Priester unter anderem bei der Knabenkapelle Eslarn gesucht, die er mitaufgebaut hatte. Doch auch bei den Domspatzen hatte er wohl wegen Fehlverhaltens nach wenigen Monaten seine Stelle räumen müssen.
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In Eslarn hielt man aber fest zu Zimmermann. Seine Verdienste um die örtliche Musikschule und die Kapelle wurden ihm auch nach seinem Tod noch hoch angerechnet. 1993 wurde die Georg-Zimmermann-Straße eingeweiht. Beim Heimatfest 2010 wurde Zimmermanns Auftrittsuniform der Grenzlandmusikschule Eslarn e. V. in einer Ausstellung gezeigt. Der Heimatverein „Die Eslarner in München e.V.“ ehrte ihn mit einer Tafel im Rathaus-Foyer posthum für die Gründung der „Grenzland-Musikschule“.
„Nur weil er ein guter Musiklehrer war, kann man doch nicht beide Augen zudrücken“, sagt Bürgermeister Gäbl. Er selbst hat mit Missbrauchsopfern von Zimmermann gesprochen. Die geschilderten Übergriffe hätten ihn tief berührt, sagt er. Die Anwohner hatten mit dem Verwaltungsaufwand gegen die Umbenennung geworben. „Das ist für mich kein zugkräftiges Argument“, sagt dagegen Gäbl. „Man kann doch so etwas nicht mit Missbrauchstaten gegenrechnen! Das war ein Verbrecher und das muss gesehen werden.“ Der Bürgermeister kündigte an, dass die Kommune die Kosten für das Umschreiben der Adressen der Anwohner tragen werde.
Betroffenenbeirat dankt Bischof
Betroffenenbeirat-Sprecherin Schalk spricht nicht nur dem Bürgermeister, sondern auch Bischof Rudolf Voderholzer in der Aufarbeitung der Causa Zimmermann ihren Dank aus. „Auch er hat sich für eine Umbenennung engagiert.“ Laut Schalk geht Eslarn mit gutem Beispiel voran. „Meines Wissens nach ist es die erste Umbenennung einer Straße in Ostbayern im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche.“
Ein neuer Name für die Straße ist noch nicht gefunden. „In Eslarn werden wir jetzt erst einmal Abstand von Persönlichkeiten nehmen und die Straßen nur noch nach Blumen und Bäumen benennen“, sagt Bürgermeister Gäbl.