Missbrauchsfälle: Auffällige Priester in Eichstätt nach Auszeit wieder eingesetzt

Von Marco Schneider · 13. April 2023 um 05:00

Zwei Priester aus der Diözese Eichstätt sind in den vergangenen Jahren einschlägig aufgefallen: Einem wurden Grenzverletzungen gegenüber Minderjährigen vorgeworfen, einem anderen die Verbreitung pornografischer Inhalte. Nach Auszeiten wurden sie wieder eingesetzt – in der Gemeindeseelsorge. Einer von ihnen soll nun ein Kind missbraucht haben.

Die Vorwürfe gegen den Mann, der zuletzt im Landkreis Neumarkt tätig war, sind massiv, das Bistum Eichstätt hatte sie selbst vor gut drei Wochen öffentlich gemacht. Ohne freilich darauf einzugehen, dass der Kaplan nahezu genau ein Jahr zuvor seine Koffer in einem Ort im Landkreis Eichstätt packen musste. Einem damals minderjährigen Mädchen und wohl auch mindestens einer Frau gegenüber soll er sich grenzüberschreitend geäußert haben.

Ein Gedächtnisprotokoll des Geschehens liegt unserer Zeitung vor – und seit Mittwoch auch ein Brief eines Priesters, der in diesem Zusammenhang massive Vorwürfe gegen seine Diözese erhebt. „Jetzt werden die Früchte der Unvorsichtigkeit geerntet“, schreibt der Priester unter Verweis darauf, dass der junge Priester nach einer Auszeit in eine neue Pfarrei delegiert wurde.

Generalvikar sieht Einsatzfähigkeit

Ein Bistumssprecher teilt auf Anfrage mit, dass der Geistliche nach den ersten Vorfällen „vorübergehend aus dem seelsorglichen und schulischen Dienst herausgenommen“ worden sei. Man habe ihm neben Personalgesprächen „therapeutische Hilfen und Begleitung angeboten“. Diese habe der Priester angenommen. „Daher hat der damalige Generalvikar Michael Huber beschlossen, dass der Priester unter Begleitung einsetzbar sei“, erklärte der Bistumssprecher weiter. Der Pfarrer der jüngsten Einsatzstelle des Kaplans sei persönlich von Huber über die Hintergründe informiert worden. Nur: Der Kaplan hat sich dann offenbar einem Kind gegenüber pornographisch geäußert, die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wertet das als sexuellen Missbrauch, hat die Kaplanswohnung durchsucht und gegen den Mann Strafermittlungen eingeleitet. Der Sprecher des Bistums betonte indes, dass sich der Vorfall „nicht im seelsorglichen Kontext dieser Pfarrei“ ereignet habe.

Weiterer Fall: Verbreitung pornographischer Schriften

Im Zuge der Recherchen unserer Zeitung tat sich ein weiterer Fall eines Priesters auf, der nach straf- und kirchenrechtlichen Ermittlungen seine Stelle verlassen musste: Dem jungen Priester, der ebenfalls im Landkreis Eichstätt tätig war, wurde die Verbreitung pornographischer Inhalte vorgeworfen – Informationen unserer Zeitung zufolge an Ministranten. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt bestätigte entsprechende Ermittlungen, die allerdings mangels Tatnachweis eingestellt wurden. Die Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan hat sich mit dem Fall befasst, die Akte mittlerweile aber geschlossen. Der junge Priester wurde aus seiner Pfarrei abgezogen, die Diözese teilte damals dazu allerdings keine Gründe mit. Inzwischen arbeitet er im Ausland wieder in einer Pfarrei. Die nun für ihn zuständige Diözese „wurde umfänglich im Vorfeld informiert“, betonte der Bistumssprecher auf Nachfrage.

In dem bereits erwähnten Brief eines Geistlichen, der unsere Zeitung erreichte, fährt dieser angesichts der Krise seiner Kirche schwere Geschütze auf: „Worte und Taten stimmen in der Diözese Eichstätt nicht überein. Das ist ein Versagen des kirchlichen Systems.“

− DK