Wärme aus der Industrie, der Erde oder dem Abwasser: Wie heizt Abensberg in Zukunft?

Von Lucia Pirkl · 7. Mai 2024 um 15:00

Halbzeit bei der Wärmeplanung in der Stadt Abensberg im Kreis Kelheim: Nachhaltige Ideen sind gefragt, jetzt sollen konkrete Maßnahmen erarbeitet werden.

Wie könnte das Heizen in der Stadt mittelfristig aussehen? Nachhaltige Lösungen sind hier gefragt. Eine kommunale Wärmeplanung soll dazu Ideen liefern.

Dominik Müller, Geschäftsführer vom Ingenieurbüro Prosio Engineering GmbH aus Lauf an der Pegnitz, war in der vergangenen Stadtratssitzung zu Gast. Der Geschäftsführer des Ingenieurbüros, das innovative Energiekonzepte erstellt, informierte über die erste Hälfte des einjährigen Projekts, die nun vorbei ist.

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Die Wärmeerzeugung ist ein sehr lokales Thema. „Wir werden uns jeden Teilbereich anschauen und alle Gebäude betrachten“, sagte Müller. Die Verbraucher könnten dann künftig einsehen, welche Wärmegewinnung für sie speziell Sinn mache, sie hätten Planungssicherheit, „das wäre auch für potenzielle Investoren oder die Stadtwerke wichtig“, so Müller.

Energie aus der Tiefe

Müller und sein Team starteten mit einer Bestandsanalyse: Wer heizt mit was? Dann folgte die Potenzialanalyse: Wo könnte die Stadt auf Umgebungswärme zurückgreifen? Wo liegen ungenutzte Potenziale, zum Beispiel industrielle Abwärme? Diese beiden Aspekte sind jetzt abgeschlossen, jetzt geht es um konkrete Maßnahmen. Um den Wärmeverbrauch zu ermitteln, griffen die Planer auf einen digitalen Energienutzungsplan zurück.

Müller und sein Team interessierte, wie die Gebäudealtersstruktur in der Stadt ist und wie die so genannte Wärmeliniendichte aussieht, also, in welchen Straßenzügen welche Gebäude mit welchem Wärmebedarf stehen. Was noch fehlt ist, dass der Verbrauch aufgedröselt wird nach Energieträger, „hier warten wir noch auf die Daten vom Statistischen Landesamt“, so Müller.

Die Planer untersuchten verschiedene Möglichkeiten zur Wärmegewinnung, wollten wissen, wo erneuerbare Quellen in welchem Umfang verfügbar sind.

So könne man beispielsweise aus Abwasser noch Wärme gewinnen, informierte Müller die Stadträte, „das Wasser im Kanal hat ja noch eine Wärme, die für Wärmepumpen geeignet wäre“. Erdwärmekollektoren wiederum würden die Wärme aus einem Meter Tiefe ziehen, Erdwärmesonden benötigten eine Tiefbohrung. Das allerdings könnte wasserschutzgebietsbedingt rund um Abensberg eher schwierig werden, räumte Müller ein. Freiflächensolarthermie, Windenergie und Freiflächenphotovoltaik wären mögliche Bausteine, um nachhaltig Wärme produzieren zu können.

Szenarien entwickeln

Holzartige Biomasse wiederum hätte weniger Potenzial, „man wird mehr aus dem Wald rausholen wie nachgeforstet werden könnte“, so Müller. Erdwärmekollektoren, Photovoltaik oder Luftwärmepumpen könnten aber eine Lösung sein.

Mit in die Planungen floss auch die regenerative Stromversorgung ein, unter anderem interessant für den Betrieb von Wärmepumpen. Deshalb ist beispielsweise die Frage nach potenziellen Windstandorten nicht ganz unerheblich für die Planer.

Mit den Stadtwerken sollen jetzt gemeinsame Szenarien erarbeitet werden, zum Beispiel ein mögliches Nahwärmenetz in der Innenstadt, dort, wo die Gebäude mit am ältesten sind, mit ersten Bedarfs- und Investitionsschätzungen. Die Ergebnisse werden dann auch veröffentlicht.

Anschließend Fragerunde

In der anschließenden Fragerunde wollte Stadtrat Bastian Bohn (CSU) wissen, ob es Ergebnisse zur Wärmegewinnung aus Flüssen, wie beispielsweise der Abens gebe. Darüber habe er erst kürzlich gelesen.

Auch, ob eine Verbindung über Bad Gögging möglich sei, um die Fernwärme aus der Raffinerie in Neustadt nutzen zu können, interessierte ihn. Hier stünden die Stadtwerke bereits mit Neustadt in Kontakt, so die Antwort von Bürgermeister Bernhard Resch. „Die Flussgeschichte hat auch uns überrascht, wir haben das auf dem Schirm“, sagte Müller.

Richard Zieglmeier (Bündnis 90/Die Grünen) wollte wissen, wie es dann mit er Umsetzung weitergeht und dass es wichtig sei, entscheide man sich für eine Genossenschaft, die ein etwaiges Wärmenetz betreibe, einen Geschäftsführer einzusetzen.

Müller räumte ein, dass es durchaus ein Thema sei, wer am Ende das Netz bauen und betreiben werde, denn „das sind signifikante Kosten“. Sicherlich sei die Realisierung nur über eine Genossenschaf oder ein Wärme-Contracting (Erklärung im blauen Infokasten) möglich. „Da werden wir auch über Themen wie Anschlusszwänge diskutieren“, so Müller.