Einige Neuerungen beim Hussenkrieg – In zwei Monaten feiert das Festspiel in Neunburg Premiere

Von Ralf Gohlke · 6. Mai 2024 um 17:00

„Jan á Kalich!“ Der Schlachtruf der Hussiten hallt bereits wieder durch die ehrwürdigen Mauern des Neunburger Schlosses. Am Wochenende sind die Proben zur diesjährigen Saison des Festspiels „Vom Hussenkrieg“ angelaufen.

Bis zur Premiere am Samstag, 6. Juli, gibt es noch Einiges zu tun – sowohl für die Regie als auch die Akteure vor und hinter den Kulissen. Aufbauend auf der gelungenen Neuninszenierung im Vorjahr sind auch heuer einige Überraschungen geplant. Zu den Neuerungen zählt unter anderem, dass die ersten beiden Probentage als sogenannte offene Proben deklariert wurden.

Damit verfolgte der Festspielverein in Zusammenarbeit mit Regisseurin Karin Michl einen doppelten Zweck: Zum einen konnte gleich die Publikumsresonanz auf einige Neuerungen getestet, zum anderen auch Interessenten zur Mitwirkung animiert werden. Beides habe gut funktioniert, bilanzierte der Vorsitzende, Manuel Winkler, im traditionellen Pressgespräch zum Probenauftakt. Der eine oder andere Nachwuchsschauspieler konnte bereits ins Ensemble integriert werden. „Hussiten und und Bürger können wir aber immer brauchen“, sagte Winkler.

Bewährte Reihenfolge bei den Aufführungen

Im Grundsatz soll sich an der, 2023 neu eingeführten, Reihenfolge von fünf Aufführungen plus Generalprobe für Angehörige und geladenes Publikum festgehalten werden. Nahtlos gehe die Saison mit dem Mittelaltermarkt im Stadtpark zu Ende. „Das hat für alle Beteiligten den Vorteil, dass jeder ab August wieder selbst über seine Freizeit verfügen kann“, merkte er an.

Verbunden mit dem Probenbeginn liefen nun auch die Werbung und der Kartenvorverkauf an. Letzterer verzeichne sogar schon einen erfreulich positiven Trend. Bei verschiedenen Festzügen, insbesondere dem 44. Bayerischen Nordgautag in Grafenwöhr, werde das Ensemble vertreten sein. Auch das Burg-Café biete gute Möglichkeiten, sich zu Informieren.

Schauspieler nahmen im Vorfeld an Workshops teil

Dass die Saison nicht erst mit den Proben eröffnet wurde, vermittelte Michl. So seien zusammen mit Roman Wehlisch vom Verband Bayerischer Amateurtheater zwei Workshops durchgeführt worden. Den Schwerpunkt bildete dabei die Aussprache, Sprechpausen und das richtige Verhalten auf der Bühne.

„Emotionen zu zeigen, soll heuer einer der Schwerpunkte unserer Arbeit sein“, sagte sie. Theater sei immer Aktion und Interaktion und solle dem Publikum deutlich zeigen, was gerade passiere. Aus dem Grund sei auch nicht davon auszugehen, dass jede Aufführung gleich verlaufe. Die Ansätze aus der Theaterpädagogik verfolgen die Regisseurin und ihre Assistentin Verena Hergl besonders bei ihrer Arbeit.

Anders als eine Reihe ihrer Vorgänger „stülpen“ sie den Akteuren nicht ein festes Korsett über, sondern lassen eine Szene zunächst laufen, um dann im Gespräch die Abläufe zu optimieren. Zu den Neuerungen gehören unter anderem ein neues Gewand für den Pfalzgrafen, zusätzlich Musikeinspielungen sowie das Bühnenbild bei der Ratsherrensitzung und der Frauenszene.

Skizzen zu Truppenstellungen

„Auch am Schlussbild soll sich etwas verändern, aber das verraten wir noch nicht“, so Michl. Das Kampfgetümmel der Schlacht zwischen Oberpfälzer Rittern und den Hussiten erhalte eine neue Choreografie. Akribisch hat Jonathan Binder dazu Skizzen für die Stellung verschiedener Trupps im Bühnenbild hergestellt, die die Umsetzung erleichterten.

Neu sei auch der Einsatz mehrerer „Stockbüchsen“, zeitgenössischer Schusswaffen. Einige Wechsel ergäben sich bei den alten, beziehungsweise neuen Sprechrollen, vermittelten die beiden neuen Spielleiter Jürgen Hoffmann und Simon Binder. Interessant sei dabei der Wechsel von Bruno Covarrubias-Valades vom Hussiten zum Milo, dem Sohn von Tristram Zenger, alias Bruno Spitzhirn. Daraus ergibt ein tolles „Bruno-Team“.

Das neue „Team Bruno“ mit Bruno Covarrubias-Valades (l.) und Bruno Spitzhirn, als Vater und Sohn Zenger. Foto: Ralf Gohlke