Festspiel feiert Dreifach-Jubiläum: Hussenkrieg beschäftigt die Stadt Neunburg seit 100 Jahren

Von Ralf Gohlke · 18. Juni 2023 um 15:57

Gleich drei Jubiläen in einem Jahr feiern zu können ist nicht alltäglich. 2023 ist das Jahr, in dem die Stadt Neunburg auf 100 Jahre Festspieltradition zurückblicken und 40Jahre Burgfestspiele „Vom Hussenkrieg“ feiern kann. Mitzelebriert werden gleichzeitig 35Jahre Festspielverein.

Hinzu kommt, dass Pfalzgraf Johann – genannt auch die Hussitengeißel oder der Hussitenhammer – 1383 in Neunburg geboren wurde und 1443 in Kastl gestorben ist. Er hätte somit heuer seinen 640. Geburtstag feiern können.

Im Vorgriff auf die Premiere der Neuinszenierung am 7. Juli, veranstaltete der Festspielverein deshalb einen Festabend. Die Gäste erwartete zunächst ein Sektempfang im Burghof hinter der Tribüne. Sie diente als Ausstellungsfläche für Banner, die die 40-jährige Festspielgeschichte in unzähligen Bildern in Erinnerung riefen. Vermerkt sind darauf auch die Namen der Laienspieler der jeweiligen Jahre in ihren zum Teil unterschiedlichen Rollen.

Arbeit des Festspielvereins ist wichtig

Der ehrwürdige Schlosssaal bot im Anschluss den Rahmen für den eigentlichen Festakt. Manuel Winkler als Vorsitzender des Festspielvereins hatte ein lange Liste an zu begrüßenden Ehrengästen abzuarbeiten. Er erinnerte unter anderem an die Vereinsgründer.

Der Verein sei der Produzent der Burgfestspiele, der die Stadt als Trägerin unterstütze und das Ensemble während der spielfreien Zeit zusammenhalte. Dem fügte er kurze Worte des Dankes für die jahrelange reibungslose Zusammenarbeit an.

Der Ehrenvorsitzende Theo Männer erinnerte zunächst an die Hintergründe. Das Festspiel wurde im Jahr 1923 auf eine Initiative des damaligen Stadtpfarrers Johann Baptist Koller gegründet. Hintergrund sei der gerade verlorene Krieg gewesen und die Zielsetzung, den Zusammenhalt in der Gesellschaft neu zu formieren.

Der Heimatgedanke sollte in Kombination mit einem Heimatschauspiel, einem Heimattag und einem Bezirkskatholikentag gefördert werden. Ausführlich schilderte Männer, welcher Aufwand finanzieller Art, aber auch an damals prominenten Persönlichkeiten betrieben worden sei.

Zum 600. Geburtstag des Pfalzgrafen wurde das Festspiel wiederbelebt

Eine Wiederaufnahme habe 1933 zur 500-Jahr-Feier der Schlacht bei Hiltersried stattgefunden, welche nationalistische und antitschechische Tendenzen noch mehr in den Vordergrund gestellt hätte. Eine Wiederbelebung 1953 sei unter anderem daran gescheitert, dass der Stadt die Geldmittel dazu fehlten und das staatliche Landbauamt Amberg die Nutzung des Burghofs als Freilichtbühne nicht gestattet habe.

Dank seiner Initiative, mit Unterstüzung des heimatkundlichen Arbeitskreises, sei aus Anlass des 600. Geburtstages des Pfalzgrafen Johann und dem von der Stadt ausgerufenen „Pfalzgraf-Johann-Jahr“ die Wiederbelebung gelungen.

Neubeginn am 7. Juli mit neuer Inszenierung und unter der Regie von Karin Michl

Ausführlich widmete sich Männer den Rollen der Stadt, des Ensembles und des fünf Jahre später neu gegründeten Festspielvereins. Er streifte dabei ebenso den nicht unwichtigen Beitrag der Schirmherren sowie die Zwangspause durch die Corona-Pandemie. Letztere führe jetzt wieder zu einem kompletten Neubeginn – mit neuem Textbuch von Christina Fink und neuer Regie von Karin Michl.

Das „Verhältnis zu Tschechien und die Einordnung des Festspiels in den europäischen Kontext“ stellte Lothar Höher (CSU) in den Mittelpunkt seiner Festrede. Dabei stellte er Parallelen zur Zeit des Jan Hus und der Entwicklung in Tschechien im 20. Jahrhundert her. Sein Fazit: „Das Festspiel hat die Versöhnung der Deutschen mit den Tschechen befördert.“ Um dieses Verständnis noch weiter zu steigern, könnte er sich eine Übersetzung des Textes ins Tschechische vorstellen.

Ihre Wertschätzung für die Arbeit des Vereins drückten auch Bürgermeister Martin Birner (CSU) und stellvertretender Landrat Richard Tischler (FW) aus.

Diese Mitglieder wurden für langjährige Treue geehrt

Ehrennadeln als Dank für die langjährige Vereinsmitgliedschaft gingen an Madeleine Birner, Alexander Trinkmann und Konrad Zimmermann für fünf Jahre, Manuela Gleixner (15 Jahre), Stefan Sorgenfrei und Christian Voith für 25Jahre sowie Gerhard Raab für 30Jahre. Ein besonderer Dank galt Hans-Werner Habel, der als Festspielleiter seit 29 Jahren agiert. Der Abend klang gemütlich im Burggarten aus.

Die Gruppe Sagensang aus Bamberg – Daniela Festi, Johanna Scharnick und Isabell Schaffner (v. r.) – begleitete den Festakt, und spielte beim anschließenden Fest in Burgarten zünftig auf.
Manuel Winkler, Vorsitzender des Festspielvereins (l.), überreichte ein Begleitpaket für die Premiere am 7. Juli an den ehemaligen Schirmherren Lothar Höher. Foto: Ralf Gohlke