Festspiel-Proben im Neunburg laufen wieder – Zuschauer dürfen sich auf Neuerungen freuen

Jetzt hallt „Jan a kalich!“, der Schlachtruf der Hussiten bei ihren Einfällen in die Oberpfalz um 1433, wieder durch den Burghof. Am Samstag begannen nach drei Jahren Zwangspause die Proben für die 38.Festspielsaison.
Ab der Premiere am Freitag, 7. Juli, werden die Zuschauer allerdings eine völlig neu überarbeitete Inszenierung des Festspiels „Vom Hussenkrieg“ erleben. Dafür verantwortlich zeichnen Regisseurin Karin Michl, Regieassistentin Verena Forster und Dramaturgin Christina Fink, alle drei erfahrene Theaterpädagoginnen.
Beim traditionellen Einführungsgespräch zur neuen Saison erinnerte Spielleiter Hans-Werner Havel daran, dass die Vorbereitungen für 2020 bereits abgeschlossen, wegen Corona aber keine Aufführungen mehr möglich waren. Das führte unter anderem zu der Situation, dass die neue Pfalzgräfin Julia Grund noch nie offiziell auf der Bühne gestanden habe.
Neun Personen spielen schon seit 1983 mit
mitDie Pandemie habe zudem für Lücken im Ensemble gesorgt. 33 Spieler seien ausgeschieden. Immerhin gehören nach wie vor neun Spieler zur „alten Garde“: Sie sind seit 1983 dabei. Mehr als 20 seien wieder hinzugekommen, davon sehr viele junge Leute.
Die Herausforderung für den Neustart lautete: „Es soll inhaltlich weitgehend bleiben, aber alles neu werden“, sagte Habel. Dazu gehöre unter anderem, dass nun auf vier, anstatt wie bisher auf drei Ebenen gespielt werde. Regisseurin Karin Michl ging auf die völlig neue Rahmenhandlung ein. Gespielt werde in zwei Zeiträumen, nämlich 1456 und in Rückblenden jeweils um 1433.
An die Stelle der Chronisten der vergangenen Versionen träten nun Vater und Sohn Zänger. Tristram Zänger, der überlebt hat, erklärt seinem Sohn, was sich seinerzeit ereignet habe und warum er in Neunburg immer noch als „Böhm“ diffamiert werde. In Rückblenden würde die Situation dann dargestellt.
Michl stellte heraus, wie wichtig ihr das Theaterhandwerk sei. Um entsprechende Grundlagen zu schaffen, seien bereits zwei Workshops mit bis zu fünf Stunden Dauer durchgeführt worden. Einen Schwerpunkt lege sie auf die Emotionen, die an das Publikum übertragen werden müssten. Dafür sei es wichtig, dass sich jeder Darsteller als Person wahrnehme.
So erhielten zum Beispiel alle einen Rollennamen, den sie selbst auswählen durften, anstelle der anonymen Bezeichnung wie etwa „Oberpfälzer Bogenschütze“ oder ähnlichem. Im Stück selbst tauchen diese Namen allerdings nie auf. Insgesamt gäbe es 36 Rollenänderungen und 20 ganz neue Parts. Zufrieden war Michl am Samstag mit der Premiere der Pferde vom Kollerhof. Sie müssten sich erst noch an die engen Räume vor der Bühne gewöhnen. Mit starkem Getrommel und Fanfaren hätten sie ihre erste „Lärmdusche“ erhalten, ohne jedoch nervös zu werden oder auszubrechen. Ganz neu aufgezogen werde unter anderem die Eröffnung mit einem Marktreiben mit echten Händlern, die auch beim Mittelaltermarkt dabei sein werden, oder einem Puppenspieler aus Regensburg.
Eine Fechtgruppe ist erstmals dabei
Fanfaren seien neu dabei, ebenso wie die Tanzgruppe, und ein kleiner Chor. Bei Kostüm und Maske gäbe es ebenfalls viel Neues zu entdecken. „Stolz sind wir auf unsere neu gegründete Fechtgruppe, die natürlich bei der Schlacht mitwirken wird“, ergänzte Vereinsvorsitzender Manuel Winkler.
Für alle Beteiligten wichtig sei, dass die Zahl der Aufführungen auf fünf begrenzt wurde. Fast jedes Wochenende stünden bis dahin Proben an und der Mittelaltermarkt mit Hussitenlager am Ende der Saison würde zusätzlich jeweils ein Woche für Auf- und Abbau erfordern.
„Nur wenn sich die Spieler wohlfühlen, können sie eine Leistung bringen, die das Publikum letztendlich begeistert“, lautete das Schlusswort von Karin Michl, bevor sie sich zusammen mit Christina Fink wieder unter die Hussiten mischte.


