Warum die Stadt Bad Kötzting Wahlhelfer sucht und das eine lohnenswerte Aufgabe ist

Von Stefan Weber · 30. April 2024 um 05:00

Wahlen sind nicht nur das Kennzeichen einer Demokratie, sondern auch ein Gut, das die Bürger schätzten sollten. Doch während so mancher bei der anstehenden Europawahl vielleicht noch überlegt, ob er seine Stimme überhaupt abgeben soll, oder ob das nicht schon „zu viel Arbeit“ ist, gibt es in jedem Ort Bürger, für die Wahlsonntage immer Arbeit bedeuten, und zwar als Wahlhelfer.

Eben solche freiwilligen Helfer sucht die Stadt gerade wieder und hat sich darum an die Öffentlichkeit gewandt. Noch gar nicht aus dem Grund, weil befürchtet wird, dass zur nächsten Wahl am 9. Juni zu wenige an die Urnen im Hotel zur Post oder zum Auszählen der Briefwahlbezirke ins Rathaus kommen könnten. „Aber wir haben schon einige Wahlhelfer, die das seit Jahrzehnten machen und verständlicherweise sagen, dass sie auch einmal aufhören wollen.“ Das sagt Linda Pregler, für die es die erste Wahl sein wird.

Zahl der Wahlhelfer reduziert

Nicht als Wählerin, aber als Wahlleiterin der Stadt Bad Kötzting. Sie hat diese Aufgabe von Karl-Heinz Lummer übernommen, der als Geschäftsführer der Stadt diese Aufgabe schon seit vielen Jahren übernommen hatte. Nachdem sich die Stadt in den vergangenen Jahren Stück für Stück von Wahllokalen getrennt hatte, in denen ohnehin sehr wenige Bürger an die Urnen kamen, sei der Bedarf allgemein zwar gesunken, weiß Pregler. Aber bei jeder Wahl werden die bisherigen Helfer aufs Neue angefragt, und nicht alle sind immer noch dazu bereit.

„Das bringt ja auch nichts, wenn jemand nicht will“, sagt Markus Zische. Der Jurist ist schon seit kurz nach seinem Abitur Wahlhelfer, und zwar aus Überzeugung. Schon 2002 hatte er in einer Heimatgemeinde Arrach erstmals beim Auszählen mitgeholfen. 2008 meldete er sich nach seinem Umzug in die Stadt per Mail bei Wahlleiter Lummer. „Einfach so, wenn mal jemand gebraucht würde“, sagt er.

Computer keine Alternative

Seitdem ist er bei jeder Wahl dabei, seit Jahren schon als Vorstand eines Briefwahl-Bezirkes. Warum er diese Aufgabe immer gerne übernimmt? „Weil Demokratie Wahlen braucht und dann eben auch Wahlhelfer“, sagt er. Dass Computer in absehbarer Zeit diese Aufgaben übernehmen, das sehe er noch nicht – hätte zwar den Vorteil, dass weniger oder fast keine Menschen mehr damit befasst wären, aber auch entscheidende Nachteile. „Das wirkt im 21. Jahrhundert zwar archaisch, macht die ganze Sache aber auch transparent“, sagt er.

Werte, die einmal in einen Computer eingegeben seien, die vollziehe niemand mehr so nach wie Zettel, die angefasst und nachgezählt oder auch auf ihre Richtigkeit überprüft werden könnten. „Das ist, wie in den Maschinenraum der Demokratie zu blicken“, beschreibt es Markus Ziesche. Für ihn seien „Wahlsonntage auch wirklich Wahlsonntage“, sagt er. Die verbringe er übrigens immer sehr gerne bei der Briefwahl – die Wahlurne besuche er nur, um persönlich seine Stimme abzugeben.

Denn während die Urnen-Wahl zwar viel schneller ausgezählt sei als die Briefwahl, da in Ersterer immer weniger Stimmzettel liegen, beginne sein Dienst nicht schon mit Öffnung der Wahllokale, sondern erst gegen 16 Uhr. Dann komme es nur noch auf die Wahl an, die ausgezählt werden müsse. Kommunalwahlen würden mit Scanner-Stift ausgezählt und seien auch ansonsten umfangreicher als etwa Landtagswahlen, bei denen Streichlisten geführt würden; Die Europawahl zum Einstieg könne er aber jedem empfehlen, da die mit am einfachsten auszuzählen sei – Bürgerentscheide seien eine ganz eigene Sache.

Langweilig werde es jedenfalls nicht, auch nicht nach über 20 Jahren als Wahlhelfer, sagt er. Sicher auch nicht am 9. Juni.

Rund um die Wahlhelfer

Wer?: Ab dem 16. Lebensjahr kann sich jeder bei der Stadt melden und Wahlhelfer werden.

Wie viele?: 56 Wahlhelfer braucht die Stadt bei jeder Wahl, egal welcher. Die teilen sich auf auf vier Urnen-Wahlen und vier Briefwahl-Bezirke. Dabei werden jeweils Vorstand und ein Stellvertreter, ein Schriftführer und ein Stellvertreter sowie drei Beisitzer benötigt, wobei die Größe der Wahlbezirke an sich keine Rolle spielt.

Entschädigung: Für die Hilfe beim Auszählen gibt es ein sogenanntes „Erfrischungsgeld“, das die Stadt mit 50 Euro pro Person festsetzt.

Wenn sich niemand meldet?: Theoretisch könnten Bürger sogar verpflichtet werden, bei der Wahl zu helfen – doch das ist etwas, das niemand will und was auch noch nicht notwendig geworden ist.

Melden: Wer Wahlhelfer werden will, kann sich bei der Stadt melden, und zwar noch bis Mitte Mai. Unvorbereitet muss auch niemand zu seiner ersten Wahl als Helfer gehen, es wird im Mai oder Juni noch eine rund zweistündige Schulung für all diejenigen geben, die sich neu in die Pflicht haben nehmen lassen.

Linda Pregler ist die Wahlleiterin der Stadt