Kein Neuling mehr: Martin Scharf aus Neunburg hat sich im Landtag eingearbeitet

Von Jan Lange · 28. April 2024 um 05:00

Gut fünf Monate musste Martin Scharf auf seine Premiere warten. Am 21. März war es soweit: Der Neunburger, der im vorigen Herbst neu in den Bayerischen Landtag gewählt wurde, hielt seine erste Rede im Plenum. Darauf hat er sich intensiv vorbereitet.

Drei Minuten und 49 Sekunden dauerte Scharfs Rede. Thema war die Einführung der Bezahlkarte für Asylbewerber. Er war der vorletzte Redner zu dem Dringlichkeitsantrag.

Der Neunburger ist es gewohnt, vor anderen Politikern zu sprechen. Seit mehr als 20Jahren sitzt er im Stadtrat seiner Heimatstadt. Auch dem Kreistag gehört er seit zehn Jahren an. Es sei aber etwas anderes, im Landtag aufzutreten, meint Scharf.

Zudem sei das Thema seiner Rede nicht alltäglich. Als Mitglied im Ausschuss für Verfassung, Recht, Parlamentsfragen und Integration lag es nahe, dass er dazu sprechen wird.

Dennoch sorgte ein besonderer Umstand dafür, dass er ausgewählt wurde. Eigentlich hätte sein Fraktionskollege Alexander Hold, der durch TV-Gerichtsshows bekannt wurde, gesprochen. Hold ist Sprecher für Migration, Asyl und Integration. Er ist aber schwer erkrankt und Scharf übernimmt Aufgaben von ihm. „Die Arbeit in München wird dadurch nicht weniger“, resümiert der Neunburger.

Unterstützung in der Kanzlei

Da kommt es ihm recht, dass mit Anja Weinfurtner eine neue Kollegin in seiner Kanzlei arbeitet. Sie nimmt ihm viel Arbeit ab. Dadurch könne er seine zeitlichen Prioritäten verschieben, sagt Scharf. War er vorher je zur Hälfte in der Kanzlei und im Landtag tätig, nimmt die Arbeit im Parlament nun mehr Zeit ein.

Auch im Wahlkreisbüro habe er mit Daniel Dickert einen sehr guten Mitarbeiter gefunden, sagt Scharf. Dickert hatte früher das Büro von MdL Joachim Hanisch geleitet. „Er kennt die Leute in München und weiß, an wen welche Anfragen gerichtet werden müssen“, so Scharf.

Um ihn einstellen zu können, brauchte er erst geeignete Büroräume. Und die seien nicht so leicht zu finden gewesen, sagt Scharf. Ihm war es wichtig, dass sich das Büro in Neunburg befindet, um kurze Wege in die Kanzlei und nach Hause zu haben. Und es sollte barrierefrei sein. Letzteres war bei vielen Standorten eine Hürde. In der Krankenhausstraße 1 fand er die passenden Räume. Zwar gibt es auch hier noch eine Stufe an der Eingangstür, aber die wolle der Vermieter noch entfernen.

Der Vertrag läuft seit Dezember, fertig eingerichtet ist das Büro aber noch nicht. An den Wänden fehlen noch Bilder. Auf der einen Seite sollen die Neunburger Motive hängen, darunter ein privates Bild von Scharfs Nepal-Aufenthalt, auf der anderen Seite wird künftig ein Bild vom Bayerischen Landtag platziert.

Gute Tipps von Joachim Hanisch

Nachdem klar war, dass er ins Maximilianeum einzieht, kontaktierte Scharf Joachim Hanisch, der von 2008 bis 2021 mit einer kurzen Unterbrechung dem Landtag angehörte. Er konnte ihm gute Tipps geben. Beraten hatte sich Scharf mit ihm auch zum Münchner Büro. Zur Auswahl standen der Wiener Platz und die Ismaninger Straße, die beide nur wenige Fußminuten vom Landtag entfernt sind. Hanisch empfahl ihm die Ismaninger Straße, weil er dort ebenfalls sein Büro hatte. Auch eine Schlafcouch steht im Büro. Denn eine Wohnung wollte sich Scharf in München nicht suchen und hätte sie wohl auch kaum gefunden.

Nach der Wahl stand die Verteilung der Ausschusssitze an. Ein Wunsch von Scharf war es, in den Europaausschuss zu kommen. Dabei spielte die Nähe seiner Heimatstadt zu Tschechien eine Rolle. Die Zusammenarbeit von Bayern mit Tschechien hält er für sehr wichtig. Dafür kann er sich nun einsetzen, denn den gewünschten Ausschusssitz bekam er.

Auf gleicher Ebene mit den langjährigen Abgeordneten

Die Arbeit in dem Gremium beschränkt sich aber nicht auf die Kooperation mit Tschechien. Jüngst waren die Ausschussmitglieder in Brüssel, wo laut Scharf viele interessante Gespräche geführt wurden. Mindestens einmal im Jahr werden sie in Brüssel weilen, sagt der 61-Jährige. Als nächstes steht aber eine Reise nach Prag an.

Mit den langjährigen Abgeordneten sei er sofort auf gleicher Ebene gewesen, meint Scharf. Dass er mit 60 Jahren ein Neuling war, ließ man ihn nicht spüren. Das galt auch für den Ausschuss für Verfassung, Recht, Parlamentsfragen und Integration. Mit Alexander Hold, der dem Landtag seit 2018 angehört, sei die Zusammenarbeit von Anfang an sehr gut gewesen. Dabei war der Verfassungsausschuss nicht Scharfs erste Wahl. Er wollte in den Bildungsausschuss, ließ dann aber den vielen Lehrern in seiner Fraktion den Vortritt. Und auch mit dem Ausschuss für kommunale Fragen und Innere Sicherheit klappte es nicht. Der wurde von den Freien Wähler eher besetzt mit früheren Bürgermeistern und Landräten, die ebenfalls zahlreich in der Fraktion vertreten sind. „Man muss die Ausschüsse mit den Leuten besetzen, welche die beste Erfahrung mitbringen“, findet Scharf.

80 bis 90 Termine im Monat

Die Arbeit in München ist nur die eine Seite als MdL. Hinzu kommt die Tätigkeit im Stimmkreis. Und da ist Scharf vielerorts präsent. Allein im März absolvierte er 90 Termine in seiner Heimat. Um die 80 Termine sind es jeden Monat. Dazu gehören auch die Antrittsbesuche bei den 33 Bürgermeistern im Landkreis Schwandorf. Nach seiner Wahl versprach er, alle zu besuchen. Nach sechs Monaten hat er gut die Hälfte geschafft. „Ich habe mir tatsächlich vorgestellt, dass ich es schneller schaffe“, sagt er. Auch der Antrittsbesuch bei Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) steht noch aus. Den will er aber auf jeden Fall machen, auch wenn er Birner seit Jahrzehnten kennt und mit ihm im Stadt- und Kreistag zusammenarbeitet.

Mehr als 100 Bürgeranfragen erreichten ihn seit Oktober. Dazu gehören nicht nur politische Fragen. Scharf hat auch fünf Anfragen wegen Autogrammkarten erhalten. „Jeder kriegt eine Antwort“, verspricht er.

Die Hälfte der Ferien gehört seiner Frau

Zeit für seine Frau muss weiter bleiben. So verbrachte er die Osterfeiertage mit seiner Gattin in Rom. Sie schenkte ihm zum 60.Geburtstag eine Städtereise, die sie in die italienische Hauptstadt führte. Die Entscheidung für Rom sei sehr kurzfristig gefallen, erzählt Scharf. Er wollte eigentlich immer mal nach Istanbul, aber daraus wurde nun nichts. Und so fragte er seine Frau, was sie sich noch vorstellen könnte. So fiel die Wahl auf Italiens Hauptstadt.

Neben der Sixtinischen Kapelle war eine Stippvisite im Vatikan Pflicht. So waren sie bei der Fußwaschung am Gründonnerstag im Petersdom dabei und verfolgten auch die große Ostermesse am Sonntag. „Die Hälfte der Ferien gehört immer meiner Frau“, versichert Scharf.

Martin Scharf gehört den Ausschüssen für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Verfassung, Recht, Parlamentsfragen und Integration an. Foto: Scharf
Der Europaausschuss weilte schon in Brüssel, als nächstes steht eine Reise nach Prag auf dem Programm. Foto: Scharf
Vor Kurzem hielt der Neunburger seine erste Rede im Plenum. Foto: Scharf
Zu Ostern war der 61-Jährige mit seiner Frau in Italiens Hauptstadt Rom und kam dabei dem Papst sehr nah. Foto: Scharf
Auch einen Kollegen als Schriftführer musste er bereits vertreten. Die Sitzung wurde von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (r.) geleitet. Foto: Scharf
Ein Bild von seinem Nepal-Aufenthalt soll künftig in seinem Wahlkreisbüro in der Krankenhausstraße 1 in Neunburg hängen. Foto: Scharf