Ein „historischer Moment“ für die ehemalige Berufsschule in Bad Kötzting

Von Stefan Weber · 26. April 2024 um 05:00

Wie sich die Zeiten ändern können: Noch im Januar 2009 gab es einen Stadtrat in Bad Kötzting, dem auch der heutige Bürgermeister Markus Hofmann schon angehört hatte, und der sich vehement für den Erhalt des Standortes der Berufsschule an der Landshuter Straße ausgesprochen hatte. Heute wird die ungewollte Entwicklung positiv gesehen.

Befürchtet wurden nicht nur sinkende Zahlen an Berufsschülern, sondern auch ein Leerstand im Gebäude, das dem Landkreis gehört. 15 Jahre später steht der Bürgermeister und Kreisrat Markus Hofmann im ehemaligen Werkraum und muss sagen: „Es ist etwas ganz Tolles hier entstanden.“

Das Stadtoberhaupt sah gar einen „historischen Moment“ in den Räumen der ehemaligen Berufsschule, die nun bis auf wenige Quadratmeter komplett mit neuem Leben gefüllt und saniert sei. Darüber sei die Stadt nach den Diskussionen im Vorfeld der Schließung der Außenstelle der Berufsschule im Landkreis Cham sehr froh, denn „klar war das damals nicht, aber jetzt wissen wir: Es war die richtige Entscheidung“.

Nachnutzung ist perfekt

Vier Gebäude umfasst der Komplex an der Landshuter Straße, in dem sowohl die Technische Hochschule Deggendorf als auch die Gesundheitsregion plus sowie – als flächenmäßig größter Einzelnutzer – die Volkshochschule im Landkreis Cham mit der Tourismusakademie Ostbayern und der Berufsfachschule für Pflege und Altenpflege eine Heimat gefunden haben. Letztere hatte bereits 2018 den Antrag gestellt, in den Räume der ehemaligen Schlosser-Werkstatt einen Bewegungsraum einrichten zu dürfen. „Wir dachten – zugegeben etwas naiv – dass das gleich mit den laufenden Sanierungsarbeiten erledigt werden könnte“, erinnerte sich Schulleiterin Anneliese Schmuderer beim Besuch der Kreisräte, die nun nach Abschluss der Arbeiten zur Besichtigung in Bad Kötzting vorbeigekommen waren. Zuvor waren allerdings erst noch die darüberliegenden Räume in ein Parkdeck mit 16 Stellplätzen umgebaut worden. Wie Christoph Serwuschok, Leiter Hochbau und Gebäudemanagement am Landkreis Cham, erklärte, seien damit „alle früheren Berufsschulgebäude einer Nachnutzung im Bereich des Gesundheitswesens zugeführt“. Das habe sich der Landkreis übrigens ganze 350000 Euro kosten lassen.

Und das ist eben genau der Umstand, den auch der Bürgermeister der Stadt Bad Kötzting, die sich ja auf die Fahnen geschrieben hat, zum Zentrum der Gesundheits-Vorsorgen im Landkreis werden zu wollen, als positive Entwicklung auch für das Gebäude bezeichnet. Darüber hinaus sei es in diesen Tagen nicht mehr so, dass die Stadt Leerstände fürchte wie vor 15 Jahren, ganz im Gegenteil. Dadurch, dass die Vhs nun einen eigenen Bewegungsraum erhalten hat, könne sie den bisher genutzten Spiegelsaal im Haus der Begegnung auf dem BZ Alte Kaserne am Zeltendorfer Weg wieder der Stadt überlassen, die den Platz selbst gut gebrauchen könne.

SVE benötigte Platz

Denn die Schulvorbereitende Einrichtung (SVE), die am Kinderhaus Bad Kötzting am Spitalplatz untergebracht ist, könne so bereits an Pfingsten in das Haus der Begegnung umziehen. Das müsse sie auch, da am Kinderhaus sonst massiv in zusätzliche Brandschutz-Maßnahmen hätte investiert werden müssen. Geld, das sich die Stadt nun sparen könne, da ihr die Räume im Haus der Begegnung ja bereits gehörten. Die SVE werde übrigens nicht in den Spiegelsaal umziehen, sondern andere Räume im Gebäude beziehen, erklärt Bürgermeister Markus Hofmann auf Nachfrage unserer Zeitung. Den bisher von der Vhs als Spiegelsaal genutzten Raum werde die Arche Noah, die Kinderkrippe und -garten im Gebäude unterhält, als Raum für zusätzliche Angebote anmieten.

Mit dem anstehenden Wechsel seien nicht nur alle Räume an der ehemaligen Berufsschule belegt, sondern auch die Einrichtungen der Stadt und die der Volkshochschule jeweils unter einem Dach – und das sei eine weiterer positiver Aspekt dieses „historischen Moments“, so der Bürgermeister.

So sahen die Räume, die nun als Bewegungsraum genutzt werden, vor Beginn der Umbauarbeiten noch aus. Fotos: S. Weber