Neuer Stadtteil am Flugfeld in Neumarkt: Autos werden doch nicht ganz verbannt

Von Eva Gaupp · 25. April 2024 um 17:00

Nach vier Jahren Planung, Ideenwerkstätten mit Bürgern und zahlreichen Sitzungen hat der Neumarkter Stadtrat einstimmig den Entwurf für den neuen Stadtteil am Flugfeld abgesegnet. Er sieht viel Grün, Gewerbe, Wohnen sowie Platz für Tiny Häuser vor – ist aber nicht autofrei.

„Der Mensch ist das Wichtigste“ lautete das Motto des Konzepts, das die Neumarkter Bürger und Kommunalpolitiker vor vier Jahren aus fünf Varianten ausgewählt hatten. Dieses haben die Städteplaner der dänischen und Nürnberger Büros Gehl und Vogelsang nun bis ins Detail ausgearbeitet.

Fläche des Neumarkter Flugplatzes misst 60 Hektar

Der Rahmenplan sieht genau vor, wo Straßen, Plätze, Parks sowie dichte und offene Bebauung vorgesehen ist. Er bildet die Grundlage für alle künftigen Entscheidungen für die Gestaltung und Bebauung des rund 60 Hektar großen Areals.

Die Stadträte wie auch Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn zeigten sich sehr angetan von dem Werk, das ihnen Kristina Vogelsang erläuterte. Da der Stadt aber lediglich ein Teil der Grundstücke gehört, gelte es nun, das Gespräch mit den anderen Eigentümern zu suchen. Nur wenn diese einverstanden sind, lässt sich das Projekt realisieren.

Weil die Fläche zu groß ist, um sie auf einmal zu bebauen, soll das Areal in sieben bis neun Abschnitten entwickelt werden, sagte Ochsenkühn. Und es werde sicher nicht an der Landebahn begonnen, so dass der Flugsportverein möglichst lange noch den Flugplatz nutzen könne, versprach er auf Nachfrage von CSU-Stadtrat Peter Ehrensberger.

Diese Grafik zeigt, wo welche Art der Bebauung und welche Grünzonen geplant sind:

Etwa 1830 Wohneinheiten könnten in den Reihen-, Mehrfamilien, Tiny-, Apartment- und Einfamilienhäusern entstehen, führte Vogelsang an. Wohnraum für etwa 3600 Menschen. Allerdings schränkten sie und der Leiter des Stadtplanungsamts, Christopher Härtl, ein, dass die skandinavischen Architekten grundsätzlich etwas dichter planten und es deshalb wohl eher weniger Menschen würden.

Einfamilienhäuser haben separate Garage

Sigrid Steinbauer-Erler (Grüne) hakte nach, warum der Stadtteil nun doch nicht autofrei sei. Tatsächlich habe man das zu Beginn beabsichtigt, bestätigte UPW-Kollege Rudi Bayerl. Jedoch sei bei den Bürgerkonferenzen und im Zuge der Planungen sehr schnell deutlich geworden, dass sich das nicht realisieren lasse. Jetzt sei das Viertel „autoarm“, versicherte Stadtbaumeister Matthias Seemann. Dafür sorgten die Quartiersgaragen sowie Tiefgaragen. Lediglich die Bewohner der Einfamilienhäuser dürften Einzelgaragen auf ihrem Grundstück bauen.

Wer solle die notwendigen Tiefgaragen finanzieren, wenn diese Grundstücke doch meist einzeln verkauft würden, sagte Diplomingenieurin Kristina Vogelsang. Und Seemann ergänzte, es sei unrealistisch, dass diese Bewohner 500 Meter weit zur nächsten Sammelgarage liefen. Trotzdem werde es keinen Parkverkehr auf öffentlichen Straßen und wegen geben, versprach Vogelsang.

Darüber hinaus sei das Wegesystem so angelegt, dass Fußgänger, Radfahrer und Autos gleichberechtigt nebeneinander existierten. „Je kürzer und attraktiver man die Wege für Radfahrer und Fußgänger macht, desto eher bleibt das Auto stehen“, sagte Vogelsang. Darüber hinaus sei am Rand des Stadtteils am Bahngleis ein zusätzliche Bahn-Halt angedacht.

Die Parkgaragen für rund 230 Fahrzeuge seien zwar mehrstöckig, böten im Erdgeschoss jedoch Platz für Kleingewerbe oder Gastronomie. Überdies könnten die Dächer begrünt und vielfältig genutzt werden.

Wohnen am Park mitten in Neumarkt

Der frühere Verkehrsreferent Jakob Bierschneider (UPW) mahnte an, den Busverkehr nicht zu vergessen und Franz Düring wünschte sich, dass die Wohnungen auch bezahlbar blieben.

„Das Quartier soll ein Ort zum Leben sein, nicht nur zum Wohnen“, sagte Vogelsang. Deshalb werde trotz der großen Einwohnerdichte vergleichsweise wenig Fläche versiegelt. Die kreisförmigen Parkanlagen böten maximal Platz, um Häuser rund herum mit Blick ins Grüne zu errichten. Und als identitätsstiftendes Element bleibe die Landebahn erhalten. Es gebe Grün für die Natur und Grün für die Menschen. Ein Konzept, das Peter Grewe „gigantisch“ nannte.

Auch für Tiere und Insekten soll künftig noch Platz auf dem Flugfeld sein. Derzeit befindet sich hier ein Biotop. Foto: Eva Gaupp
Christopher Härtl, der Leiter des Stadtplanungsamts in Neumarkt, stellte bei einer Bürgeraktion die Ideen für das Flugfeld vor. Foto: Peter Romir
Hangar und Tower sollen bestehen und in das neue Stadtviertel integriert werden. Foto: Wolfgang Endlein