Es tut sich was beim Rathaus-Neubau: Schierling wagt nächsten Schritt

Von Michael Sperger · 24. April 2024 um 15:00

Der Markt Schierling treibt die Planungen für sein neues Rathaus voran. Der Gemeinderat beschloss nun, die Architekten mit der Entwurfsplanung zu beauftragen und dem Stillstand um das Projekt nach über einem Jahr ein Ende zu setzen. Wie entwickeln sich die Kosten für das Mammut-Vorhaben?

„Mit dieser Entscheidung haben wir eine wichtige Botschaft an die Mitarbeiter im Rathaus gesendet“, freute sich Bürgermeister Christian Kiendl. Diese hätten ein Recht auf ein funktionales, modernes Haus.

Bereits vor knapp einem Jahr hatte dieser Planungsschritt im Gremium zur Debatte gestanden, war dann aber vertagt worden, weil es zu keiner Einigung gekommen war. „Wir haben alle Aufgaben erledigt, die das Gremium der Verwaltung mit auf den Weg gegeben hat“, betonte Kiendl nun. So habe die Verwaltung den Siegerentwurf des Büros Code Unique-Architekten nochmals überprüft. „Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Projekt die Ortsmitte stärken und dass dieser der wirtschaftlichste Entwurf ist“, sagte der Bürgermeister.

Bürgermeister Kiendl: Keine Wasserhähne aus Gold

Aus den bei der ersten Schätzung kalkulierten Kosten von 6,5 Millionen Euro wurden Ende 2022 etwa 10,4 Millionen Euro. „Der Grund für die Kostenmehrung ist nicht, dass wir goldene Wasserhähne wollen“, betonte Kiendl. Vielmehr seien Materialknappheit, höhere Kreditzinsen und gestiegene Energiepreise der Auslöser.

Doch die Summen, die weiterhin nur grob geschätzt sind, gleichen einem Blick in die Glaskugel. So kann man in Schierling aktuell nur spekulieren, ob sich die Kosten für das Projekt doch noch senken lassen – oder vielleicht sogar weiter steigen. Die Entwurfsplanung soll nun Klarheit geben, wie viel Geld der Neubau wirklich kosten wird. Dabei geht es unter anderem um die Frage nach den Baustoffen und Bauweisen. Die Schierlinger wollen sich die Möglichkeit, Holz bei dem Projekt zu nutzen, offen halten. Auf den Markt kommen mit der Entwurfsplanung Architektenkosten im sechsstelligen Eurobereich zu. In etwa einem Dreivierteljahr dürften dann die Ergebnisse vorliegen, erklärte Pressesprecherin Nadine Niebauer auf Nachfrage. „Wenn es komplett in die falsche Richtung geht, müssen wir uns über Alternativen unterhalten“, befand Andreas Komes (CSU). Dafür brauche es aber möglichst bald Klarheit bei den Kosten für das Projekt. „Ich will, dass es endlich weitergeht“, sagte auch Marktgemeinderat Josef Röhrl.

Schierling „auf dem Weg in eine Sackgasse“?

Im Gremium gab es aber auch Kritik am Mammut-Projekt. „Wir sind auf dem Weg in eine Sackgasse“, sagte Markus Schinhanl (Freie Wähler). Mit jedem weiteren Schritt der Planung fahre man sich in Richtung des aktuellen Entwurfs fest. „Gibt es nicht noch einen anderen Weg?“

Claudia Buchner (Bürgerliste) betonte, dass sie nicht ohne Bauchweh zustimmen könne und den nächsten Planungsschritt deswegen ablehne. Am Ende beschloss der Marktgemeinderat die Beauftragung der nächsten Leistungsphase mit sechs Gegenstimmen.

Auch der Finanzplan des Markts mit Investitionsprogramm bis 2027 wurde in der Sitzung durchgewunken – allerdings mit deutlichem Gegenwind und Gegenstimmen (12 zu 9). Viel Kritik gab es auch hier am Rathaus-Neubau und vor allem dessen Abwicklung. Zwischen Markt und Kommunalunternehmen besteht ein Generalübernehmervertrag. Damit wurde der Neubau des Rathaus-Gebäudes formell an das Unternehmen übertragen. Der Markt will nach Fertigstellung die Kosten in einem Zeitraum von etwa 30Jahren refinanzieren. Die Opposition bemängelt fehlende Transparenz.

Wie finanziert Schierling den Rathaus-Neubau?

Für den Neubau des Rathauses hat der Markt aktuell 2,4 Millionen Euro an Rücklagen angespart. „Ich sehe noch zu viele ungeklärte Fragen“, sagte Andreas Ertl von den Freien Wählern in seiner Haushaltsrede. Auch Florian Paulik kritisierte die Durchführung durch das Kommunalunternehmen.

Große Projekte des Markts sind neben dem Rathaus-Neubau die Erweiterung der Schule mit Anbau einer Mensa und der offenen Ganztagsbetreuung, der Neubau einer Kindertageseinrichtung sowie weitere Investitionen in die Abwasserbeseitigung. „Wir dürfen es nicht beim bloßen Verwalten des Status Quo belassen, sondern müssen konstruktiv gestalten“, forderte Bürgermeister Kiendl.

Haushalt 2024: Schierling muss sparen und nimmt Kredit auf

Der Schierlinger Marktgemeinderat hat den Haushalt für das laufende Jahr mit einer Gegenstimme verabschiedet. Der Gesamthaushalt liegt mit 26280205 Euro etwas unter dem Niveau des Vorjahres. Der Markt nimmt einen Kredit auf: 270000 Euro werden für die Planungskosten des Schulanbaus benötigt, 750000 Euro für die allgemeine Deckung des Haushalts. Zum Ende des Jahres wird der Stand der Verbindlichkeiten 7,59Millionen Euro betragen. Gut 1,9Millionen Euro fließen in den Vermögenshaushalt.

„Das vorliegende Werk löst nicht alle Probleme und Themen unserer Gemeinde“, sagte Bürgermeister Christian Kiendl in seiner Haushaltsrede. Aber es sei der Zukunftsplan für einen lebenswerten Markt Schierling. „Wir halten unsere Versprechen, auch wenn da und dort auch wegen der Finanzen der ursprünglich gedachte Zeitplan nicht ganz eingehalten werden kann“, sagte der Bürgermeister.

Lob für den Haushalt gab es von der CSU-Fraktion. „Jeder konnte im Vorfeld seine Ideen einbringen“, sagte Andreas Komes. Besonders die Kreisumlage stelle den Markt vor Herausforderungen.

„Es ist schwer, einen sparsamen Haushalt zu erstellen“, bestätigte auch Florian Paulik (Bürgerliste). Jetzt gelte es nach Jahren ambitionierter Ausgabenpolitik, den Gürtel enger zu schnallen. „Das Wachstum ist auch im Markt Schierling nicht unendlich.“

Die Freien Wähler nannten den Haushalt „solide und bodenständig“. Andreas Ertl ging in seiner Rede auf die zahlreichen Herausforderungen für die Gemeinde in der Zukunft ein.

Als Einziger lehnte der fraktionslose Josef Röhrl den Haushalt ab. „Ich sehe nichts, das sich seit 2023 zum Positiven geändert hat“, sagte er. Die Schulden seien nicht weniger geworden, der Markt zeige zudem weiter nur Interesse an seinen „Prestige-Objekten“.