Gestiegene Kosten, wenig Alternativen: Rathaus-Neubau in Schierling auf dem Prüfstand

Von Michael Sperger · 19. April 2024 um 12:00

Nach über einem Jahr des Stillstands könnte nun wieder Schwung in den Neubau des Schierlinger Rathauses kommen. Am Dienstag berät der Marktgemeinderat im Rahmen seiner Haushaltssitzung darüber, den Auftrag zum nächsten Planungsschritt zu erteilen. Doch die geschätzten Kosten des Projekts von 10,4 Millionen Euro bleiben ein Hindernis – und sind manchem Kommunalpolitiker ein Dorn im Auge.

Man habe über einige Monate mögliche Einsparungen beim neuen Rathaus geprüft, erklärte der Markt in einer Pressemitteilung. Die Wirtschaftlichkeit des Siegerentwurfs sei nochmals begutachtet und hinterfragt worden. Am Ende habe sich herausgestellt, dass dieser bisherige Entwurf der wirtschaftlichste sei.

Das Büro Code Unique-Architekten aus Dresden hatte bei einem Wettbewerb, den der Markt Schierling bereits 2021 durchgeführt hatte, einstimmig den Zuschlag für den Rathaus-Neubau erhalten. Der Entwurf: ein würfelförmiger Bau, vier Stockwerke und geschosshohe Fenster. Aus den ursprünglich kalkulierten Kosten von 6,5 Millionen Euro wurden aufgrund der Materialknappheit, höherer Kreditzinsen und gestiegener Energiepreise etwa 10,4 Millionen Euro. Bürgermeister Christian Kiendl (CSU) und der Marktgemeinderat beschlossen, das Projekt erst mal ruhen zu lassen.

Nächster Planungsschritt beim Rathaus Schierling?

Die Schierlinger hofften, dass sich die Baupreise und die Zinslage wieder entspannen würden. Ob sich die Kosten für den Neubau nun wirklich signifikant reduzieren lassen, ist unwahrscheinlich. Erst wenn der Marktgemeinderat die Entwurfsplanung – die Leistungsphase drei der Architektenleistung – in Auftrag gegeben hat, kann mit detaillierteren Kosten gerechnet werden. In diesem Schritt geht es unter anderem um die Frage nach den Baustoffen und Bauweisen. „Die Wirtschaft im Hochbau hat sich stabilisiert. Wir hoffen, dass wir jetzt einen günstigen Zeitpunkt erwischen, um die Planungen fortzuführen“, sagt Manuel Kammermeier, Geschäftsführer des Markts Schierling.

Im Marktgemeinderat ist längst nicht jeder von der Umsetzung des Millionen-Projekts überzeugt. „Für Schierling ist das ein großer Batzen Geld“, sagt Wilfried Hausler, Vorsitzender der Freien Wähler. Deshalb habe seine Fraktion ein Problem mit dem Neubau. „Wir befürchten, dass andere wichtige Vorhaben aufgeschoben oder gestrichen werden müssen“, sagt Hausler. So sei der Markt finanziell schon durch Schul-Anbau und Kinderbetreuung gefordert. „Deshalb haben wir als Fraktion Bauchweh beim Projekt Rathaus-Neubau“, erklärt Hausler.

Bei der Bürgerliste Schierling, die mit vier Markträten im Gremium vertreten ist, hat man sich noch nicht abschließend zum Thema positioniert. „Dass wir ein neues Rathaus brauchen, ist klar. Ob wir es uns leisten können, ist eine andere Frage“, sagt Claudia Buchner, dritte Bürgermeisterin. Die Bürgerliste werde sich am Wochenende erst noch kurzfristig bei einer Fraktionssitzung beraten, wie man mit diesem Thema in der Sitzung am Dienstag umgeht.

Bei der CSU weist man auf die angespannte Haushaltslage hin. „Wir müssen den Mut haben, auch die Alternativen zu prüfen“, sagt Ortsvorsitzender Andreas Komes. Trotzdem ist er dafür, den nächsten Planungsschritt zu beauftragen. „Wir brauchen Klarheit bei den Kosten“, sagt Komes.

Wenig Einsparpotenzial beim Rathaus-Neubau in Schierling

Die Verwaltung versuchte zuletzt, bei dem Projekt Einsparmöglichkeiten zu finden. So wurden Ideen geprüft, etwa, das Gebäude insgesamt oder das Treppenhaus kleiner werden zu lassen, oder gar auf ein Stockwerk zu verzichten. Die Architekten bezifferten laut Pressemitteilung des Markts das Einsparpotenzial als eher gering. Bei einer Verkleinerung um eineinhalb Meter würde man sich etwa zwei Prozent sparen, so die Schätzung. Der Grund: Die Kosten für die Technik – Heizung, Lüftung, Elektroversorgung, Toiletten und mehr – würden trotzdem gleich bleiben. „Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass auf die Gemeinden immer mehr Aufgaben zukommen und Schierling weiterhin wachsen wird“, sagt Bürgermeister Kiendl. Deshalb sei es nicht sinnvoll, ein Stockwerk entfallen zu lassen. Denn das hieße, auf die öffentlichen Toiletten, den Sitzungssaal und andere Flächen zu verzichten. Jetzt schon zu klein zu bauen, sei nicht zu verantworten, so der Tenor.

Kiendl bat die Mitglieder des Marktgemeinderates im Rahmen eines Workshops, den Architekten für die Weiterführung des Projekts den weiteren Auftrag zu erteilen, der dann genauere Kosten auf den Tisch bringt. Die Honorare für die Planer für diesen Schritt kann man laut Auskunft des Markts Schierling aktuell noch nicht genau beziffern. Sie würden aber wohl mehrere Hunderttausend Euro kosten. „Dieser Beschluss ist ein entscheidender Schritt für das Rathaus-Projekt“, sagt Kammermeier. Der Geschäftsführer sieht den Neubau weiter als sinnvoll. „Wir haben einen guten Entwurf, der auch wirtschaftlich ist. Deshalb hoffen wir, dass es nun mit den Planungen weitergehen kann.“

Schierling: Marktgemeinderat berät über Haushalt

Der Marktgemeinderat trifft sich am Dienstag zur Haushaltssitzung. Los geht es in der Aula der Grund- und Mittelschule um 19 Uhr. Auf dem Programm stehen neben Haushalt und Investitionsplan auch der Wirtschaftsplan für das Kommunalunternehmen. Neben dem Rathausneubau wird zudem über Zuschüsse für Feuerwehr und Ministranten beratschlagt.

Die Architekten erklärten in einem Workshop den Entwurf. Foto: Niebauer