Wann kommt der Bus? Ein Blick am Bushalt soll künftig genügen

Etwas Großstadtatmosphäre hat sich der Landkreis gemeinsam mit einigen Kommunen geleistet – und das zum Wohle der Chamer Fahrgäste des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) – digitale Fahrzielanzeiger. Die Fahrgäste können bald an 13 Stellen im Landkreis sehen, ob ihr Bus pünktlich ankommt oder nicht – unter anderem am Floßhafen in Cham. Und auch die Bahn soll besser werden.
Istzeit-Daten ablesbar
Der Omnibusbahnhof am Floßhafen war am Dienstag Ziel des Bau- und Verkehrsausschusses des Landkreises unter Leitung von Landrat Franz Löffler und auch von Chams Bürgermeister Martin Stoiber, um sich einen solchen digitalen Anzeiger an Bahnsteig 5 anzuschauen. Wie etwa bei U-Bahnen oder S-Bahnen in Großstädten sind auch hier Istzeit-Daten für alle Busbewegungen zu sehen.
Das heißt, der Fahrgast weiß entweder, zu welcher Uhrzeit der gesuchte Bus dort hält, wo man gerade steht, oder die genauen Minuten werden angezeigt, bis er vorfährt. Beides ist möglich, da die Busse über Transponder und Funk mit den digitalen Anzeigen verbunden sind und Signale senden. „Für die Bürger ist das wichtig!“, so Landrat Löffler. Ein modernes ÖPNV-System brauche solche Dinge mit aktuellen zeitgenauen Echtzeit-Anzeigen.
Wobei das nur funktioniere, wenn die digitale Infrastruktur vorhanden sei. ÖPNV-Sachbearbeiter Thomas Ederer berichtete von Startschwierigkeiten, die jedoch gemeistert worden seien. Noch nicht entscheiden sei, ob man die Minuten bis zur Ankunft anzeige oder die genaue Uhrzeit. Die Laufleiste unterhalb der ÖPNV-Angaben stehe zur freien Verfügung.
Am Dienstag lief dort ein Willkommensgruß an den Ausschuss. „Wir haben es in der Hand, was da läuft!“, so Ederer. Der Aufbau der 13 Anzeigebildschirme koste knapp 197000 Euro – 75 Prozent davon würden gefördert.
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Die Restkosten übernähmen der Landkreis und die beteiligten Gemeinden. Die Installation sei auch ein Musterbeispiel, wie gemeinsam innovative Projekte angegangen werden könnten, so Ederer. Rodings Bürgermeisterin Alexandra Riedl lobte die Installation solcher Anzeigen und sagte, sie hoffe, dass das dann auch so auf dem Handy zu sehen sei.
Verbessert werden sollen auch die Bahnverbindungen, mit dem Ziel, einen Stundentakt der Verbindungen einhalten zu können. Dabei gehe es zunächst um die Strecke Cham-Bad Kötzting. Zwischen Bad Kötzting und Lam sei das bereits durch Umbauten möglich, zwischen Cham und Bad Kötzting fehlen laut Ederer dreieinhalb Minuten. Doch die Planungen, um auch hier einen Stundentakt einhalten zu können , seien weit fortgeschritten. Hürden sind die teils ungesicherten Bahnübergänge, die nun angegangen würden.
Übergänge sicherer machen
Die schaute sich der Ausschuss an, wie etwa die laut Eder bislang gefährliche Doppelquerung von Straße und Bahn in Niederrunding, wo schon mehrfach Unfälle passiert sind. Hier soll die Gemeindestraße nach Jahren der Diskussion hinter die vorhandenen Anwesen und durch den Parkplatz der AZ-Formenbau verlegt werden. In Miltach soll für den gesicherten Übergang beim Kindergarten ein Ersatz gebaut werden.
Wie genau der aussehen soll, wird noch diskutiert. In Pulling sind gleich vier ungesicherte Bahnübergänge hintereinander – da hier der Zug besonders langsam fahren müsse und somit viel Zeit verloren gehe, sei hier eine Lösung nötig. Für den Individualverkehr werde ein Übergang gebaut, für den Wanderweg eine Unterführung. Die anderen beiden würden offen bleiben, so Thomas Ederer.
Investieren wird der Landkreis auch in den Ausbau des Bahnhalts in Waffenbrunn, wie der Ausschuss beschloss. Es gehe darum, den Weg zur Bahn zu verbessern und sicherer zu machen, um den Unmut der Eltern über den nach ihrer Meinung gefährlichen Weg zu besänftigen, erläuterte Ederer das Vorhaben, das von den Gemeinden Willmering und Waffenbrunn durchgeführt wird und nun eine Förderung des Landkreises von 4000 Euro bekommt.
Hier werde die Bahnbeförderung seit 2019 priorisiert – vorher gab es eine Wahlfreiheit für Schüler für die Fahrten nach Waldmünchen oder Cham zwischen Bus oder Bahn. Nach komplizierten Grundstücksplanungen mit der Bahn wird nun das Gehwegnetz als unbefestigte Bankettverbreiterung geschlossen und somit sicherer gemacht. Das werde auch die Attraktivität der Bahn dort steigern, so Ederer.
Neuer Radweg Strahlfeld-Pösing
Eine weitere Lücke im Radwegenetz will der Landkreis gemeinsam mit zwei Kommunen schließen: ein kombinierter Rad- und Gehweg soll von Strahlfeld ausgehend über Langwald bis Pösing gebaut werden. Das hat der Kreisausschuss für Bau und Verkehr am Dienstag in öffentlicher Sitzung im Gasthaus Jäger in Michelsneukirchen beschlossen.
Im Bereich Strahlfeld wird der Radweg entlang der Kreisstraße führen. Bei der Einmündung Strahlfeld soll eine Überquerungshilfe für Radler und eine kurze Linksabbiegespur gebaut werden. Zunächst führt er weiter entlang der Kreisstraße CHA30, dann geht es über ausgebaute Feldwege bis Langwald. Hier wird der Trampelpfad entlang der Kreisstraße ertüchtigt.
Richtung Pösing wird der bestehende Gehweg zum Geh- und Radweg in einer Breite von 2,50 Metern ausgebaut. Insgesamt hat der Lückenschluss eine Länge von 3,5 Kilometern. Die Maßnahme sei eine Fortführung des 2018 gebauten Radwegeprojekts zwischen Strahlfeld und Oberkreith, stellte Bauamtsmitarbeiter Thomas Böhm dem Ausschuss vor. Die Planung sei bereits vergeben, es werde mit einer Umsetzung im kommenden Jahr gerechnet.
Bis 30. August müsste die Planung eingereicht sein, sagte der Kreiskämmerer Simon Wagner zum weiteren Vorgehen. 75 Prozent Förderung seien möglich – die Gelder sollten im Haushalt 2025 dargestellt werden. Die Kosten selbst werden zwischen den Kommunen und dem Landkreis im Verhältnis 60:40 geteilt. Zwar seien die Kommunen grundsätzlich zuständig, so Thomas Böhm.
Doch da der Radweg durch den Anschluss ans Radwegenetz des Landkreises auch überörtliche Bedeutung habe, sei eine finanzielle Beteiligung des Landkreises möglich. Rodings Bürgermeisterin Alexandra Riedl begrüßte die Planungen. Es sei im Vorfeld schon mit Eigentümern gesprochen worden, um die Bereitschaft eines Grundverkaufs für den Bau zu klären, sagte sie.
Kritik des Landrats an Berlin-Plan
In der Sitzung wurde auch über zwei Verbundstudien zum ÖPNV berichtet. In dem Zusammenhang kritisierte Landrat Franz Löffler das Vorgehen Berlins beim Deutschland-Ticket. Die Hauptstadt will die Kosten des D-Tickets nicht nur für Schüler oder Senioren von 49 auf 29 Euro senken, sondern allgemein.
Unabhängig davon, dass die Finanzierung des Tickets künftig sowieso infrage stehe und der Landkreis aufpassen müsse, dass hier Kosten nicht vom Bund und den Ländern nach unten verschoben würden, sei das Vorgehen Berlins „bodenlos“. „Das ist schlimm“, sagte Löffler, „denn zahlen müssen wir das!“
Er betonte, dass das D-Ticket zwar ein gewaltiger Schritt nach vorn gewesen sei, doch für ihn sei unklar, ob es weiter Bestand haben werde. Denn bislang sei nicht deutlich geworden, wer neben den 1,5 Milliarden Euro vom Bund und den 1,5 Milliarden Euro von den Ländern die Restkosten tragen werde.
