Von Burglengenfeld in die weite Welt: Gymnasiasten haben im Ausland viele Erfahrungen gesammelt

Von Verena Müller · 23. April 2024 um 11:00

Vielfältige Projekte machen das Lernen heute bunt und abwechslungsreich. Doch einigen Schülern reicht das nicht – es zieht sie in die weite Welt. Um dem gerecht zu werden, bietet das Johann-Michael-Fischer Gymnasium in Burglengenfeld verschiedenste Möglichkeiten, im Ausland zu lernen.

Die meisten Programme ermöglichen den Schülern für etwa eine Woche einen Einblick in die Kultur eines anderen Landes. Doch auch wer mehr möchte erhält am JMF Unterstützung. Lehrerin Sabine Gnahn ist Ansprechpartnerin für den individuellen Austausch. Sie berät Schüler, die für ein halbes oder gar ein ganzes Jahr ins Ausland gehen möchten. Zugleich betreut sie Gastschüler, die aus dem Ausland nach Burglengenfeld gekommen sind.

Lehrerin Sabine Gnahn hat viel Erfahrung

Gnahn unterrichtet Englisch, Französisch und Italienisch und weiß aus eigener Erfahrung: „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen.“ Als Schülerin verbrachte sie ein Jahr an einer Highschool im US-Bundesstaat New York. Damals war das noch unüblich. „Der Direktor warf meinen Eltern vor, es sei verantwortungslos, mich für ein Jahr aus der Schule zu nehmen“, erinnert sie sich. Im Studium folgten Auslandssemester in Frankreich und Kanada, sodass sich die Lehrerin heute bestens in die Austauschschüler hineinversetzen kann.

„Ich sage den Kindern, es wird nicht alles eitel Sonnenschein sein. Aber es ist immer eine einmalige Erfahrung.“ Ein Austausch sei ein Sprung ins kalte Wasser, denn die Jugendlichen würden sich aus dem behüteten Umfeld der eigenen Familie hinauswagen. Dabei lernten sie, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Bedingungen sind nicht immer optimal

Das können Gnahns Schützlinge bestätigen. Sara und Carlotta kommen aus Italien und sind erst im zweiten Anlauf in Burglengenfeld gelandet. Die beiden 17-Jährigen verbrachten ihr Austauschjahr anfangs in Gastfamilien in der Nähe von Köln und Berlin. Beide hatten aber so große Schwierigkeiten mit ihren Gasteltern, dass sie um einen Wechsel baten. Individuelle Austauschprogramme werden meist von Organisationen abgewickelt, die Reise, Unterkunft und Schulbesuch planen. Mittlerweile sei die Auswahl unüberschaubar, doch nicht jeder Anbieter sorge für optimale Bedingungen, weiß Sabine Gnahn.

Auch bei der 16-jährigen Magdalena gab es Probleme. Sie hatte jedoch das Glück, bei ihrem fünfmonatigen Aufenthalt in Kanada zwei Gastschwestern kennenzulernen, die aus Brasilien und Spanien kamen. Magdalena verbindet inzwischen eine enge Freundschaft mit den beiden Mädchen. „Das wird länger halten. Wir planen gerade ein Treffen in Spanien im Sommer.“

Auslandsjahr kostet bis zu 20.000 Euro

Ganz anders lief es bei Leonhard. Der 16-Jährige verbrachte ein halbes Jahr in den Niederlanden, wo er bei seinem Patenonkel lebte. Da für ihn die Unterbringung bei Verwandten möglich war, konnte er seinen Aufenthalt privat organisieren und war nicht auf eine der Organisationen angewiesen, die mitunter viel Geld verlangen. „Je nach Land zahlt man bis zu 20.000Euro für ein Auslandsjahr“, erklärt Sabine Gnahn. Es gebe aber auch Stipendien.

Doch bei allen Hürden ist ein Austausch immer eine wertvolle Erfahrung, darin sind sich alle Beteiligten einig. Sara aus Südtirol freut sich, dass sie sich nun mit ihrem Vater auf Deutsch unterhalten kann. Und auch Carlotta, die aus Süditalien kommt und dort Deutsch in der Schule lernt, staunt, wie schnell sie ihre Sprachkenntnisse verbessern konnte.

Leonhard hat inzwischen Niederländisch gelernt. „Am Anfang war es schon schwierig, aber es ist ja vieles ähnlich wie im Deutschen“, sagt er. Trotz aller Gemeinsamkeiten kann er aber auch von Unterschieden zum deutschen Alltag berichten. So dauerte der Unterricht in der Regel bis 15 oder 16 Uhr. Anschließend arbeiten die meisten Schüler noch. Denn da vieles teurer ist als bei uns, wollen sich die Jugendlichen mit einem Nebenjob etwas dazu verdienen. In den Stunden gibt der Lehrer oft nur einen kurzen Input, und dann müssen sich die Schüler vieles online selbst erarbeiten.

Auch Magdalena durfte in Kanada Erfahrungen in einem ganz anderen Schulsystem sammeln. Sie hatte nur vier Schulfächer und diese jeden Tag. „Die Lernmethoden sind dort ganz anders. Wir haben viele Aufsätze geschrieben und durften für die Ideensammlung manchmal auch Chat GPT benutzen“, berichtet die 16-Jährige. Besonders das Fach Social Studies, eine Mischung aus Geschichte und Politik, fand sie sehr interessant.

Anschluss finden ist am wichtigsten

Anschluss zu finden, das ist der größte Wunsch und zugleich die größte Sorge der Austauschschüler. „In Italien sagen wir: Die Deutschen sind wie Kokosnüsse“, erzählt Carlotta. Doch nach einer Weile fühlte sie sich gut aufgenommen. Die 17-Jährige spielt hier nun sogar Fußball im Verein. Der Sport ist ihre große Leidenschaft. So war ein Highlight ihres Austauschs auch der Besuch eines Spiels des FC Bayern München in der Allianz-Arena.

Dem Vorbild ihrer Schwester Magdalena folgend, plant auch die 15-jährige Klara einen Auslandsaufenthalt. Sie will im Juli für fünf Monate nach Neuseeland aufbrechen. Im Englischunterricht hatte sie erste Einblicke in die Kultur der Maori erhalten, und so reifte der Entschluss. Sie freut sich auf das Meer und viele neue Kontakte. Gleichzeitig hat sie ein wenig Angst vor dem Abschied. Sabine Gnahn kennt diese Zweifel, doch sie ermutigt die Schülerin: „Da kommt man später nicht mehr so leicht hin!“

Viele Möglichkeiten am Gymnasium Burglengenfeld

Austausch: Schüler der zehnten und elften Klassen können am Austausch mit den Partnerschulen in Pau (Frankreich) und Gora Kalwaria (Polen) teilnehmen.

Erasmus-Programm: Das Gymnasium hat Projektpartner in der Türkei und den Niederlanden, ab Herbst auch in Dänemark. Schüler der neunten und zehnten Jahrgangsstufe können am Programm „Erasmus+“ teilnehmen, das die gemeinsame Projektarbeit in internationalen Schülergruppen, Besuche und Gegenbesuche umfasst.

Klassenfahrt: Für Achtklässler soll es im kommenden Schuljahr erstmals eine Fahrt nach England geben.

Individueller Schüleraustausch: Etwa drei bis fünf Schüler pro Jahrgang entscheiden sich, alleine einige Monate im Ausland zu verbringen. Sie besuchen dort die Schule und können, zurück am JMF, auf Probe vorrücken oder das Schuljahr, in dem sie abwesend waren, wiederholen.