Phänomen „Littering“ in Neumarkt: Achtlos weggeworfener Müll sorgt für hohe Kosten

Beutel mit Hausmüll auf dem Kinderspielplatz, Hundekottüten auf der Hecke im Park, Einweggrills mit abgekauten Hühnerbeinen am Krähentisch bei der Burg Wolfstein: Den Neumarkter Müllwerkern bietet sich jeden Morgen aufs Neue ein unappetitliches Bild. Sie kämpfen gegen Windmühlen.
„Außerdem kostet das alle Bürger viel Geld“, sagt Manuel Traub, Leiter der Stadtgärtnerei. „Es ist mittlerweile ein Riesenproblem, am Wochenende ist es katastrophal“, klagt Traub. „Es wird einfach alles überall hingeworfen“, sogar Bauschutt oder Eternitplatten würden einfach mitten in der Stadt entsorgt. Seine Mitarbeiter hätten jeden Tag alle Hände voll zu tun, um die Stadt sauber zu machen.
„In den vergangenen Jahren hat sich die Situation zugespitzt“, findet der Leiter der Stadtgärtnerei. Immer häufiger werde Hausmüll in den öffentlichen Mülleimern oder daneben entsorgt. Warum das so ist, kann er sich nicht erklären: „Entweder ist es Gleichgültigkeit oder der ein oder andere will sich eine Mülltonne sparen“, rätselt Traub.
220 Tonnen Müll im öffentlichen Bereich
Auch das Sachgebiet Abfallrecht am Landratsamt Neumarkt stellt eine Zunahme des Litterings, wie das achtlose Wegwerfen von Gebrauchsgegenständen in der Fachsprache bezeichnet wird, fest: „Vor allem rund um Wertstoffinseln, Glas- und Altkleidercontainer, aber auch an Lkw-Rastplätzen wie am Autohof 24 an der Autobahnausfahrt Neumarkt“, teilt Michael Gottschalk, Sprecher das Landratsamts mit. Die Rama-dama-Aktionen in vielen Gemeinden des Landkreises zeugen ebenfalls davon.
Etwa 220 Tonnen Müll kommen allein in der Stadt Neumarkt im Jahr im öffentlichen Bereich zusammen, informiert Christian Wild, Pressesprecher der Stadt. Gottschalk unterstreicht, dass Littering hohe Kosten verursache, weil letztlich die Kommunen die Entsorgung übernehmen müssten. Das werde über die Abfallgebühren umgelegt und somit zahlen am Ende jeder Bürger für den Mehraufwand.
Rund 900 Mülleimer im Stadtgebiet Neumarkt
Laut Wild berappt die Stadt Neumarkt allein für die Entsorgung des Inhalts der Mülleimer annähernd 50.000 Euro. Hinzukommen ihm zufolge Personalkosten in Höhe von rund 400.000 Euro für die sechs Mitarbeiter, die dafür im Einsatz sind, die Stadt sauber zu halten.
Rund 900 Mülleimer gibt es laut Traub im Stadtgebiet, allein 85 in der Marktstraße. Dazu kämen etwa 100 Hundetoiletten. Die Leerungen – rund 300 pro Tag – seien inzwischen Akkordarbeit für seine Mitarbeiter geworden, resümiert der Leiter der Stadtgärtnerei. Tagtäglich und auch an Wochenenden kümmert sich Traubs Team von 7 Uhr morgens an – bei Festen und Veranstaltungen sogar noch früher – um die Reinigung der öffentlichen Bereiche.
Altstadt und Grünanlagen besonders problematisch
In regelmäßigen Abständen würden verschiedene Areale der Altstadt minutiös sauber gemacht, Zigarettenkippen mit dem Laubbläser aus den Fugen gepustet und dann mit der Kehrmaschine eingesaugt. „Meine Leute wollen, dass Neumarkt sauber ist und ziehen das durch“, unterstreicht Traub.
Doch egal, wie sehr sie sich bemühten, biete sich tags drauf immer wieder das gleiche Bild: Überall in der Stadt liegt Müll herum. Besonders schlimm sei es im Bereich der Altstadt, in den Grünanlagen am Pulverturm, in der Kirchengasse, Gießereistraße (Spielplatz), Maria- Ferdinanda-Straße, Schützenstraße, im Blanderergässchen, am Viehmarkt, am Reitstadel, an der Skaterbahn in der Hasenheide, am Parkplatz Blomenhof, in Pölling sowie in Stauf an den Grüngutcontainern.
Überreste eine Freiluftparty rund um Wolfstein verteilt
Ein weiterer neuralgischer Punk ist das Areal rund um die Burg Wolfstein. An diesem Montagmorgen ist rund um die Abfalleimer am Parkplatz der Müll weit verstreut: angefangen bei Melonenresten über Einweggeschirr bis hin zum Hundekotbeutel in der Wiese.
Die Spur des Unrats führt weiter bis zum Krähentisch, wo sich die Überreste einer Freiluftparty mit Pizzakartons und Grillschalen ausbreiten. Traub schüttelt den Kopf: „Ich kann nicht verstehen, warum die Leute die Reste nicht einfach wieder einpacken und daheim entsorgen können.“
Abfall lockt Ungeziefer an
Der Pendlerparkplatz in Stauf gleicht an diesem Tag neben den Glascontainern einer kleinen Mülldeponie: ausgediente Katzenbäume, Beutel mit Hausmüll, leere Metalldosen und Kunststoffbecher, Essensreste. Teller quellen aus den Abfallbehältern und liegen weit verstreut bis in die Hecken herum.
„Das ist ein Riesenproblem“, warnt Traub. Reste von Lebensmitteln und Bioabfälle lockten schnell ungebetene Gäste wie Krähen, Ratten oder Waschbären oder auch Insekten an. An Dosen und Glasscherben könnten sich Menschen und Tiere verletzen. Gelangten beispielsweise Hundekotbeutel ins Viehfutter könne dies dazu führen, das Nutztiere verenden.
Bauschutt im Grüngutcontainer
Auf dem Staufer Spielplatz ist ein weiteres städtisches Team im Einsatz: Die Ladefläche des kleinen Transporters ist voll mit Wannen voll Unrat, der dort am Wochenende hinterlassen wurde, berichtet Michael Zakel. Neben den Grüngutcontainern in Stauf haben Bürger Wannen und Tüten mit Grüngut abgestellt. Nicht selten landeten da auch Bauschutt oder andere Sachen, die da nicht hingehören, berichtet Traub. Die Müllwerker der Stadt müssten die Plätze immer wieder in Ordnung bringen.
Das Landratsamt versuche, Littering mit Öffentlichkeitsarbeit entgegenzuwirken. Umweltsünder würden angezeigt, so Sprecher Gottschalk. Ihnen drohten Bußgelder. Auch die Mitarbeiter der Stadt halten die Augen offen. Traub appelliert: „Neumarkt will sein touristisches Potenzial weiter ausbauen. Da ist es keine gute Visitenkarte, wenn überall der Müll herumliegt.“ Jeder könne da mit gutem Beispiel vorangehen.

