Zauberhafte Geschichte aus dem Regensburger Herzogspark

Von Katharina Kellner · 24. April 2024 um 11:00

Autor Helmut Hoehn ließ sich am Entenweiher inspirieren. Illustratorin Luzie Gerb verleiht seinen Figuren eine Seele.

Es gibt nur wenige Kinderbücher, in denen es um die eigene Stadt geht und die so charmant geschrieben und illustriert sind wie das von Helmut Hoehn und Luzie Gerb. Der Autor und die Illustratorin aus Regensburg erzählen mit „Ein Ententag im Herzogspark“ von einem Tag im Leben des Entenpärchens Elvira und Egon an einem der schönsten Orte in Regensburg.

Im Herzogspark wächst nicht nur ein Taschentuchbaum – dort finden die Ente und der Erpel bei ihren Spaziergängen auch immer jemanden zum Plaudern. Zum Beispiel die Eichhörnchendame Lisa. Doch die ist an diesem Tag verzweifelt: Sie hat vergessen, wo sie letzten Herbst ihre Nüsse versteckt hat. Elvira und Egon ziehen los, um ein Tier zu finden, das Lisa beim Vergraben der Nüsse beobachtet hat. Sie fragen alle Tiere des Parks: Die hochnäsige Katze Mia, die zerstreute Amsel Alma, die schusselige Taube Trudi, den besserwisserischen Fischreiher Heiner. Das Ende überrascht – und macht froh.

Der „Wurstkuchlhund“, ein regionaler Bestseller

Hoehn gelingt es, in einer kleinen Geschichte von den großen Dingen des Lebens zu erzählen: Hilfsbereitschaft und Solidarität bereichern, das lernen Kinder ab drei Jahren in diesem warmherzigen und von Humor durchzogenen Buch auf unterhaltsame Weise. Dabei hat Hoehn die Geschichte kindgerecht strukturiert: Das Entenpärchen stellt jedem Tier diesselbe Frage, doch die Antworten fallen unterschiedlich aus. Der Autor, der 30 Jahre lang Lehrer an der Maristen-Realschule in Cham war, hat auch an ein interaktives Element für Kinder gedacht: Alle Tiere des Buches gibt es zum Ausmalen, die Vorlagen sind von Gerb gezeichnet.

Die genau auf den Text abgestimmten Illustrationen von Luzie Gerb sind eine Augenweide – sie findet eine gelungene Mischung zwischen realistischer Form und verspieltem Detail. Gerb hat sich in Regensburg als Zeichnerin von Charakterköpfen einen Namen gemacht: Ende 2022 hatte sie mit Lisa Langbein das feministische Projekt „Erika ist keine Blume“ im M26 ausgestellt. Porträts und treffende Comics erzählten von 14 mutigen Regensburgerinnen – historischen und zeitgenössischen. Nun war Gerb herausgefordert, Tiere wie den Fischreiher als als Persönlichkeiten darzustellen, deren Gefühle die Kinder deuten können. Das ist ihr gelungen – zum Beispiel, wenn Ente Elvira tröstend einen Flügel um die Eichhörnchendame legt oder Rabe Rudi vergnügt im Quellgarten planscht.

Für Gerb ist es das erste Kinderbuch. Hoehn hat schon in den 1980er Jahren Gedichte und Geschichten veröffentlicht. Sein wohl bekanntestes Kinderbuch, der „Wurstkuchlhund“ wurde zu einem regionalen Bestseller, der dieses Jahr 25 Jahre alt wird. Das Buch mit Reimen wurde nicht nur ins Englische übersetzt und als Hörspiel eingespielt – der Wurstkuchlhund Waldemar wurde als Kuscheltier herausgebracht und auf T-Shirts gedruckt. Ursprünglich fand sich der fliegende Hund auf einem von Hoehn gemalten Ölbild, das er verkauft hatte. Erst als es zu ihm zurückkam, fiel ihm die Verbindung zwischen Hund, Bratwurst und Wurstkuchl ins Auge. So kam er auf die Geschichte und illustrierte erstmals selbst ein Buch.

Gute Kinderbücher prägen fürs Leben

Dass er sich für sein jüngstes Buchprojekt nach einer Illustratorin umgeschaut hat, liege an seinem Alter, sagt Hoehn. Ihm fehle die Energie zum Illustrieren. Luzie Gerb sei ihm empfohlen worden, die Zusammenarbeit mit ihr bezeichnet er als Glücksfall: „Sie hat die Empathie der Tiere wunderbar getroffen.“ Beide können sich eine Fortsetzung gut vorstellen. Die Feuertaufe hat ihr Buch kürzlich bestanden: Im Naturkundemuseum am Herzogspark gab es eine Lesung mit Märchenerzähler Oliver Machander, der sich als begnadeter Tierstimmenimitator erwies. „Die Reaktionen der Kinder waren sehr schön anzuschauen“, sagt Gerb.

Sie und Hoehn gehören unterschiedlichen Generationen an, doch sie sind sich einig: Gute Kinderbücher prägen fürs Leben. Und wer weiß, sagt Hoehn, vielleicht gäbe es weniger Kriege und Katastrophen auf der Welt, würden nur alle Menschen die richtigen Kinderbücher lesen und verstehen, wie wichtig Empathie ist.

Helmut Hoehn, Luzie Gerb: „Ein Ententag im Herzogspark“. Morsbach-Verlag Regensburg 2024. 45 Seiten, 11,90 Euro.