Herr Maunz ist Neustadts Pfarrkater – und hat sogar eine eigene Mail-Adresse

Von David Santl · 20. April 2024 um 19:00

Herr Maunz hat viele „Ämter“ in der Pfarrei St. Laurentius in Neustadt (Landkreis Kelheim). Trotz seines vollen Terminkalenders hat er sich Zeit genommen, um aus dem Alltag eines Pfarrkaters zu erzählen.

Es ist klassische Routine in jeder Redaktion: Ansprechpartner zu bestimmten Themen recherchieren. So auch bei der Pfarreiengemeinschaft Neustadt-Mühlhausen. Fein säuberlich sind Fotos und Kontaktdaten aller relevanten Personen auf der Internetseite aufgelistet: Pfarrer, Sekretärin, Pfarrkater. Moment: Ein Pfarrkater als „offizieller“ Amtsträger? Tatsächlich. Er heißt Herr Maunz und hat sogar eine E-Mail-Adresse: Die journalistische Neugier ist geweckt.

Der Pfarrkater bekommt eine E-Mail: „Sehr geehrter Herr Maunz...“ Danach der Standard-Satz, ob Interesse an einem Interview bestünde. Es dauert einen Tag, dann die Antwort: „Gerne heiße ich Sie zu einem Interview willkommen.“ Jedoch, so lässt Herr Maunz wissen, habe er gerade im Frühling viele Außentermine. An einem Vormittag könne er aber ein Treffen anbieten.

Zur vereinbarten Zeit öffnet Maria Ganslmeier die Tür zum Pfarrbüro. Sie ist nicht nur Gemeindereferentin der Pfarreiengemeinschaft, sondern auch Herrn Maunz’ persönliche Referentin. Der wartet neugierig neben ihr. Zur Begrüßung schießt er mit der Pfote einen Tischtennisball in Richtung des Besuchs. Anschließend lädt der etwa zehnjährige Maine-Coon-Mischling zu einer ausgiebigen Streicheleinheit ein. Wobei: Um zu wenige Streicheleinheiten muss sich Herr Maunz kraft seines Amtes als Pfarrkater keine Sorgen machen. „Die Leute reagieren total positiv. Die Ministranten und Erstkommunionkinder freuen sich immer, wenn er auftaucht“, erzählt Maria Ganslmeier.

Ruhepol und Eisbrecher von St. Laurentius

Das hat auch einen praktischen Nutzen: Herr Maunz schafft es im Handumdrehen, eine aufgedrehte Horde aus 35 Kommunionkindern zu beruhigen. Seine offizielle Tätigkeit besteht aber nicht nur daraus, ein Ruhepol zu sein. „Bei Elternabenden oder anderen Treffen, wo sich die Leute teils nicht kennen, ist er der perfekte Eisbrecher“, erzählt Ganslmeier weiter. Herr Maunz sitzt derweil auf ihrem Schoß und schnurrt stolz vor sich hin. Das viele Lob gefällt ihm sichtlich.

Bisweilen nimmt der Pfarrkater sogar Leibwächter-Funktionen wahr. „Er passt auf, dass keine Spinnen in die Kirche kommen. Da sind ihm manche Ministranten sehr dankbar.“ Der Pfarrhof und das Kirchenumfeld sind eben Herrn Maunz’ Revier. Hier muss er täglich nach dem Rechten schauen. Das würde er auch gerne während des Interviews. Maria Ganslmeier lässt ihn aber lediglich in den Flur hinaus. Dorthin verkrümelt er sich auch.

Doch bei Ministranten-Gruppenstunden, Seniorentreffen oder Chorproben ist der Pfarrkater immer mit dabei und inspiziert die Teilnehmer. „Einmal hat er sich bei einer Probe auf den Schoß eines Trompeters gesetzt – während er gespielt hat“, erzählt die Gemeindereferentin.

Wie es sich für einen Pfarrkater gehört, legt Herr Maunz aber auch großen Wert auf den regelmäßigen Kirchgang – wenn ihn kein Gottesdienstbesucher hinausträgt. Herr Maunz lässt sich davon aber nicht von seiner „Sonntagspflicht“ abbringen. Dann sucht er sich einen anderen Weg zurück in die Kirche.

Herrn Maunz’ theologische Gedanken

Vor allem an Hochfesten schreitet auch gerne „würdevoll“ durch den Mittelgang zum Altarraum der Stadtpfarrkirche St. Laurentius. „Einmal hätte er direkt den Priestersitz angesteuert, aber die Lektorin hat ihn gerade noch daran gehindert“, erzählt sein Frauchen und lacht. Dabei wäre der Pfarrkater in Sachen Glaube eigentlich sattelfest. Denn manchmal hilft er Stadtpfarrer Thomas Stummer beim Verfassen von Predigten – und hinterlässt seine theologischen Gedanken auf der Tastatur. „Nur leider kann ich nicht entschlüsseln, was er geschrieben hat“, bedauert Stummer. Der Stadtpfarrer ist ebenfalls ein großer Fan des Pfarrkaters. „Herr Maunz gehört einfach zur Pfarrei und sorgt bei allen für Freude“, sagt er.

Wer im Neustädter Pfarrleben so präsent ist, hat einen Eintrag als Ansprechpartner auf der Internetseite freilich verdient. „Da war die Homepage gerade im Entstehen. Und weil er so repräsentativ für die Pfarrei ist, haben wir ihn mit aufgenommen“, sagt Maria Ganslmeier, die seit neun Jahren sein Frauchen ist.

„Herr Maunz gehört einfach zur Pfarrei und sorgt bei allen für Freude“

Thomas Stummer, Stadtpfarrer von Neustadt

Ob er dann auch Fanpost bekommt? Natürlich: Vor allem von Ministranten oder von Katzenbesitzern. „Manchmal sind auch Bilder von hübschen Katzendamen dabei“, erzählt Maria Ganslmeier. Ob es aber zu einem Kennenlernen gekommen ist, weiß alleine Herr Maunz.

Der hockt nach wie vor im Flur und hört dem Gespräch nur halbwegs zu. Nun holt ihn sein Frauchen aber zum Fototermin. Viel Lust scheint er aber nicht zu haben. Er schmollt. Hat ihm das Interview zu lange gedauert oder war er mit den Fragen nicht einverstanden? Auch das weiß nur er selbst. Schlussendlich ist Pfarrsekretärin Helma Troiano diejenige, die es schafft, den Pfarrkater zu bestechen. Sie kredenzt ihm Leberkäse. Und siehe da: Herr Maunz zeigt sich gütig und posiert extra professionell für das Foto.