Nach dem Kampf mit Beilngries: Berchings Realschule feiert 25-jähriges Bestehen

Vor 25 Jahren startete die Realschule Berching. Das Jubiläum begeht die Schule nun mit einem Festakt. Doch bis zum Bau der Schule war es ein harter Kampf mit Beilngries. Altbürgermeister Rudolf Eineder erinnert sich an „massive Wortgefechte“, Proteste und Zahlungen, die im Hintergrund geflossen sind.
Anfang der 1990er-Jahre wollte der damalige Berchinger Bürgermeister Albert Löhner, dass in Berching ein Gymnasium gebaut wird. Das Problem: Der Nachbarort Beilngries verfolgte das gleiche Ziel.
Zwischen beiden Städten ging es verbal hin und her, erzählt Rudolf Eineder, der im Mai 1996 Löhner als Berchinger Bürgermeister beerbte. Wortgefechte, Leserbriefe und Spitzen gegen den Nachbarort: „Da war Zündstoff drin“, sagt Eineder. Denn nur eine Gemeinde konnte den Zuschlag für ein Gymnasium erhalten.
„Als durchsickerte, dass wohl Beilngries die Nase vorne hätte, spitzte sich die Lage zu“, sagt Eineder. In Berching trafen sich laut Eineder rund 3000 Menschen zu einer Protestveranstaltung. Auch in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige habe die Stadt Argumente für den Standort Berching aufgezeigt. „Die hat uns rund 10000Mark gekostet“, erinnert sich Eineder. Geld, dass er nach eigenen Angaben nach ein paar Telefonaten mit Geschäftsleuten schnell zusammen hatte.
Realschule Berching: Neubau für 15 Millionen Mark
Die Bereitschaft in der Bevölkerung sei riesig gewesen, den Standort Berching mit einem Gymnasium aufzuwerten. Eine Delegation habe bei einem CSU-Treffen in Wildbad Kreuth versucht, den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber von Berching als Standort für das Gymnasium zu überzeugen.
Vergebens. Denn der bayerische Ministerrat beschloss 1999, dass das Gymnasium in Beilngries errichtet wird. Als Kompromissvorschlag sollte die bestehende Realschule in Beilngries nach Berching wandern. „Dagegen sind natürlich die Beilngrieser Sturm gelaufen“, sagt Eineder. Daraufhin revidierte der Ministerrat seine Entscheidung. Beilngries behielt die Realschule und bekam das neue Gymnasium. Und in Berching wurde eine zusätzliche Realschule gebaut – die damals erste sechsstufige Realschule Bayerns. Gesamtkosten: 15,2 Millionen Mark.
Der Kampf um die Schulen habe die Region nachhaltig beeinflusst, meint Eineder. Beilngries hat ein Gymnasium erhalten, Berching eine Realschule. „Es war toll, wie sich so viele Leute für die Schule eingesetzt haben“, sagt der 77-Jährige rückblickend.
Mittlerweile habe jede Realschule längst ihren Standort und ihr Profil gefunden, wie Schulleiterin Ingrid Sobotta sagt. Bei dem dichten Realschul-Netz mit Neumarkt, Beilngries, Berching, Hilpoltstein müsse man sich immer bemühen, attraktiv zu bleiben, sagt Sobotta, die seit 2010 die Schule leitet. Zuvor war sie ab 2001 Konrektorin in Berching.
Rektorin: Erster Schulleiter war ein Visionär
Die Richtung der Realschule habe aber Herbert Schmitz, ihr Vorgänger und erster Schulleiter der Realschule, vorgegeben. Ein Visionär, sagt Sobotta über den 2011 verstorbenen Schmitz. „Er hat damals schon ein zukunftsweisendes pädagogisches Konzept für die Schule entwickelt.“
Den Weg, den Schmitz vor 25 Jahren eingeschlagen hat, gehen heute Schulleiterin Ingrid Sobotta und Konrektorin Daniela Haas weiter und ergänzen ihn durch zusätzliche Bausteine. Ein enger Austausch mit Eltern, eine aktive Werteerziehung, eigenverantwortliches Arbeiten der Schüler sowie Förderung von sozialem Engagement zeichnen die Schule laut Sobotta und Haas heute aus.
Wer sich davon selbst überzeugen will, hat dazu beim Schulfest am Samstag, 27. April, Gelegenheit. Von 10 bis 14.30 Uhr finden Workshops für Kinder und Jugendliche statt. Außerdem stehen Akrobatik- und Musikauftritte auf dem Programm.
25 Jahre Realschule Berching: Feier in der Schul-Turnhalle
Einen Tag zuvor geht der Festakt anlässlich des 25-jährigen Bestehens über die Bühne. Alle Schüler (knapp 400) sowie geladene Gäste sind am 26. April ab 10 Uhr in der Turnhalle dabei, ehe im Anschluss ein Spendenlauf startet.
Pünktlich zum Jubiläum präsentiert sich die Realschule nach der Erweiterung um fünf Klassenräume auch mit dem neu gestalteten Schulhof. Aus den ursprünglich zwölf Klassen sind mittlerweile in der Regel 18 pro Schuljahr geworden.
Also alles perfekt an der Realschule? Nicht ganz! „Ich wünsche mir mehr kompetente externe Partner in der Schule, die Schüler bei Krisen im Leben unterstützen“, sagt Schulleiterin Sobotta auf die Frage, in welchem Bereich die Schule Nachholbedarf habe. Professionelle Hilfe bei Lebenskrisen werde immer wichtiger.
Und wenn sich die Rektorin noch etwas zum Jubiläum der Schule wünschen dürfte, wäre es Folgendes: „Mein größter Zukunftswunsch wäre, dass Schüler nach dem Abschluss an der Realschule die Welt ein Stück weit zum Positiven verändern können.“
Meilensteine in der Geschichte der Realschule Berching
9. März 1999: Der bayerische Ministerrat beschließt, in Berching eine sechsstufige Realschule neu zu errichten.
14. September 1999: Die Realschule nimmt mit drei Klassen den Unterrichtsbetrieb auf – zunächst in Räumen der Grund-/Mittelschule.
23. Dezember 1999: Mit dem Spatenstich startet offiziell der Neubau am heutigen Areal an der Nordtangente.
20. Juli 2001: Die Schule wird eingeweiht, nachdem zuvor Südflügel und später Nordtrakt und Turnhalle in Betrieb genommen worden sind.
12. September 2001: Das erste Schuljahr im neuen Gebäude startet für die Jahrgangsstufen fünf bis sieben.
