Hilfe für Berchings Realschüler: Was tun, wenn Mama oder Papa rechtsextrem sind?

Von Bernhard Neumayer · 3. Februar 2024 um 05:00

Tausende Menschen demonstrieren derzeit für Vielfalt und gegen Rechts. Doch wie erkennt man eigentlich einen Rechtsextremisten in seinem Umfeld? Und wie können Jugendliche und Erwachsene damit umgehen? Ein Experte aus dem Staatsministerium klärt auf.

Unter anderem diese Fragen hat Torsten Sommer von der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) diese Woche mit Zehntklässlern der Realschule Berching diskutiert. Lehrerin Daniela Donauer, Koordinatorin des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, hatte die Idee zu dem Workshop über Extremismus. Dieser sei zwar schon seit Schuljahresbeginn geplant gewesen, sagt Donauer. Durch die Demos gegen Rechts seien sie natürlich noch aktueller geworden.

Experte: In den Schulen über Extremismus aufklären

Im Rahmen des Workshops, der am Dienstag und Mittwoch stattfand, hat sich unsere Zeitung mit dem Referenten unterhalten. Die Aufklärung an Schulen habe bei dem Thema Extremismus einen enorm hohen Stellenwert für die Demokratie, findet Torsten Sommer. Die Aufklärung müsse von jeder Generation neu gelernt werden. „Sie ist kein Selbstläufer“, betont Sommer.

Es sei daher wichtig, dass in der Schule bereits die Grundsätze für das gesellschaftliche Zusammenleben vermittelt werden. Schülermitverantwortung (SMV), Schülersprecher oder Klassensprecher seien die ersten Berührungspunkte demokratischen Zusammenlebens. „Viele Studien belegen, dass die Schule neben dem Elternhaus einen sehr großen Anteil an der Entwicklung unserer Kinder hat“, sagt Sommer. Hierzu zähle neben dem Bildungsauftrag auch die Aufklärung über gesellschaftliche Themen wie zum Beispiel Extremismus.

Realschule Berching ist „Schule ohne Rassismus“

An der Realschule Berching werden die Schülerinnen und Schüler durch regelmäßige Aktionen dafür sensibilisiert, tolerant und respektvoll miteinander umzugehen, wie Schulleiterin Ingrid Sobotta und Lehrerin Daniela Donauer sagen. 2015 wurde die Berchinger Realschule dafür als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zertifiziert.

Nun intensivierten die Zehntklässler ihr Wissen über Extremismus, Antisemitismus und Rassismus. In dem Workshop wurden unter anderem Faktoren beleuchtet, die dazu führen, dass sich Menschen einer radikalen Szene anschließen. Sommer klärte darüber auf, was erste Anzeichen für Extremismus sind und wie die Jugendlichen reagieren können, wenn sie im Netz oder im privaten Umfeld mit Extremisten konfrontiert werden.

Dazu sei es auch notwendig, die Symbole extremer Gruppen zu erkennen und deren Strategien zu durchschauen. Sommer warb dafür, aus der eigenen Blase herauszutreten, um Fake-News zu enttarnen. „Ein Demokrat sollte sich informieren über das, was in der Welt passiert und seine Meinung nicht durch soziale Medien beeinflussen lassen“, sagt Sommer. Er fordert: „Klare Kante gegen Rechtsextremismus zeigen, mit Menschen reden und ein knappes Statement in sozialen Netzwerken hinterlassen.“ Denn gerade in den sozialen Medien vermisse er den Diskurs verschiedener Meinungen ohne Beleidigungen.

Sommer regte die Jugendliche in dem Workshop dazu an, auch im eigenen Umfeld kritisch auf oft unbedachte, rechtsradikale Posts zu reagieren. „Seid wachsam, informiert Euch und engagiert Euch ohne Gewalt.“ Durch seine Workshops an Schulen sollen Schüler sensibel für unscheinbare und jugendgerechte Anwerbeversuche extremer Gruppen werden.

Experte: Wie man mit Rechtsextremisten umgehen soll

Ein Patentrezept, wie Eltern verhindern können, dass ihr Kind in die rechte Szene abdriftet, hat der Vater von zwei Kindern zwar nicht. Ganz wichtig sei es aber, den Nachwuchs mit dem Medienkonsum nicht alleine zu lassen. Aus Sommers Sicht müssen Eltern einen Blick darauf haben, welche Inhalte ihre Kinder konsumieren. „Dies sollte nicht heimlich, sondern offen und im Gespräch stattfinden“, rät Sommer. Ziel solle es sein, den Kindern Handlungssicherheit zu geben, damit sie Fake News und Populismus erkennen. Es gebe zahlreiche Angebote, die Eltern dabei zu unterstützen.

Und wie sollte man handeln, wenn jemand aus dem persönlichen Umfeld bereits abgedriftet ist? Sommer rät, die Person nicht auszugrenzen. Sonst laufe man Gefahr, sie überhaupt nicht mehr zu erreichen. Schüler und Eltern können sich laut Sommer an Beratungslehrer oder Schulsozialarbeiter wenden. Auch die BIGE biete dabei Unterstützung an.

Torsten Sommer (l.) – neben Schulleiterin Ingrid Sobotta – sprach mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 10b über Extremismus. Den Workshop an der Realschule Berching hatte Lehrerin Daniela Donauer (sitzend, 3.v.l.) initiiert. Foto: Franz Guttenberger