Für die Demokratie: Anti-AfD-Demo in Neumarkt brachte etwa 1500 Menschen auf die Straße

„Schweigen reicht nicht mehr – aktiv werden gegen Rechts“ war das Motto der Demo, die am Samstag auf dem Platz vor dem Rathaus stattfand. Weit über tausend Menschen folgten dem Ruf des Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte und erlebten eine bewegende Veranstaltung.
„Das ist das erste Mal, das ich bei einer Demonstration dabei bin – und dann gleich als Rednerin. Das ist schon aufregend“, sagt Antje Dietrich. Die Vorsitzende des Kreisverbands Neumarkt des Sozialverbandes VdK steht vor dem Neumarkter Rathaus und blickt auf ein Meer von Menschen und Schildern.
Mit etwa 500Personen hatte Organisator Marco Winkler gerechnet. Gekommen sind nach Schätzungen der Polizei bis zu circa 1500 Menschen. Die Versammlung sei friedlich und ohne polizeilich relevante Vorkommnisse über die Bühne gegangen, wie die Neumarkter Inspektion meldete. Dass so viele Menschen seinem Aufruf gefolgt waren, sei für Winkler ein „unglaublicher Moment“ gewesen.
Keine Sündenböcke
Bewusst hatte der ehemalige Oberbürgermeister-Kandidat der Linken versucht, Menschen weit über seine eigene Partei hinaus anzusprechen. Mit Erfolg: Stadträte der anderen demokratischen Parteien beteiligten sich ebenso an der Demonstration, wie politisch unabhängige Vereine: „Wir beim VdK sind überparteilich“, erklärt Antje Dietrich. „Aber wir sind nicht unpolitisch. Wir können selbst bestimmen, mit wem wir Umgang pflegen wollen und mit wem nicht.“
Gegen die AfD spricht sie hier, weil sie zu oft erlebt habe, wie einzelne Gruppen zu Sündenböcken gemacht wurden: „Mal sind es die Kranken, mal die Alten oder die Ossis, jetzt sind es die Ausländer. Statt Schuldzuweisungen sollte man lieber sachlich Probleme diskutieren.“
Integration funktioniert
Ganz ähnlich äußert sich Andrea Krebs von Diakonie Nah: Eine Partei, welche nicht bereit sei, Menschen in Not zu helfen, sei für sie indiskutabel: „Menschlichkeit ist einfach nicht verhandelbar. Und gerade im Bereich der Pflege sind wir auf Zugewanderte angewiesen – ohne diese Menschen wäre das nicht zu schaffen.“
„Integration funktioniert - egal was die AfD sagt“, meint Integrationslotsin Mimoza Marku, die ebenfalls als Rednerin auftritt. Sie nennt als Beispiel die Menschen, die wie sie aus Albanien hierherkamen: „Fast alle sind selbstständig und betreiben eigene Geschäfte.“
Nie wieder Nazi-Terror
„Wir sehen es als unsere Pflicht, uns heute hier zu beteiligen“, sagt ein älteres Ehepaar. „Die Demokratie ist einfach das beste System und Deutschland trotz allem ein ganz wunderbares Land.“ Eine andere Besucherin, die ein Schild „Omas gegen Rechts“ trägt, erinnert an die historische Bedeutung des 27. Januars: „Heute ist der Holocaust-Gedenktag. Vor 79Jahren wurde das KZ-Auschwitz befreit. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich solch schreckliche Ereignisse wie die Terrorherrschaft der Nazis wiederholen.“
Die Mitte meldet sich zu Wort
Immer wieder wird auf der Demonstration der Vergleich mit 1933 gezogen – als Hitlers Nationalsozialisten durch demokratische Wahlen an die Macht kamen und dann den Staat binnen kurzer Zeit in eine Diktatur umbauten: „Wir können nun zeigen, dass wir uns dem Unrecht in den Weg stellen“, meint ein Demonstrant. „Wir sind die schweigende Mehrheit – und wir werden jetzt laut!“
Love Beats Hate rapt gegen Hass
Besonders lautstark gestaltet sich der Auftritt von „Love Beats Hate“. Das Künstlerkollektiv vereint die jungen Musiker Paul Poet, Lu Spencer, Philipp Mühlleitner, Vroni an der Geige und Voodoofunkers. Mit ihren Liedzeilen wie „Liebe ist der Weg, es ist noch nicht zu spät, also aufwachen, aufstehen, Zügel in die Hand nehmen und selber denken“ sorgen sie für Begeisterung.
Kritik auch an demokratischen Parteien
Neben dem offensichtlichem Engagement gegen die AfD hört man auf der Demo auch viele Stimmen, welche das Auftreten der demokratischen Politiker kritisieren: Zu viel Streit zwischen den Parteien und zu wenig Offenheit für die Bedürfnisse der Bevölkerung werden als Gründe dafür genannt, warum die Demokratie in letzter Zeit nach Rechts gedriftet sei.



