Trotz Rekordjahr: Die Kreisklinik in Wörth kommt nicht aus dem Minus

Von Thomas Kreissl · 16. April 2024 um 17:24

Das Jahr 2023 war für die Kreisklinik in Wörth ein Rekordjahr. Mehr als 35000 Patienten und fast 4200 Operationen zählte das einzige Krankenhaus im Landkreis. „Trotzdem kommen wir nicht in die schwarzen Zahlen“, berichtete Krankenhausdirektor Martin Rederer am Montag in der Sitzung des Kreisausschusses.

Grund dafür ist die fehlende staatliche Gegenfinanzierung der enormen Kostensteigerungen, mit denen die Kliniken zu kämpfen haben. „Die finanzielle Situation in vielen Krankenhäusern ist dramatisch“, malte Rederer ein düsteres Bild der Kliniklandschaft. Er sprach von einem „Doppel-Wumms“, der die Krankenhäuser treffe und bei vielen seiner Kollegen dazu führe, dass sie sich mit dem Insolvenzrecht befassen müssten. Denn viele Häuser treffe nicht nur der Kostenanstieg sondern auch eine sinkende Belegungszahl gegenüber den Vor-Corona-Jahren.

In Wörth ist das anders: Zumindest über eine mangelnde Auslastung kann die Kreisklinik nicht klagen. Im Gegenteil: Das Krankenhaus ist sehr gut ausgelastet, heuer war in den ersten drei Monaten im Durchschnitt 89 Prozent der 120 Planbetten belegt. Dennoch reicht das nicht aus, um aus dem Minus herauszukommen.

Defizit fällt geringer aus

Rederer geht davon aus, dass sich das Defizit für 2023 im Bereich der Betriebskosten bei rund 1,3 Millionen Euro einpendelt. Das sind gut 400000 Euro weniger als erwartet worden war. „Schlechter wird es nicht“, versicherte der Krankenhausdirektor. Dass das Defizit geringer ausfällt, liegt an höheren Erlösen für zusätzlich erbrachte Leistungen, die mit den Krankenkassen vereinbart worden waren.

Deutlich düsterer fällt der Blick auf den Wirtschaftsplan für das aktuelle Jahr aus. Der Krankenhausdirektor rechnet mit einem Minus vom 3,115 Millionen Euro. Demnach stehen den Erträgen von 47,2 Millionen Euro Aufwendungen in Höhe von 50,3 Millionen Euro gegenüber. Selbst dieses Ergebnis kann nach Auskunft von Rederer aber nur unter optimalen Voraussetzungen erreicht werden.

Knackpunkt ist nach den Worten des Klinikdirektors die immer weiter aufgehende Schere zwischen Kostenerstattungen und Kostensteigerungen. Dabei schauen die Kliniken vor allem auf den sogenannten Landesbasisfallwert. Das ist der Betrag, der bei der Berechnung der Preise für die Krankenhausbehandlung zugrunde gelegt wird und bildet die Grundlage für die Vergütung der Krankenhausleistungen. Dieser Wert wird heuer um 5,3 Prozent angehoben. Demgegenüber rechnet Rederer mit einem Anstieg von Sach- und Personalkosten um rund zwölf Prozent. Inflationsbedingte Preiserhöhungen und Tarifsteigerungen sind dafür verantwortlich. Ein Ausgleich dafür ist nach Auskunft des Klinikdirektors nicht zu erwarten.

Auch das am 28. März in Kraft getretene Krankenhaustransparenzgesetz gibt keine Antworten auf die Finanzierungslücke, monierte Martin Rederer. Dieses Gesetz bringe keine Verbesserungen für Krankenhäuser und Patienten. Im Gegenteil: Es unterstelle Kliniken schlechte Qualität und Intransparenz. Unter anderem sieht das Gesetz ab 1. Mai einen sogenannten Krankenhaus-Atlas vor, über den die Bürger einen Überblick über die Qualität der Krankenhäuser bekommen sollen. „Der Bürokratiewahnsinn nimmt kein Ende“, kommentierte dies der Krankenhausdirektor. Denn schon jetzt gebe es jede Menge Plattformen, auf denen sich die Patienten über die Qualität der Kliniken informieren könnten.

Schulterschluss der Kliniken

Landrätin Tanja Schweiger kritisierte, dass hier nicht bereits vorhandenes Datenmaterial genutzt werde, sondern alle Informationen neu eingepflegt werden müssten. „Uns wäre lieber, dass unsere Leute die Patienten pflegen und nicht die Daten“, schimpfte Schweiger. Eine Krankenhausreform sei dringend nötig, betonte sie. Doch lasse sich eine Strukturänderung nicht bewältigen, ohne dass die Kostensteigerungen aufgefangen und der Bestand der funktionierender Kliniken gesichert würden. Die Landrätin sah hier einen Schulterschluss der Häuser in Stadt und Landkreis. Denn in der Region sei die Bereinigung in der Kliniklandschaft bereits in den vergangenen 20 Jahren mit der Schließung des evangelischen Krankenhauses sowie der Kliniken in Regenstauf, Sünching und Hemau erfolgt. „In einem Zeitraum, in dem die Region um 70000 Einwohner gewachsen ist – das ist ein kleiner Landkreis“, betonte Schweiger.