Klinikchefs fordern mehr Geld aus Berlin: Regensburger Medizin soll spitze bleiben

Von Marion Koller · 19. März 2024 um 19:00

Chefs der vier Krankenhäuser in Regensburg und dem Landkreis suchen den Schulterschluss mit OB und Landrätin – Berlin soll die Kostensteigerungen ausgleichen.

Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder bietet Spitzenmedizin und erzielt einen Jahresumsatz von 350 Millionen Euro – doch die Finanzierungslücke wächst. Im Spätsommer musste die Klinik die Geriatrische Reha schließen, wo sich alte Menschen von einer Operation erholten und ihre Selbstständigkeit wiedererlangten.

400 Patienten wurden dort im Jahr betreut. Der finanzielle Verlust lag bei 800000 Euro in zwölf Monaten. Bei einem Pressegespräch am Dienstag im Landratsamt sagt Klinik-Geschäftsführer Andreas Kestler: „Wir müssen mehr denn je aufs Geld schauen.“

520000 Patienten pro Jahr

Gegenwärtig sind keine weiteren Einsparungen im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder vorgesehen. Kestler betont aber, im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Krankenhauses behandle eine Endokrinologin (Hormonspezialistin). „Wenn Sie heute bei uns anrufen, kriegen Sie 2025 einen Termin.“ Das Haus wolle unbedingt diese wichtige Versorgung aufrechterhalten. Genauso die Handchirurgie mit Replantation von Fingern: Für sich allein könne dieser Bereich wohl nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Den anderen beiden Regensburger Krankenhäusern und der Kreisklinik Wörth geht es ähnlich. Bevor das sogenannte Krankenhaustransparenz-Gesetz, ein Teil der Gesundheitsreform von Bundesminister Karl Lauterbach, am Freitag den Bundesrat passieren soll, machen die Regensburger noch einmal auf ihre Situation aufmerksam. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landrätin Tanja Schweiger unterstützen die Krankenhaus-Chefs.

Sie alle sind von der Notwendigkeit der Reform überzeugt. Das Kernproblem, der Ausgleich der steigenden Klinik-Kosten, ist in ihren Augen aber ungelöst.

Wie die Regensburger Krankenhäuser finanziert werden, ist wichtig für die Stadtbewohner und die gesamte Oberpfalz. Fast 520000 Patienten haben Universitätsklinik (UKR), Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, St. Josef und Kreisklinik Wörth 2023 behandelt – stationär oder ambulant. Spitzenreiter sind das UKR mit 214000 Patienten und Barmherzige Brüder mit 196000. Andreas Kestler fordert, Minister Lauterbach solle am Freitag besser die dringend nötige höhere Kostenerstattung zusichern. Der so genannte Landesbasisfallwert müsse um rund acht Prozent steigen, um Inflation und Tarifsteigerungen abzufedern. „Dann wäre die Welt in Ordnung.“ Tanja Schweiger hat als Hausherrin ins Thema eingeleitet. „Es geht ans Eingemachte. Wir brauchen eine Reform.“ Regensburg und der Landkreis hätten finanziell gesunde Häuser. Aber wenn jedes Jahr die Inflation zuschlage, werde es ohne Anpassung immer schwieriger. „Es wäre schön, wenn die Preissteigerungen aufgefangen würden.“ Der Landesbasisfallwert sei dafür da. OB Maltz-Schwarzfischer geht es darum, dass die Bevölkerung weiterhin auf hohem Niveau versorgt wird. „Es gibt eine Finanzierungslücke, die auch gesunde Strukturen in Schwierigkeiten bringt.“

Mehr Bürokratie befürchtet

Sylvia Pemmerl, die Medizinisch-Ärztliche Direktorin der Caritas-Klinik St. Josef, befürchtet wie Bernhard Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum (UKR), und Andreas Kestler mehr Bürokratie. Auch werde die geplante Reform die Finanzierungslücke zu spät ausgleichen. Ein rascherer Umbau der Finanzierung sei nötig.

Graf spricht von enormen Kostensteigerungen. „Um mehr Geld zu kriegen, müsste ich mehr Patienten behandeln, das geht aber nicht, weil die Pflegekräfte und vor allem die Ärzte fehlen.“ Die Kreisklinik Wörth hat 2023 „so viele Patienten wie noch nie“ therapiert – und trotzdem habe sich das Defizit erhöht, sagt Direktor Martin Rederer.

Krankenhäuser arbeiten eng zusammen

Kooperation: Die Krankenhäuser in Stadt und Umland bieten eine hervorragende Versorgung. Das belegen viele Auszeichnungen. Seit Jahren bestehen enge Kooperationen der Häuser mit dem Ziel, den Patienten dort unterzubringen, wo er in seiner jeweiligen Situation die beste Behandlung erhält. Die Notfallversorgung ist ein weiterer wichtiger Eckpfeiler.

Krankenhausreform: Was bedeuten die Pläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach für Regensburg? Wie kann die hochwertige, integrierte Versorgung aufrechterhalten werden? Darüber haben sich die Klinikchefs aus Stadt und Landkreis, OB und Landrätin bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Landratsamt Regensburg ausgetauscht.

Sorgen sich um die Krankenhäuser: (v. l.) Direktor Anästhesiologie Bernhard Graf (UKR), Geschäftsführer Andreas Kestler (Barmherzige Brüder), OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Landrätin Tanja Schweiger und Direktoren Sylvia Pemmerl (St. Josef) Foto: H.C. Wagner